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Boykott - Die große Macht der kleinen Leute

Von Michael Schmid

Scheinbar unbeeindruckt von den weltweiten Massendemonstrationen hat die Regierung Bush ihre Pläne für einen verbrecherischen Krieg gegen den Irak durchgezogen. Könnte ein gezielter Wirtschaftsboykott die Kapitaleigner in den USA und in Großbritannien so schmerzen, dass über diesen Weg Einfluss auf die Politik der Kriegstreiber genommen werden kann?

Zunächst: Die Durchführung eines Boykotts ist keine Form des bürgerlichen Protests oder des gewaltfreien Widerstands, die einfach so schnell aus dem Ärmel geschüttelt werden müsste und dann schon wirksam wäre. Im Gegenteil, die meisten erfolgreichen Boykottaktionen waren von ihrer Planung und Durchführung her höchst anspruchsvoll.

Boykott - ein gewaltfreies Mittel zur Veränderung

Allerdings beinhaltet das Instrument Boykott grundsätzlich die Chancen auf Einwirkung in gesellschaftliche und politische Entwicklungen, die bislang in den sozialen Bewegungen noch kaum erkannt werden. Boykottaktionen können durchaus ein machtvolles, gewaltfreies Mittel sein.

Beispiele zeigen, dass soziale Bewegungen auf breiter Basis gegenüber Transnationalen Konzernen und Großbanken intervenieren können. Ein bekanntes Beispiel ist die Kampagne “Nestlé tötet Babies”. Hier wurde der Konzern durch weltweite Kampagnen gezwungen, seine aggressive Werbung für Babynahrung in hygienisch nicht versorgten Regionen der Welt einzustellen. Andere Beispiele sind die Kampagnen “Kauft keine Früchte der Apartheit” sowie zum Boykott von Firmen und Banken, die mit der Apartheidregierung in Südafrika Geschäfte machten. Mit letzterer Kampagne gelang es Kirchen, Gewerkschaften, Orden, Universitäten, Basisbewegungen und Kommunen in den USA und Kanada, Banken und Firmen zum Rückzug aus Südafrika zu zwingen. Im ökologischen Bereich ist die Intervention von Greenpeace gegenüber Shell anläßlich der Entsorgung der Bohrinsel Brentspar besonders bekannt geworden.

Selbst wenn viele Boykotte gescheitert sind oder zumindest ihr anvisiertes Ziel nicht erreichen konnten, so gibt es doch eine Fülle von Beispielen, die ermutigend genug sind, um den Menschen die Ohnmacht und den Aberglauben an die Unbesiegbarkeit von wirtschaftlicher Macht und Machtpolitik zu nehmen.

Boykotte in der aktuellen Situation

Für die weltweite Antikriegsbewegung gilt es aktuell, sich zusätzlich zu Demonstrationen und anderen Mitteln demonstrativen Protests des Mittels des Boykotts zu bedienen. Vermutlich wären zwar die Chancen auf Wirksamkeit von Boykottmaßnahmen dann größer, wenn sie von langer Hand gründlich vorbereitet werden könnten. Dies ist jetzt ganz aktuell angesichts des laufenden verbrecherischen Krieges nicht mehr möglich. Dennoch macht es Sinn, sich an aktuellen Boykotten zu beteiligen. Allerdings ohne die Illusion, damit unbedingt den jetzt laufenden Wahnsinn ganz schnell beenden zu können. Da die Bush-Regierung in ihrem Feldzug gegen Irak erst den Auftakt zu einer ganzen Reihe von “Präventivkriegen” gegen die “Achse des Bösen” und weitere “Schurkenstaaten” sieht, sollten wir in der Perspektive gleichzeitig eine längerfristige Boykottstrategie entwickeln.

“Anti-Amerikanismus”?

Aufrufe zu Warenboykotten werden bereits mit dem Etikett “Anti-Amerikanismus” versehen. Selbstverständlich sollten Boykott-Aufrufe nicht pauschal Stimmung gegen die USA machen. Vielmehr sollten sie sich gegen eine kriegerische Politik und gegen Konzerne richten, die davon profitieren. Auch in den USA wird zum Boykott von Firmen aufgerufen, die Bush und die Republikaner sponsern. Mit diesen AmerikanerInnen, mit “dem anderen Amerika”, das sich ebenfalls dem Krieg widersetzt, sollten wir die Vernetzung und Zusammenarbeit fortsetzen und intensivieren. Schließlich ist es aber so, dass es ohne die US-Administration und die sie tragenden Konzerne diesen Krieg nicht gäbe! Deshalb hat es seine Berechtigung, sich aktuell mit einem Warenboykott in erster Linie auf die USA zu konzentrieren.

Abgesehen davon sind Boykott-Aufrufe nicht zu unterstützen, welche die USA insgesamt völlig boykottieren, z.B. pauschale Boykottaufrufe gegen Reisen in die USA, den Kinobesuch US-amerikanischer Filme oder das Kaufen von US-Informationsmedien. Das dient nicht der Völkerverständigung. Auch gibt es Boykottlisten mit Aufrufen im Internet, die tatsächlich eine ausgeprägt antiamerikanische Sprache und Haltung ausstrahlen.

Vorsicht “Scherz”: Nicht jeder Boykottaufruf macht Sinn!

Und dann noch etwas anderes: selbstverständlich ist nicht jeder Boykott sinnvoll. Es kursiert wieder einmal ein Kettenbrief, dieses Mal mit dem Motto “Boykott Shell & Esso”. Allerdings dann mit der Überschrift “Für einen intelligenten Preiskrieg gegen die Erdölgesellschaften”.

Also Vorsicht! Bei Boykottaufrufen gegen Shell und Esso nicht sofort losagieren, sondern erst einmal lesen. Denn bei diesem Kettenbrief geht es einmal mehr um einen “Scherz” (HOAX), der nur unnötig unsere Mailboxen verstopft und sich nicht gegen Krieg und eine zerstörerische Form der Globalisierung wendet, sondern im Gegenteil, voll auf dem verschwenderischen Konsumtrip, noch billigeres Benzin fordert. Mehr zu diesem HOAX bei der TU Berlin .

Es gibt verschiedene aktuelle Boykott-Aufrufe und -Kampagnen

Derzeit gibt es bereits eine ganze Reihe von Boykott-Aufrufen und -Kampagnen. Unten sind verschiedene Links aufgeführt.

Gerade gestartet haben Hans-Werner Senfft und ich eine Internationale Kettenbriefaktion : “Das wirksamste Mittel gegen die Kriegspolitik der USA ist ein weltweiter Boykott gegen USA-Produkte! (Galtung)”. Wir bitten darum, diesen Aufruf im Schneeball-System weiterzuverbreiten. Also bitte nachdrucken/kopieren und verteilen oder als E-mail/Fax weitergeben!

Wir suchen derzeit Menschen, welche diesen Aufruf in verschiedene Sprachen übersetzen. Rückmeldungen bitte an info@lebenshaus-alb.de .

Ganz allgemein gilt für alle Boykott-Kampagnen, daß bei der Erstellung von Unternehmens- und Produktlisten mit großer Sorgfalt vorgegangen werden sollte. Das ist Voraussetzung für eine seriöse Handreichung für die breite Masse der privaten VerbraucherInnen.

Natürlich taucht dann die Frage auf, ob es mehr Sinn macht, ein einziges Produkt zu boykottieren und sich darauf zu konzentrieren, wie etwa Esso. Oder besser einen Boykott von mehreren Produkten, also z.B. Esso, Mobil, McDonalds, Coca Cola, Krafft, Marlboro, Pepsi, etc.? Oder gehen wir gegen den Krieg vor, indem wir möglichst alle Produkte von US-Firmen boykottieren? Letzteres ergibt allerdings ziemlich umfangreiche Listen und es stellt sich die Frage, wie praktikabel diese beim Einkaufen sind. Mir persönlich scheint es so, dass sich diese umfangreichen Listen eher eignen für ein längerfristiges Umorientieren, weg vom Einkauf bei weltweit operierenden Konzernen, hin zu Produkten aus der eigenen Region.

Aber letztlich kann und muss jede und jeder für sich entscheiden. Die verschiedenen Listen, die unter anderem im Internet kursieren, bieten eine Auswahl. Jede Konsumentin, jeder Konsument wird ein anderes Konsum- und Markenverhalten haben und für sich entscheiden, welche Produkte er bzw. sie boykottieren kann und will.

Hinweise und Links zu Boykotten

Zahlreiche Hinweise sowie Links zu Boykott-Aufrufen und -Kampagnen finden sich in dem Artikel “Boykottaktionen gegen Irakkrieg”

Veröffentlicht am

02. April 2003

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