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Gegen die Bombe - Ermutigung zum Weitermachen

Von Ann Lakhdhir - Buchbesprechung “The Struggle Against The Bomb” von Lawrence S. Wittner. 1

Warum ging der Kalte Krieg zu Ende? Welche Auswirkung hatte die weltweite Bewegung zur Ächtung der Atombombe auf die Regierungspolitik? Dies ist der Gegenstand von Wittners ausführlicher Forschung und Analyse, die viele Aspekte internationaler Angelegenheiten erhellt und allen denjenigen, die gegen den Rüstungswettlauf und den Kalten Krieg marschiert, demonstriert und gesprochen haben, Mut machen sollte.

Wittner sagt, der Kalte Krieg ging zu Ende, nicht in erster Linie, weil die Sowjetunion nicht mit der militärischen Aufrüstung der USA unter der Reagan-Administration Schritt halten konnte, sondern, weil das Denken der sowjetischen Politikmacher sich geändert hatte, angefangen mit den Wissenschaftlern, die an den Pugwash-Treffen teilgenommen hatten, wo sie ihre westlichen Gegenspieler trafen, die Abrüstung und Rüstungskontrolle befürworteten.

Auf politischer Ebene wurde Premierminister Nikita Chruschtschow von Norman Cousins, dem Herausgeber von Saturday Review beeinflusst, der auch der Vorsitzende von SANE, einer Nichtregierungs-Organisation für Abrüstung war. Cousins traf sich mehrere Male mit Chruschtschow, manchmal mehr als drei Stunden. Chruschtschow sagte Cousins 1962: “Friede ist das wichtigste Ziel auf der Welt. Wenn wir keinen Frieden haben und die Atombomben anfangen zufallen, was macht es dann für einen Unterschied, ob wir Kommunisten oder Katholiken oder Kapitalisten oder Chinesen oder Russen oder Amerikaner sind? Wer könnte uns auseinanderhalten?” Er sagte auch, “Eine Sache, die Präsident (Kennedy) und ich sofort tun sollten, ist es, einen Vertrag zu schließen, der Atombombenversuche ächtet, und dann anfangen, mit dem Problem, die Waffen davon abzuhalten, sich auf der ganzen Welt zu verbreiten.” Cousins spielte eine Schlüsselrolle beim Abschluß des Partial Test Bau Treuty (Vertrag der teilweisen Ächtung von Versuchen), der die Atomtests in der Atmosphäre beendete.

Diejenige Person, die das große Tauwetter einleitete, Präsident Michail Gorbatschow, erhielt die Schlüsselideen seines “Neuen Denkens” von Leuten wie dem britischen Autor E.P. Thompson und anderen der westlichen Antiatomkampagne. Thompson sagte: “Nach 1985 begannen unsere eigenen Worte zu uns zurückzukommen - aus Moskau. Es war Gorbatschow, der jetzt unsere Richtlinien übernahm, der davon sprach, Europa ‘vom Atlantik bis zum Ural’ von Atomwaffen zu befreien, der einen praktischen Handlungsplan für die Auflösung der beider Blöcke vorschlug.”

Große Demonstrationen in Europa und in den USA hatten auch ihre Auswirkung, wenn auch nicht unmittelbar. Unter den ersteren waren die Ostermärsche in London in den Fünfzigerjahren, und dann in Deutschland. 1982 zog eine halbe Million Menschen in den Central Park und in Europa gab es riesige Demonstrationen gegen die Stationierung von Kurzstreckenraketen in Europa. Die Demonstrationen brachten keine sofortige Veränderung der US-Politik, aber schließlich doch, mit Hilfe von Gorbatschow.

Über die gegenwärtige Szene, wo der Fortschritt zur Abschaffung der Atomwaffen zum Stillstand gekommen und die Zukunft des CTBT (Umfassender Vertrag für die Ächtung von Atomtests) zweifelhaft ist, weil die USA den Vertrag nicht ratifiziert haben und die Konferenz für Abrüstung seit einigen Jahren nicht imstande ist, irgend etwas zu tun, sagt Wittner folgendes: “Wir leben an einem potentiellen Wendepunkt der menschlichen Geschichte, denn die letzten Fortschritte in der ‘Kunst’ des Krieges - die Atomwaffen - haben uns eine bedeutsame Wahl aufgezwungen. Wenn die Nationen fortfahren, das traditionelle Musterbeispiel ‘nationaler Sicherheit’ zu verfolgen, werden ihre führenden Politiker - früher oder später - auf den Atomkrieg zurückgreifen… Sind wir bereit für ein ‘Neues Denken’? … Eine Untersuchung der Geschichte der atomaren Abrüstungsbewegung inspiriert uns eine größere Hochachtung für das menschliche Potential. In der Tat, wider die nationalen Schranken und die mörderischen Traditionen der Vergangenheit haben sich Millionen Menschen die Hand gereicht, um eine sicherere, gesündere Welt zu bauen. Vielleicht werden sie schließlich ihr Ziel erreichen.” Für diejenigen, die durch die gegenwärtige Lage den Mut verloren haben, bietet Wittner ein Gegengift.

Es sollte beachtet werden, daß die Bücher alle Anti-Atombewegungen auf der ganzen Welt und eine riesige und faszinierende Menge an Forschung umfassen. Jeder Band besitzt eine umfangreiche Bibliographie und sehr umfangreiche Anmerkungen.

1 Lawrence S. Wittner: The Struggle Against The Bomb, 3 Bände. Stanford University Press.

  • Vol 1 (published in 1993): One World Or None: A History of the World Nuclear Disarmament Movement through 1953.
  • Vol. 2 (1997): Resisting The bomb: A History of the World Nuclear Disarmament Movement from 1954-1970.
  • Vol 3 (2003): Toward Nuclear Abolition: A History of the World Nuclear Disarmament Movement from 1971 to the Present.

Quelle: DER PAZIFIST Nr. 6/195 vom 28.08.2004. Übersetzt von Heidi Schimpf. Originalartikel: Fighting the Bomb, in: DISARMAMENT TIMES , Sommer 2004, Vol.XXVII, No.3.

Veröffentlicht am

07. September 2004

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