Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V.

Ihre Spende ermöglicht unser Engagement

Spendenkonto:
Bank: GLS Bank eG
IBAN:
DE36 4306 0967 8023 3348 00
BIC: GENODEM1GLS



Suche in www.lebenshaus-alb.de
 

Boykottieren wir die Kriegstreiber - Boykottieren wir ESS0 !

Rede von Eckhard Stratmann-Mertens, früherer MdB der Grünen, heute Attac Bochum, auf der Friedenskundgebung am 22.3.2003


Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

in den letzten Wochen und Tagen ist von denen nicht mehr die Rede. An den Bildschirmen sehen wir die Bombenblitze und Rauchpilze, gestorben wird im Verborgenen. Im Hintergrund und gedeckt halten sich die, die auf ihre Beute lauern. Die von langer Hand die Drähte für den Eroberungskrieg gezogen haben und seine Nutznießer sein werden. Ich rede von den Ölkonzernen aus den USA und Großbritannien.

Das geplante Verbrechen hat einen Namen und eine Adresse: Es ist nicht nur der Clan um Präsident Bush. Es sind die, die seinen sog. Wahlsieg erst ermöglicht haben, indem sie ihn im Wahlkampf mit Dollar-Spenden in Millionenhöhe geschmiert haben: Allen voran die US-amerikanische Ölindustrie, der Präsident Bush selbst jahrelang als Manager angehört hat. Eine zweistellige Millionensumme Wahlkampfhilfe verdankt Bush der Ölindustrie, ohne sie wäre er nicht im Amt. Nach dem in Konkurs gegangenen Skandalkonzern Enron war es der Ölgigant ExxonMobil, der am meisten zum Schmiergeld für Bush beisteuerte.

ExxonMobil, uns allen eher als ESSO bekannt, ist der weltweit größte Ölkonzern; in Deutschland betreibt er fast 1.400 Tankstellen. Sein Gewinn aus dem Öl- und Gasgeschäft ist gigantisch: im Jahre 2001 über 15 Milliarden US-$. Der Konzern hat sich um seines Gewinns willen gegen das Wohl der Menschheit verschworen: Er bestreitet vehement, dass die Verbrennung von Öl etwas mit dem globalen Klimawandel zu tun habe; er weigert sich konsequent, in erneuerbare Energien zu investieren. Investiert hat der Ölmulti allerdings in die Karriere von Bush - und dies zahlt sich aus.

Noch nie in der Geschichte der Vereinigten Staaten war eine Regierung so mit der Ölindustrie verflochten wie der Bush-Clan: neben dem Präsidenten kommen sein Vize, Dick Cheney, aus der Branche, desgleichen die sog. Sicherheitsberaterin Condoleeza Rice und viele andere mehr. Dieses Personal ist Programm: Kurz nach seinem Amtsantritt verkündete Bush, dass sich die USA aus dem Kyoto-Protokoll verabschieden, dem internationalen Vertrag zum Schutz des globalen Klimas. Damit erklärte Bush dem Weltklima den Krieg. Er eröffnete darüberhinaus auch seinen Alleingang gegenüber internationalen Abkommen. Gerade haben wir dessen vorläufigen Höhepunkt im UN-Sicherheitsrat erlebt.

Vordergründiger Nutznießer dieses Klima-Krieges ist der american way of life, die unglaublich verschwendungssüchtige Lebensart der US-Bürger und -Bürgerinnen. Schon der Energieverbrauch der Europäer und hier insb. der Deutschen liegt um ein Mehrfaches über dem Durchschnitt der Welt. In den USA liegt er aber noch einmal um mehr als das Doppelte über dem europäischen Verbrauch.

Liebe Freundinnen und Freunde,

es gibt einen engen Zusammenhang zwischen dem Krieg gegen die Natur und dem jetzigen Irak-Krieg. Der verantwortungslose Energieverbrauch ist in doppelter Hinsicht kriegstreibend. Nutznießer eines hohen Energieverbrauches sind die Mineralölkonzerne, allen voran der Esso-Konzern. Ich erinnere: Sein Jahresgewinn betrug im Jahr 2001 über 15 Milliarden US-$. Die Prognosen für den Energieverbrauch der USA zeigen steil nach oben. Damit wächst auch die Abhängigkeit der Vereinigten Staaten von Ölimporten. Zwei Drittel der Ölreserven der Welt liegen in der Golfregion. Dies erklärt, warum die Ölkonzerne samt ihrer Militärstrategen so scharf sind auf diese Region.

Bis 1972 hatten die US- und britischen Ölkonzerne gut reden im Irak: Sie hielten drei Viertel der Anteile an der irakischen Ölindustrie. Dann wurde diese verstaatlicht. Seit dem zweiten Golfkrieg im Irak 1990/91 sind die US- und britischen Konzerne dort in Ungnade gefallen und gingen bei der Verteilung von Schürfrechten leer aus. Kein Wunder, dass der ESSO-Konzern seit Jahren “wissenschaftliche Einrichtungen” und Institute in den USA sowie Lobbygruppen unterstützt, die ein militärisches Vorgehen gegen Saddam Hussein propagieren.

In bekannter Manier - der alte Imperialismus lässt grüßen - sollen die dringend notwendigen Energieressourcen neu aufgeteilt werden. Alt bekannt ist dabei auch die Konkurrenz unter den Imperialisten, wenn auch ihre Methoden verschieden sind. Oder ist es nur ein Zufall, dass es gerade französische, russische und chinesische Ölkonzerne sind, die schon Schürfrechte an den irakischen Ölquellen in der Tasche bzw. in Aussicht haben, wenn die UN-Sanktionen fallen? Ist es nur ein Zufall, dass gerade ihre Staaten im UN-Sicherheitsrat den kriegswütigen Konkurrenten mit Veto drohten?

Es ist nicht alles Friedensliebe, was sich gegen den Überfall auf den Irak ausspricht. Dennoch sollten die Verbrecher beim Namen genannt und haftbar gemacht werden. Einer, wenn nicht der größte unter ihnen, ist der Konzern ExxonMobil/ESSO. Mit mehreren Tankstellen wirbt er in Bochum darum: Packt den Tiger in den Tank. Auf den US-Panzern, den Tanks, im Irak fährt immer auch ein solcher Tiger mit und lässt grüßen. Es liegt auch an uns, diesem Spuk ein Ende zu bereiten.

Seit zwei Jahren ist Greenpeace international aktiv mit einer Kampagne “Stopp Esso”. Greenpeace will den Ölgiganten mit vielerlei Aktionen an seine ökologische und soziale Verantwortung gemahnen. Um wieviel mehr ist die Mitverantwortung des ESSO-Konzerns für den Irak-Krieg ein Grund, den Konzern haftbar zu machen.

Attac Bochum und das Friedensplenum Bochum rufen daher dazu auf, eine Kampagne für einen ESSO-Boykott zu starten.

Heute können wir dazu nur einen kleinen Anfangspunkt setzen. In den kommenden Tagen sollten wir diese Initiative bundesweit bekannt machen, über alle Netze, über die wir verfügen.

Lasst uns unsere Wut über die Kriegstreiber einmünden in eine friedliche und gewaltfreie Adresse an diese Kriegstreiber. Lasst uns in diesem Sinne aufbrechen zur einer Demonstration zur ESSO-Tankstelle an der Hattinger Straße.

Boykottieren wir die Kriegstreiber - boykottieren wir ESSO !

___________


Nachtrag vor der ESSO-Tankstelle an der Hattinger Straße:

Seit dem Jahr 2000 ist Greenpeace international aktiv mit einer Kampagne “Stopp Esso”. Die äußerst erfolgreiche Kampagne gegen den Shell-Konzern im Jahre 1995 in Folge der geplanten Versenkung der Ölplattform Brent Spar in der Nordsee hat gezeigt, dass Ölkonzerne gegenüber Boykottkampagnen ausgesprochen verletzlich sind. Aus diesem Grunde wollen wir den Anstoß geben zu einer Kampagne:

Boykottiert die Kriegstreiber - boykottiert ESSO !

Anfang März hat Greenpeace eine der größten Aktionen zivilen Ungehorsams in der Geschichte Großbritanniens ausgelöst. Greenpeace-Aktivisten - einige als Tiger verkleidet- haben an über 116 Esso-Tankstellen in 17 Grafschaften die Notschalter betätigt und anschließend abgeschraubt. Die Benzinzufuhr kam so zum Erliegen. Die gesammelten Schalter wurden an den Esso-Vorstand in Texas geschickt mit einem erklärenden Schreiben.

Vor den Eingängen der Esso-Zentrale in Großbrittanien in Leatherhead (Grafschaft Surrey) wurde ein großer LKW geparkt, Ölfässer und ein Container abgestellt. Greenpeace informierte die Angestellten von Esso über seine Motive. Die Zentrale schickte die Angestellten nach Hause, sie bekamen den Tag frei.
Ich meine: ein guter Einstieg in eine ökologische Arbeitszeitverkürzung.


Siehe zu diesem Thema auch u.a. folgende Artikel auf der Lebenshaus-Website:

- “Boykott - Die große Macht der kleinen Leute!” von Michael Schmid

- “Aufruf zum Widerstand gegen die Alleinherrschaftspläne der US-Regierung” von Till Bastian

- “Der Tiger im Panzer. ExxonMobil, die Abhängigkeit vom Erdöl und der Irakkrieg” von Greenpeace

Veröffentlicht am

27. März 2003

Artikel ausdrucken

Weitere Artikel auf der Lebenshaus-WebSite zum Thema bzw. von