Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V.

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Sehr guter Besuch bei Mahnwache am 75. Hiroshima-Gedenktag in Gammertingen

 

Gammertingen: Rund 40 Menschen nahmen am 6. August 2020 an einer Mahnwache mit dem Titel "75 Jahre Hiroshima und Nagasaki mahnen - Beitritt zum UN-Atomwaffenverbot jetzt!" in Gammertingen teil. Damit wurden die Erwartungen des Veranstalters "Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V." deutlich übertroffen.

In einer ausführlichen Rede, die unterbrochen wurde durch musikalische Beiträge von Gabi Lang und Bernd Geisler, ging Michael Schmid zunächst auf die Folgen und Hintergründe der Atombombenabwürfe am 6. und 9. August 1945 in Hiroshima und Nagasaki ein. "Als Folge der ungeheuren Explosion und der Hitzewellen von mehreren tausend Grad sind die Menschen verbrannt, verdampft, verkohlt", stellte er fest. Bis Ende 1945 seien in Hiroshima ca. 140.000 Menschen an den Folgen der Atombombenexplosion gestorben. Durch die zweite Atombombe über Nagasaki seien bis Ende 1945 das Leben von mindestens 70.000 Menschen ausgelöscht worden. "Hiroshima und Nagasaki waren die Hölle auf Erden. Ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, ein regelrechter Vernichtungsfeldzug, ein Massenmord mit Hunderttausenden Opfern ohne Ende bis heute", so Schmid. Denn heute würden tausende Menschen an den Folgen der Atombomben von 1945 sterben.

Veranschaulicht wurde die verheerende Wirkung der Atombomben durch eine kleine Ausstellung mit Bildern, auf denen die Zerstörung der Städte Hiroshima und Nagasaki und teilweise schwerstverletzte Menschen zu sehen sind. Zudem las Katrin Warnatzsch einen Brief von Setsuko Thurlow vor, den sie wenige Tage von dieser Überlebenden des Atombombenangriffs auf Hiroshima erhalten hatte. Darin hieß es: "Als 13-jährige Schülerin wurde ich Zeugin, wie meine Stadt Hiroshima durch den Blitz geblendet, von der hurrikanartigen Explosion verwüstet, in der Hitze von 4000 Grad Celsius verbrannt und durch die Strahlung einer Atombombe verseucht wurde. Ein heller Sommermorgen verwandelte sich in eine dunkle Dämmerung mit Rauch und Staub, der in der Pilzwolke aufstieg, mit toten und verletzten Menschen, die den Boden bedeckten, verzweifelt um Wasser bettelten und keinerlei medizinische Versorgung erhielten. Der sich ausbreitende Feuersturm und der üble Gestank von verbranntem Fleisch erfüllte die Luft. Innerhalb dieses einzigen Lichtblitzes wurde mein geliebtes Hiroshima zu einem Ort der Verwüstung, mit Trümmerhaufen, Skeletten und geschwärzten Leichen überall."

Michael Schmid wies darauf hin, dass aktuell die Lage mit Atomwaffen äußerst brisant sei. Insgesamt neun Staaten würden laut dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI rund 13.400 Atomwaffen besitzen. Die Weltlage würde durch massive Anstrengungen aller Atommächte sehr gefährlich, ihre atomaren Potentiale mit Milliardenbeträgen zu modernisieren und damit für einen tatsächlichen Kriegseinsatz tauglicher zu machen. "Dadurch wird aber die Gefahr eines Atomkrieges erheblich erhöht", so Schmid. "Gefährlich ist es aber auch, weil der INF-Vertrag aufgekündigt wurde, zunächst von Trump, dann von Putin. Und in den vergangenen Jahren wurde wieder ein Kalter Krieg begonnen."

Ein Hoffnungszeichen sei der Vertrag der Vereinten Nationen zu einem Atomwaffenverbot. Schmid konnte mitteilen, dass ganz aktuell drei weitere Staaten bei einer Gedenkveranstaltung am Hiroshimatag in den Vereinten Nationen bekannt gegeben hätten, dass sie diesen Vertrag ratifiziert hätten. Damit würden nur noch sieben Staaten fehlen, bis der UN-Atomwaffenverbotsvertrag Gesetz und damit Völkerrecht werde. Entsprechend schloss Michael Schmid seine Rede mit der Forderung an die Bundesregierung, den Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen zu unterzeichnen und zu ratifizieren. Zudem solle sie keine neuen Kampfflugzeuge für einen Einsatz der in Deutschland stationierten US-Atomwaffen beschaffen und Atomwaffen aufgrund der katastrophalen humanitären Folgen ihres Einsatzes zu ächten.

Im Anschluss rezitierte Asghar Khosnavaz mit musikalischer Untermalung das Gedicht "Das kleine tote Mädchen" des türkischen Lyrikers Nazim Hikmet, geschrieben ca. 1960 als Gedächtnis der Opfer von Hiroshima.

Die Mahnwache in Gammertingen war eine von über 180 Veranstaltungen, die alleine in der Bundesrepublik zu den 75. Jahrestagen der Atombombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki stattfinden.

Weitere Informationen, u.a. der Redetext von Michael Schmid und der Brief von Setsuko Thurlow, unter: https://www.lebenshaus-alb.de/magazin/013147.html

Veröffentlicht am

08. August 2020

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