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Martin Luther King: Ich habe einen Traum. Ein Lesebuch

Von Michael Schmid - Rezension

Inzwischen sind über fünf Jahrzehnte seit der Ermordung von Martin Luther King am 4. April 1968 vergangen. So verwundert es kaum, dass viele Menschen, wenn überhaupt, nur vage Erinnerungen an ihn haben. Martin Luther King, ein gewaltfreier schwarzer Bürgerrechtler in den USA und Friedensnobelpreisträger, ein Mann, mit einem "Traum", der ermordet wurde.

Heinrich Grosse hat ein Martin-Luther-King-Lesebuch zusammengestellt, das die Möglichkeit bietet, mehr und Genaueres über Kings Leben und Werk zu erfahren. Für das Buch wurden vom Herausgeber dreizehn wichtige und bewegende Texte dieses großen Propheten der Menschlichkeit aus den Jahren 1955 bis 1968 ausgewählt, also der gesamten Zeit von Kings öffentlichem Wirken. Die chronologisch geordneten Texte geben Auskunft über die christlich-religiösen und politischen Überzeugungen und Hoffnungen, die ihn bewegten, aber auch über die großen Widerstände, die er zu überwinden hatte. Weil Kings Reden, Aufsätze und Predigten stets konkret und situationsbezogen waren, hat der Herausgeber den Texten Hinweise zum jeweiligen situativen Kontext vorangestellt.

Dem Hauptteil mit King-Texten hat Heinrich Grosse eine interessante Einführung zu Lebensstationen von King vorangestellt. Darin geht er auch der Frage nach, wozu uns die Erinnerung an Martin Luther King heute ermutigen kann. Abgerundet wird das Buch mit einer Zeittafel: In zwei Spalten werden Stationen aus Martin Luther Kings Leben einigen zur gleichen Zeit aktuellen Ereignissen der Weltpolitik bzw. deutscher Politik gegenübergestellt.

Heinrich Grosse hatte Martin Luther King 1967/68 bei Aktionen der Bürgerrechtsbewegung und der Friedensbewegung während eines Studienaufenthaltes in den USA persönlich erlebt. Er war nicht zuletzt durch die Übereinstimmung zwischen den Worten und dem Handeln dieses afro-amerikanischen Christen und Weltbürgers tief beeindruckt. So tief, dass er sich seitdem intensiv mit Leben und Werk Kings beschäftigte und viele von dessen Reden und Artikel ins Deutsche übersetzte. Heinrich Grosse machte es sich zur Lebensaufgabe, Leben und Wirken Kings hierzulande lebendig zu halten und zu vermitteln, wie aktuell das Erbe dieses politisch engagierten Christen im 21. Jahrhundert immer noch ist. Grosse war ergriffen davon, wie King sich in einer von Gewalt geprägten Welt für Konfliktlösungen ohne Gewalt engagierte. In der Nachfolge Jesu hatte dieser sich besonders für diejenigen eingesetzt, die im biblischen Gleichnis von Mt 25 "die Geringsten" genannt werden, und verzichtete selber auf Privilegien, die ihm, dem Friedensnobelpreisträger, durchaus möglich gewesen wären. Von biblischen Visionen von Gerechtigkeit inspiriert, strebte er ein Leben in Würde für alle Menschen in seinem Land an. Trotz vielfacher Bedrohung hielt er mit großer Zivilcourage an seinem Traum fest, dass alle Menschen - befreit von den Übeln des Rassismus, der Armut und des Krieges - als Geschwister in einem "Welthaus" leben.

Für Heinrich Grosse war es zur Lebensaufgabe geworden, mit Büchern und Vorträgen zu zeigen, wie aktuell Martin Luther Kings Vorstellungen von einem gerechten und menschlichen Miteinander auch in unserer Welt sind. Er konnte das von ihm herausgegebene Buch "Martin Luther King: Ich habe einen Traum" noch abschließen. Aber noch vor dessen Drucklegung verstarb er selber plötzlich und unerwartet im Januar 2018. Und so dokumentiert dieses von ihm herausgegebene inspirierende und sehr empfehlenswerte Lesebuch über Kings Erbe auch eindrucksvoll das Vermächtnis von Heinrich Grosse.

Martin Luther King: Ich habe einen Traum. Ein Lesebuch. Herausgegeben von Heinrich Grosse. Patmos Verlag Ostfildern, 2018. 192 Seiten, 20,00 €. ISBN: 978-3-8436-1037-7. 

INTERVIEW

Mit Heinrich W. Grosse in der Sendung "Feierabend" (ORF2)

Veröffentlicht am

28. Januar 2019

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