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Bei Prozess wurden Barbesitzer und “Regierungsbehörden” der Ermordung Kings für schuldig befunden

Von Jim Douglass

Der erste Prozess überhaupt, in dem die Ermordung von Martin Luther King Jr. verhandelt wurde, fand vom 15. November bis zum 8. Dezember 1999 im Berufungsgericht Memphis unter der Leitung des Richters James E. Swearengen statt. Nach der Anhörung von 70 Zeugenaussagen im Laufe des dreieinhalb Wochen dauernden Strafprozesses, der von der King-Familie beantragt wurde, befanden zwölf Geschworene (sechs Schwarze und sechs Weiße) den früheren Barbesitzer Loyd Jowers aus Memphis für schuldig, mit “Regierungsbehörden” einen Komplott geschmiedet zu haben, um Dr. King zu ermorden. Auf Wunsch der Kings, deren Anliegen nicht eine Bestrafung, sondern die Wahrheit war, wurde der kränkelnde Jowers zu einer symbolischen Geldstrafe von 100 Dollar verurteilt - mit der Auflage, sie an den Fonds der Stadtreinigungsarbeiter von Memphis zu spenden.

Dieser historische Prozess wurde von den Medien dermaßen ignoriert, dass außer den Zuschauern im Gerichtssaal ich die einzige Person war, der ihn von Anfang bis Ende mitverfolgt hat. Was ich in jenem Gerichtssaal erlebte, erstreckt sich von Bewunderung für den Mut der Kings, ihren Anwalt William F. Pepper, und den Augenzeugen, bis zum Erstaunen über den sorgsam verflochtenen Plan der Regierung, King zu ermorden. Die Ernsthaftigkeit, mit der die US-Geheimdienste den Mord an Martin Luther King Jr. planten, spricht eine deutliche Sprache über die Bedrohung, die die King’sche Gewaltlosigkeit im Frühjahr 1968 für die Mächtigen darstellte.

In der Verhandlung bezeugten eine Reihe von afroamerikanischen Polizeibeamten und Feuerwehrleuten, wie jeder Einzelne von ihnen seiner Pflicht entbunden wurde, der in der Nähe von Kings Zimmer im Lorraine Motel war, und dass in den Stunden vor dem Mordanschlag, am 4. April 1968, die üblichen Sicherheitsleute zurückgezogen wurden. Der Polizei- und Feuerwehrdirektor von Memphis, der für diese systematische Demontage von Kings Personenschutz verantwortlich war, ist der kürzlich verstorbene Frank Holloman, ein FBI-Agent im Ruhestand. Während seiner 25 Jahre beim FBI hatte Holloman als Leiter der Außenstelle in Memphis und als J. Edgar Hoovers persönlicher Assistent gearbeitet.

Augenzeugenberichte von Kings Kollegen und Beobachtern aus der Nachbarschaft, wonach der Schuss des Attentäters aus dicht gewachsenen Büschen direkt gegenüber des Lorraine abgefeuert wurde, wurden sofort nach der Tat dem Polizeirevier von Memphis (MPD) und dem FBI unterbreitet. Der ehemalige Stadtarbeiter Maynard Styles sagte jedoch aus, dass der MPD-Inspektor Sam Evans ihm um sieben Uhr am Morgen nach dem Attentat anwies, eine Truppe zusammenzustellen, und ebenjene Büsche abzuholzen, das heißt, den Tatort zu bereinigen.

Loyd Jowers gestand Dexter King und dem ehemaligen UN-Botschafter Andrew Young, dass sein Lokal, das Jim’s Grill hieß, und dessen Hintertür zu dem dichten Gebüsch hinausging, für 100 000 Dollar Abfindung und ein Gewehr als Schleuse diente. Ein Mann namens Raul brachte das Gewehr in einer Kiste mit, einen Tag vor dem Mord. (Raul, der James Earl Ray von 1967 an bis zum Attentat als “Lockvogel” kontrollierte, wurde auf einem Passfoto von Jowers und sechs weiteren Augenzeugen identifiziert. Während er im Gefängnis im Sterben lag, hatte ihn Ray auf demselben Foto als den Raul, den er kannte, identifiziert.)

Jowers sagte, dass ihm Sekunden nach dem Schuss von Lt. Earl Clark, dem besten Scharfschützen des MPD durch die Hintertür von Jim’s Grill das noch rauchende Gewehr zugeworfen wurde. Jowers vermutete, dass Clark abgedrückt hatte. In seinem auf Band aufgenommenen Geständnis sagte Jowers auch, dass die Planungsbesprechungen für das Attentat in Jim’s Grill stattfanden. Unter den Anwesenden war Clark (der 1987 starb), der verdeckte Ermittler des MPD Marrell McCollough (der als erster Kings Leiche erreichte, und heute für die CIA arbeitet), ein weiterer Polizist, und zwei Männer, die er nicht kannte, von denen er aber glaubte, sie seien Bundesagenten.

Auch die Rolle der US-Army im Zusammenhang mit dem Attentat tauchte auf. Carthel Weeden, der Leiter der Feuerwehrwache gegenüber des Lorraine, sagte aus, dass er zwei Armeeoffizieren, die angedeutet hatten, Fotoapparate dabei zu haben, das Dach seiner Station gezeigt habe, und zwar am Tag vor Kings Ermordung. Der frühere CIA-Funktionär Jack Terrell, ein Informant im Iran-Contra-Skandal, der gerade in Florida im Sterben liegt, bezeugte per Videoaufzeichnung, dass sein bester Freund, J. D. Hill, kurz vor seinem Tod zugab, Mitglied der Armee-Scharfschützenmannschaft gewesen zu sein, die mit dem Alternativplan beauftragt war, am 4. April King zu erschießen, falls der Schütze in den Büschen versagt haben sollte. Douglas Valentine, der Verfasser von “The Phoenix Program” (1990) ein Buch über die Ermordung tausender vietnamesischer Dorfbewohner durch die CIA, sagte aus über die Zuwendung der Veteranen von Phoenix zur Antikriegsbewegung der 60er Jahre, und insbesondere über das Attentat auf King. Zwei jener Geheimdienstbeamten, die den Männern auf dem Dach der Feuerwehrwache entsprechen, haben angeblich den Mann in den Büschen fotografiert, als er auf King schoss.

Der frühere Abgeordnete Walter Faunroy sagte aus, dass “sehr gehobene Kreise” Druck auf die Ermittlungen des “House Select Committee on Assasinations” im Fall King ausgeübt haben, so dass es zu seiner James Earl Ray-Einzeltäter-Schlussfolgerung gelangte, “ohne alle Beweise gesehen zu haben.”

In einem Interview sagte mir Reverend Fauntroy, dass er nach seinem Ausscheiden aus dem Kongress aus HSCA-Akten (ASCA = House Select Commitee on Assassinations) erfuhr, dass in den drei Wochen vor dem Attentat der FBI-Chef Hoover eine Reihe von Treffen mit Phoenix-Agenten des CIA und des Militärgeheimdienstes abhielt. Er erfuhr auch, dass solche Geheimagenten am 4. April in Memphis anwesend waren.

Als der Prozess zu Ende war, sagte David Morphy, der einzige Geschworene, der bereit war, in der Öffentlichkeit darüber zu reden, “Wir können darauf zurückblicken, und sagen, dass wir die Geschichte verändert haben. Aber deshalb haben wir es nicht getan. Sondern weil es eine überwältigende Menge an Beweisen und einfach zu viele merkwürdige Zufälle gab.”

Vielleicht lernen wir aus dem Attentat auf King, dass unsere Regierung die Macht der Gewaltfreiheit besser begreift, als wir, oder besser als wir das möchten. Wie Reverend James Lawson sagte, das Hintergrundwissen, das nötig ist, um das Attentat der eigenen Regierung auf unseren größten Propheten zu verstehen, ist das Wissen um Kings radikale Ablehnung des Vietnamkrieges und seiner verhinderten Pläne für einen Aufstand der Armen. King wollte, dass sich die armen Leute in der Hauptstadt Welle um Welle in zivilem Ungehorsam üben, bis sich die Regierung der moralischen Notwendigkeit der Ausrottung der Armut stellt.

“Ich habe keinen Zweifel,” sagte Lawson “dass die Regierung all das genug ernst genommen hat, um seine Ermordung zu planen.”

32 Jahre nach Memphis wissen wir, dass die Regierung, die Dr. King heute mit einem nationalen Feiertag ehrt, ihn getötet hat. Wenn das Justizministerium die Untersuchungsergebnisse seiner “eingeschränkten Neuermittlungen” im Mordfall King veröffentlicht, wird wieder einmal der Beweis erbracht werden, dass die Regierung mit ihrer Vertuschungstaktik weitermacht, genau auf dieselbe Art, wie im Zusammenhang mit den eng verwandten Morden an John und Robert Kennedy und Malcolm X.

Derjenige, der an eine gewaltfreie Bewegung glaubt, die die Verteilung von Macht und Wohlstand in Amerika zu ändern hofft - so wie Dr. Kings Vision, wenn sie wahr geworden wäre, es 1968 erreicht hätte - sollte bereit sein, denselben Preis zu zahlen, wie King in Memphis. Aber wie jede unserer religiösen Traditionen seit den Anfängen bekräftigt hat, ist jene wiederkehrende Geschichte vom Märtyrertum (“Zeuge”), eine von höchster Umwandlung und kosmischen Freudenbotschaften.

Jim Douglass, der in South Birmingham/Alabama lebt, ist Autor zahlreicher Bücher. Ins Deutsche übersetzt wurde das Buch “Wie ein Blitz von Ost nach West: Jesus, Gandhi und das Atomzeitalter”. München: Werkhaus, 1986.

Quelle: Fellowship March/April 2000 - Zeitschrift von Fellowship Of Reconciliation (FOR), USA. Übersetzung: Csilla Morvai


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Veröffentlicht am

08. Juli 2003

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