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“Ich hoffe wirklich, dass es nie wieder einen Atomkrieg geben wird”

Zeugenbericht von Yosaku Mikami über den 6. August 1945 in Hiroshima

Zum internationalen Jahr des Friedens 1986 beschloss das “Hiroshima Peace Cultural Center” die Berichte von 100 Hibakusha aufzuzeichnen. Wir veröffentlichen in der Lebenshaus-Website einige davon ins Deutsche übersetzte Zeugenberichte von Hibakusha. Diese Texte mit den Aussagen von überlebenden Opfern der Atombombenabwürfe müss(t)en jedem Menschen zur Kenntnis gebracht werden. Es soll niemand sagen können, nicht gewusst zu haben, was den Menschen in Hiroshima und Nagasaki Grauenhaftes widerfahren ist.

Der nächste Zeugenbericht ist von Herr Yosaku Mikami. Er war 32 Jahre alt, als er der Strahlung ausgesetzt war. Als die Bombe explodierte, war er in der Straßenbahn Richtung Sendamachi, 1.9 km vom Hypozentrum entfernt. Er war Feuerwehrmann. Am Morgen des 6. August war er auf dem Heimweg von seinem Nachtdienst in Ujina nach Sakaemachi. Seine Familie war am Tag zuvor komplett evakuiert worden.

Mikami: Ich war bei der Feuerwehr in Ujina stationiert. Unser 24-Stunden-Dienst lief von 8 Uhr am Morgen bis 8 Uhr am nächsten Morgen. Wir waren in zwei Gruppen für die Schichten eingeteilt. An diesem Tag, dem 6. August, war ich gerade dabei meine Arbeit zu verlassen, um 8 Uhr am Morgen nach Hause zu fahren. Kurz zuvor war “alles klar” ausgegeben worden. So machte ich mich auf den Weg nach Hause nach Sakaemachi. Als ich die Straßenbahnhaltestelle erreichte, stellte sich heraus, dass ich die Straßenbahn um ein paar Minuten versäumt hatte. Ich musste ungefähr zehn Minuten auf die nächste warten.

Die Straßenbahn fuhr durch die Miyuki Bashi und erreichte gerade das Ausbildungsbüro, als ich den blauen Blitz vom Fenster her sah. Zur selben Zeit füllte sich der Waggon mit Rauch, so dass ich nicht einmal die Menschen direkt vor mir sehen konnte. In ungefähr einer halben Stunden stieg ich aus dem Waggon aus. Ich sah, dass alles in Flammen stand. Der Himmel war trüb, wie mit Wolken bedeckt. Ich beschloss wieder zur Arbeit zu gehen und lief zurück zur Feuerwehrstation. Dort gab es überhaupt nichts zu trinken. Kann wer die Straßenbahn dort drüben in der Nähe der Feuerwehrstation sehen? Als ich diese Ecke erreichte, sprang ich auf den Feuerwehrwagen zu meinen Kollegen, die diesen Tag Dienst hatten. Ich schloss mich ihnen an.

Wir fuhren einen kaum passierbaren Weg entlang, aber wir mussten bald wieder zur Feuerwehrstation zurückkehren, weil viel zu viel brannte und wir überhaupt nichts tun konnten. Am Weg zurück zur Station, als wir gerade das Gebäude der staatlichen Tabak- und Salzgesellschaft erreichten, sahen wir das Kaufhaus brennen. Wir hielten an und gingen hinein, um das Feuer zu löschen. Als das Feuer aus war, beschlossen wir zur Hauptfeuerwache zu gehen, um zu erfahren, was passiert war. Wir überquerten die Miyuki-Brücke. Es war entsetzlich heiß. Die Pfosten der elektrischen Beleuchtung brannten ab. Wir trugen alle Regenmäntel, um uns vor dem Feuer zu schützen.

Zum selben Zweck trugen wir auch Kappen. Als wir die Wassertanks erreichten, schütteten wir Wasser mit Eimern über uns. Schließlich erreichten wir die Hauptfeuerwache. Ich schätze, dass ungefähr 5 oder 6 meiner Kollegen schon dort waren. Dann wurde uns gesagt, dass wir uns um die Schwerverletzten kümmern sollten. Wir fuhren einen Vorgesetzten in ein Spital und dann fuhren wir zur Miyuki-Brücke und zur Takano-Brücke, wo wir eine Menge sterbender Leute fanden. Es waren ungefähr 4 oder 5 Feuerwehleute im Wagen. Die Männer in guter Verfassung hingen an der Seite des Wagens.

Wir hörten viele Leute fluchen, brüllen, schreien, nach Hilfe rufen. Weil unser Auftrag war, den am schwersten Verletzten zu helfen, suchten wir sie. Wir versuchten die Augen der Verletzten zu öffnen und fanden so heraus, ob sie noch am Leben waren. Wir versuchten sie an Armen und Beinen zu tragen und sie auf den Lastwagen zu bringen. Aber das war schwierig, weil ihre Haut abging, als wir sie zu bewegen versuchten. Sie hatten alle schwere Verbrennungen. Aber sie beschwerten sich nicht, sogar nicht, wenn sie Schmerzen hatten, wenn sich ihre Haut abschälte. Wir brachten die Opfer zum städtischen Krankenhaus.

Bald darauf war das Krankenhaus voll, sodass wir die Verletzten zum Akatsuki Militärspital brachten. Am folgenden Tag beschlossen wir, die kleinen Feuerwehrstationen in der ganzen Stadt zu besuchen. Ich glaube es waren um die 20 oder 30 kleineren Stationen mit jeweils 7 oder 8 Feuerwehrmännern. Diese kleinen Stationen waren während des Krieges vorübergehend in der Nähe von Polizeistationen und Amtsgebäuden untergebracht. Die Leute, die an den wichtigen Plätzen stationiert waren, waren alle getötet worden. Ich kam zu einer dieser Feuerwachen und fand in einem ausgebrannten Löschfahrzeug einen Mann, der dort zu Tode gekommen war.

Es sah aus, als ob er gerade dabei war das Löschfahrzeug zu starten, um das Feuer zu bekämpfen.

Im Inneren des eingestürzten Gebäudes fand ich auch eine Anzahl toter Männer. Ich vermute, sie fanden nicht rechtzeitig heraus. Viele meiner Kollegen, die diesen Tag überlebten, starben einen Monat später. Einige verloren ihre Haare, bevor sie starben. Ja. Es gab eine Menge Feuerwehrleute, die einen oder eineinhalb Monate später starben. Es tut mit sehr leid um sie. Es tut mir ebenso leid um die, die ihre Familien verloren hatten. Ich hoffe wirklich, dass es nie wieder einen Atomkrieg geben wird.

Originalfassung: Voice of Hibakusha .


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Veröffentlicht am

04. August 2005

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