Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V.

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Bericht von der Lebenshaus-Tagung “We shall overcome” 2022

(aus: Lebenshaus Schwäbische Alb, Rundbrief Nr. 115, Dez. 2022 Der gesamte Rundbrief Nr. 115 kann hier heruntergeladen werden: PDF-Datei , 627 KB. Den gedruckten Rundbrief schicken wir Ihnen/Dir gerne kostenlos zu. Bitte einfach per Mail abonnieren )

Der Verein "Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie" hatte auch in diesem Jahr zu seiner bereits 10. Tagung "’We shall overcome!’ Gewaltfrei für die Vision einer Welt ohne Gewalt und Unrecht" für den 15. Oktober 2022 ins evang. Gemeindehaus nach Gammertingen eingeladen.

Wir waren sehr erfreut, dass über 50 Menschen an der Tagung teilnahmen. Viele meldeten zurück, dass sie sich wohlfühlten und die Veranstaltung als sehr anregend und ermutigend empfunden hätten.

Nach der Begrüßung machten Bernd Geisler und Gabriele Lang den musikalischen Auftakt. Danach berichteten Katrin Warnatzsch und Michael Schmid, veranschaulicht durch zahlreiche Bilder, über die verschiedenen Arbeitsfelder von Lebenshaus Schwäbische Alb und ihren mittlerweile fast 30-jährigen Erfahrungen mit diesem Projekt.

Den Hauptteil bildeten anschließend die Vorträge des Journalisten Emran Feroz (Stuttgart), des aus der ehemaligen DDR stammenden Pfarrerehepaars Barbara und Eberhard Bürger (Magdeburg), sowie der Anti-Atom-Aktivistin Marion Küpker (Hamburg), die ausführlich von ihrem zum Teil jahrzehntelangen Engagement berichteten. Walter Märkle (Gammertingen) moderierte diese Beiträge, zwischen denen es weitere musikalische Darbietungen gab. Philipp Rosenhagen (Stuttgart) sorgte mit seiner Kamera für eine umfangreiche Dokumentation mit Fotos.

Axel Pfaff-Schneider berichtet nachfolgend ausführlich über die Vorträge.

(Michael Schmid)

Schriftliche Zusammenfassungen der Vorträge

Von Axel Pfaff-Schneider

Emran Feroz: "Wie ich zum Afghanen wurde"

Emran Feroz wurde vom Moderator Walter Märkle augenzwinkernd vorgestellt als "Jungspund", der mit gerade Mal Anfang Dreißig deutlich jünger sei als die meisten Teilnehmer*innen der Tagung. Und doch habe er schon erstaunlich viel erlebt und zu sagen.

Emran Feroz selbst zeigte sich zunächst berührt von der Einstimmungsmusik, die Bernd Geisler auf einer afghanischen Robab-Laute gespielt und zusammen mit seiner Frau Gabriele Lang gesungen hatte. Mit dem bekannten Lied des mittelalterlichen persischen Dichters und Philosophen Rumi sei er aufgewachsen. Und damit stieg er schon mit seiner Herkunftsgeschichte ein. Sein Vater hatte noch zur Zeit der Monarchie in Afghanistan an einem deutschsprachigen Gymnasium Abitur gemacht, und war zum Studium nach München und Innsbruck gekommen. Seine Familie entstammte der privilegierten Oberschicht und auch der Großvater war publizistisch und politisch tätig gewesen.

Der blutige kommunistische Putsch in Afghanistan 1978 und der anschließende Einmarsch sowjetischer Truppen 1979 machten dem westlich orientierten Vater eine Rückkehr unmöglich. Bis heute sei er nicht mehr in seinem Herkunftsland gewesen. Emran berichtete weiter, wie seine Mutter, die damals in einem Flüchtlingslager in Pakistan lebte, auf Initiative der Familie seines Vaters zum Kennenlernen nach Innsbruck kam. Sie entschied sich zu bleiben, das Paar heiratete und nahm später die österreichische Staatsbürgerschaft an. Emran wurde 1991 in Innsbruck geboren und erlebte eine relativ normale Kindheit. Mit Afghanistan hatte er nur wenig zu tun; sein Vater sprach mit ihm Deutsch, die Mutter Farsi, eine der beiden wichtigsten Landessprachen Afghanistans. Kontakte in das Herkunftsland bestanden damals vor allem per Telefon, später auch mittels Video-Kassetten. Emran erinnert sich heute noch an die hohen Telefonrechnungen des Vaters.

Dann kam für Emran die Zäsur in seinem Leben: die Anschläge am 11. September 2001 in den USA. Weil Osama bin Laden damals in Afghanistan lebte und von der Taliban Regierung geduldet wurde, war plötzlich überall im Umfeld von Emran von Afghanistan die Rede. Und obwohl er erst neun Jahre alt war, wurde er von seiner Grundschullehrerin vor der ganzen Klasse gefragt: "Emran, ihr seid doch aus Afghanistan. Weißt du, warum die das gemacht haben?" Und mit "die" waren "die Afghanen" gemeint. Da er immerhin wusste, dass "bin Laden" ein arabischer Name ist, fiel ihm nur ein, zu sagen, dass der doch kein Afghane sei. Emran erklärte uns Zuhörerinnen und Zuhörern, wie ihn das geprägt hatte, womit auch schnell klar wurde, wie er schon als Kind in die Situation kam, sich rechtfertigen und erklären zu müssen. Gewissermaßen wurde er so wider Willen zum Afghanen gemacht. In den Tagen nach dem 11. September wurde er überall darauf angesprochen und erlebte etwas, das er mit heutigen Begrifflichkeiten als "Shitstorm" beschrieb: er musste rassistische Hänseleien und Beleidigungen erleiden, z.B. "Ist Osama bin Laden dein Onkel?". Besonders erschreckend war für ihn eine Form von Aggression, "Kriegsgeilheit" wie er es nannte, schon unter Kindern, wie er es noch nie zuvor erlebt hatte und sich nicht erklären konnte. Wahrscheinlich hatten die Kinder Sprüche wie "Jetzt kommt aber die Bombe, die macht euch und die Taliban platt", zuhause aufgeschnappt. Als dann im Oktober 2001 die USA mit Unterstützung der NATO in Afghanistan den "Krieg gegen den Terror" begannen, fing Emran an, sich Sorgen um die Menschen dort zu machen. Aufgrund seiner Herkunft fühlte er sich, obwohl er das Land gar nicht wirklich kannte, mit den Menschen dort verbunden und begann, sich genauer zu informieren. Heute weiß er übrigens, dass er in seiner Innsbrucker Volksschule nicht der Einzige war, der gehänselt und ausgeschlossen wurde. Im Westen fand mit dem 11. September 2001 eine Zäsur statt. Eine Welle des antimuslimischen Rassismus nahm ihren Anfang, Menschen wie er erlebten Hass und Diskriminierung und sie tun es weiterhin.

Emran Feroz hielt seinen Vortrag übrigens völlig frei und in einer ausgesprochen natürlichen Art und Weise. So wurde an verschiedenen Stellen seines Berichts deutlich spürbar, wie er sich immer wieder fragte, wie die Zusammenhänge wirklich sind, wieso so viele Menschen in Afghanistan die Taliban unterstützen, welche Bilder vom Land und seinen Menschen in der westlichen Berichterstattung vermittelt werden und wie diese zustande kommen. Um sein Verständnis dieser Dynamik zu erläutern, verwies er auf den Tiroler Volkshelden Andreas Hofer. In der Schule war ihm klar vermittelt worden, dass dies ein Freiheitskämpfer gegen die bayrische und französische Besetzung seiner Heimat Tirol war. Der Andreas Hofer unterstützende Pfarrer hätte dessen Freiheitskämpfern sogar gepredigt, dass sie bald Märtyrer werden würden. Andreas Hofer war sehr konservativ, religiös und wohl wenig an Aufklärung interessiert. In dessen Rauschebart sieht Emran sogar gewisse äußerliche Ähnlichkeiten mit den Taliban. Natürlich wisse er, dass der Vergleich hinkt, aber ihm helfe es, besser zu verstehen, wie äußere, politische Gegebenheiten die Menschen prägen und beeinflussen. Übertragen auf die Situation in Afghanistan würde man Andreas Hofer heute wohl mit Drohnen jagen.

Als Untermauerung hierfür berichtete Emran von einem Interview, welches er mit einem amerikanischen Afghanistan-Veteranen geführt hatte, der heute engagierter Kriegsgegner ist. Der US-Veteran erzählte von der anfänglichen Illusion der US-Soldaten, Afghanistan "zu befreien" und das Land gegen den Terrorismus zu verteidigen. Aber mit der Zeit habe er erkennen müssen, weshalb er bekämpft wurde und warum so viele Menschen die Kämpfer der Taliban unterstützen: "Weil wir hier einmarschiert sind", hatte er ihm erklärt. Und Emran Feroz fragte sich, ob er sich in dieser Besatzungssituation vielleicht ähnlich verhalten hätte.

Zurück im Wohnzimmer in Innsbruck ließ Emran uns teilhaben am Geschehen vor dem Fernseher, welches die Familie genau verfolgte. Dabei merkte er, wie sehr sie dabei auf die westlichen Kriegsreporter angewiesen waren, die ihren Zuschauer*innen erklärten "was Sache ist". Im September 2009 gab es auf Befehl des Bundeswehr-Oberst Klein bei Kundus einen Luftangriff auf zwei Tanklaster, bei dem mehr als 150 Zivilisten getötet wurden. Eindrücklich ist Emran ein Kommentar des damaligen ZDF-Berichterstatters Uli Gack in Erinnerung, der nur zwei Monate später erklärte, dass "die Afghanen" wieder auf Linie gebracht werden müssten und man härter gegen die Taliban vorgehen soll. Emran fragte sich damals, wie der Reporter wohl zu seiner Einschätzung gekommen war. Allerdings war dieser ja vor Ort und er, Emran, zuhause. Doch mit wem genau hatte der Reporter gesprochen? Diese Frage weckte sein journalistisches Interesse und es entstand zum ersten Mal die Idee, dass er selbst dorthin fahren sollte. So begann er schon als Schüler, Artikel und Informationen über Afghanistan aus dem Original zu übersetzen und an die Medien zu vermitteln.

2012 begann Emran Feroz ein Studium der Politik- und Islamwissenschaften in Tübingen. Zwei Jahre später reiste er anstelle eines Praktikums für zwei Monate nach Kabul, um anlässlich der dortigen Präsidentschaftswahlen das Land zu erkunden. Seine ersten Reportagen konnte er gut an Medien verkaufen und merkte dabei schnell, dass er mit seinen Sprachkenntnissen und seinen verwandtschaftlichen Kontakten einen guten Zugang ins Land und zu den Menschen fand, und damit an authentische, direkte Informationen kam. Während sich andere Journalisten mit ihren Instituten abstimmen und sich an deren offizielle Leitlinien halten mussten und z.B. nur in gesicherten Regionen oder nur in Begleitung des Militärs unterwegs sein durften, konnte er sich ziemlich frei im Land bewegen. Ihm sei noch das Gespräch mit einem anderen Journalisten in Erinnerung, der gestehen musste, dass er leider noch mit keinem Afghanen persönlich hatte sprechen können.

Mit diesen Erfahrungen konnte uns Emran genau erklären, wie der von ihm so bezeichnete "eurozentristische Blick" der westlichen Medien zustande kommt. Wie bei jeder Kriegsberichterstattung erlebte er auch in Afghanistan, wie wegen des erschwerten Zugangs zu Informationen Eindrücke verloren gehen und das Bild verzerren. Und er berichtete, wie schwer sich selbst personell gut ausgestattete Rechercheteams wie die des Spiegels tun, die Berichte der Reporter auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen.

Genau das ist Emran aber besonders wichtig, nämlich ein möglichst genaues und umfassendes Bild von der Situation im Land zu bekommen. Und so schilderte er uns eindrücklich, wie er mit Menschen vor Ort ins Gespräch kam. Zum Beispiel erklärten ihm die Einwohner eines Dorfes, nicht weit vom Präsidentenpalast in Kabul entfernt, weshalb sie in vielen Rechtsfragen eher den (versteckt präsenten) Taliban vertrauen, als den korrupten Gerichten der Regierung. Dabei machten sie aus ihrer Sympathie für die Taliban keinen Hehl.

Und er berichtete uns von Menschen, die ihm den bei uns kaum bekannten Drohnenkrieg des US-Militärs schilderten. Von Kindern, welche die verschiedenen Arten von Waffentypen und Drohnen genau auseinanderhalten können - und unter schweren Schlafstörungen leiden. Während in unseren Medien das Bild der Situation einseitig z.B. durch den Begriff der Selbstmordattentate geprägt wurde, gab es auf der anderen Seite kaum Informationen über die vielen zivilen Opfer durch den Einsatz von US-Drohen. Drohnen, die offiziell Talibankämpfer im Visier hatten, jedoch - so das Ergebnis auch seiner Recherchen vor Ort - dramatisch viele zivile Opfer trafen. So kam er zu der Erkenntnis, dass diese Art der Kriegführung hinsichtlich der vorgegebenen Terrorbekämpfung völlig wirkungslos blieb, aber zur Folge hatte, dass sich die Familien der Opfer verstärkt den Taliban zuwandten. Aus Emran Feroz Sicht ist dies eine Realität des Krieges, die man (zu) lange nicht habe sehen wollen.

Zuletzt war er im Frühjahr 2022 in Afghanistan und sei der Überzeugung, dass man mit den Taliban verhandeln muss, ob einem das passt oder nicht. Schon vor dem überstürzten Abzug der internationalen Truppen hatten die USA mit den Taliban verhandelt. Im Prinzip eine richtige Einsicht, aber in seinen Augen wiederholte sich dabei ein alter, systematischer Fehler, den er knapp wie folgt beschrieb: Man ist nach Afghanistan rein ohne Plan und nun 2021 raus ohne Plan. Das heißt, man hat damals nach dem Anschlag vom 11. September 2001 mit allen im Land gesprochen, nur nicht mit den Taliban, stattdessen mit brutalen Warlords und Drogenbossen, die teilweise in die vom Westen installierten Regimes in Kabul geholt wurden. Und dann hat man sich nur auf die Absprachen mit den Taliban verlassen und ist aus dem Land abgezogen, ohne zuvor die anderen Akteure einzubinden. Genau das wäre aber entscheidend, mit allen Akteuren zu verhandeln, wenn die Situation für die unter den Sanktionen notleidende Bevölkerung verbessert werden soll.

Mit dieser Einschätzung beendete Emran seinen Beitrag. Für uns Zuhörer und Zuhörerinnen wurde offensichtlich, dass sein Einsatz als Journalist für authentische Berichterstattung zu unserer Information gebraucht wird und wie sehr wir mutige Menschen wie ihn dringend benötigen.

Barbara und Eberhard Bürger: "Entwicklung durch Erfahrung und Bewusstwerdung - in Liebe" - "Wege entstehen, wenn wir sie gehen"

Barbara und Eberhard Bürger sind in der ehemaligen DDR aufgewachsen und konnten uns so eindrücklich schildern, wie sie sich in der "anderen Kultur" durchkämpfen mussten, und dabei die Kirche als ihren Anker erlebten. Dazu gliederten sie ihre Lebensgeschichte chronologisch in mehrere Phasen und berichteten im Wechsel aus ihrer jeweiligen Sicht. Dabei wurden ihre jeweils individuellen Erfahrungen und Entwicklungen deutlich, welche Wege sie als Paar gegangen sind, wie sie Schwierigkeiten gemeinsam durchstanden haben und wie sich dabei auch neue Wege auftaten.

"Herbst 1989: Die große Zäsur in unserem Leben"

Gewissermaßen als Intro ihrer Biografie starteten Barbara und Eberhard ihren Bericht im Herbst 1989. Dass die Friedliche Revolution überhaupt möglich war, dafür empfinden sie noch heute große Dankbarkeit. In ihrem Erleben hatten sie einem System getrotzt, das sie 40 Jahre lang unterdrückt und versucht hatte, sie zu verbiegen. Und so bedeutet für sie der Fall der Mauer hauptsächlich, dass die eigentliche Mauer aus Angst und Ohnmacht in sich zusammengefallen ist, dass es gelungen war, Verbote zu überwinden und alle Demonstrationen gewaltfrei geblieben sind. Was danach kam, beschrieben sie mit dem Bild von Vögeln, die man aus ihrem Käfig freigelassen hat und die nun lernen mussten zu fliegen.

"1965 - 1979: Schule und Universität"

Kennengelernt hatten sich die beiden schon als Jugendliche in der Oberschule und wussten früh, dass sie zusammenbleiben wollen.

Für Eberhards Entwicklung kamen wichtige Impulse in der Jugendzeit aus den Werken Wolfgang Borcherts, die er in der Schule kennengelernt hatte. Auch Erzählungen des Vaters vom Krieg spielten eine Rolle, wenngleich er heute wisse, dass er damals nicht alles erfahren hatte. Der Besuch des KZ Buchenwald hat ihn tief bewegt und viele Fragen aufgeworfen. Das, was Menschen dort getan hatten, konnte er nicht in Verbindung bringen mit dem Geist Goethes, der im nicht weit entfernten Weimar gelebt hatte. Wie sehr ihn das als Jugendlichen berührt haben muss, wurde spürbar, als Eberhard mit bewegter Stimme berichtete, wie er an einem Begegnungstreffen von Nachkommen ehemaliger Täter und Opfer teilnehmen konnte, und dies ganz persönlich als Teil einer Heilung empfand.

Im repressiven System der DDR erlebte er ab 1966 im Jungmännerwerk der evangelischen Kirche so etwas wie Freiheit, ganz anders als in der Schule. Indem er zum Beispiel an Begegnungstreffen teilnahm zwischen ehemaligen Bausoldaten und jungen Männern, die kurz vor ihrem Dienst in der NVA standen. Was und wie kritisch sie diskutiert hatten, konnte er später dann in den entsprechenden Berichten der Stasi nachlesen.

In seiner Rückschau hatte ihn die dort erlebte Freiheit tatsächlich stark beeinflusst. Als Kind hatte er russische Panzer und Militärlastwagen beobachtet und fand das so toll, dass er als Berufswunsch geäußert hatte: "Ich werde Russe". Später als Jugendlicher hatte er das dann anders erlebt und gedeutet. So beobachtete er einen Tag vor Weihnachten, wie die russische Armee die Besetzung seiner Stadt übte. Diese Beobachtung verarbeitete er kritisch in einem Schulaufsatz, indem er diese Szenerie der Weihnachtsgeschichte gegenüberstellte, was unweigerlich zu einem Gespräch mit dem Rektor führte. Während des Studiums der Theologie beteiligte er sich in kleinen Gruppen an einer Art von Friedensarbeit, wie sie im System gerade noch möglich war. Seine Doktorarbeit schrieb er über die Arbeit der französischen Arbeiterpriester, weil er deren Vision von einer gerechten Gesellschaft teilte.

Barbara war auf dem Dorf groß geworden, musste aber mangels Möglichkeiten vor Ort das Abitur in einem Internat absolvieren. Dort freundete sie sich mit einer jungen Kommunistin an, mit der sie, obwohl sie selbst praktizierende Christin und die andere Atheistin war, doch die Ideen von Frieden, Wahrheit und Gerechtigkeit teilte. Außenseiter wurden sie dadurch beide, weil sie entsprechend ihren Idealen nicht immer im Sinne des Systems handelten und sich äußerten. Für Barbara führte das dazu, dass sie zum angestrebten Studium der Psychologie wegen "ungenügender gesellschaftliche Reife" nicht zugelassen wurde. So kam sie zur Theologie, wobei für sie immer klar war, dass sie nicht Pfarrerin werden wollte. Das machte es ihr damals zunächst leichter, den Kontrast ihrer Überzeugungen zur DDR-Realität zu ertragen.

"1979 - 1988: Versuch und Irrtum in Zeitz"

Das junge Paar bemühte sich nach Abschluss ihrer Studien zunächst, sich zurückzuhalten und ließ sich von der Kirchenleitung in die Gemeinde Zeitz schicken. Ihr Ziel war es, wie Barbara erklärte, "in Verkündigung und in der eigenen Familie ein Friedenszeugnis zu leben". Ihren damaligen Vorstellungen entsprechend, wollten sie das nicht gegen, sondern im Sozialismus versuchen. Das bedeutete konkret, dass sie die Staatsideologie der DDR nicht teilten, aber als gegebenen Rahmen annahmen, und trotzdem versuchen wollten, ihren Weg zu gehen, ohne dabei zu Märtyrern zu werden. Dass dies ein ziemlicher Balanceakt werden würde, war ihnen bewusst. Anfangs muss das wohl auch ganz gut funktioniert haben, mit der Zeit jedoch wurde es für sie immer enger. Der für das junge Pfarrerehepaar zuständige Superintendent der Kirche kooperierte eng mit der Stasi, und immer wieder mussten sie erleben, wie ihnen Knüppel zwischen die Beine geworfen wurden. Barbara schilderte das eindrücklich an einigen Beispielen.

Auch Eberhard berichtete von solchen Schikanen und von einem zermürbenden Ringen. Als Beispiel führte er ein Theaterspiel an, das sie in der kirchlichen Jugendarbeit nach einem Text von Jörg Zink aufführen wollten. Die Leitung untersagte ihnen jedoch die Aufführung. Da sie es trotzdem aufführten, hatte das Folgen für etliche der Jugendlichen, die - obwohl Eberhard das nicht beweisen konnte - später in unterschiedlichen Formen zum Teil massive Nachteile in der Gesellschaft erleben mussten. Dieses Erleben von Schikanen führte dazu, so Eberhard, dass in ihm der Glaube an eine gerechte Gesellschaft langsam zu sterben begann. Insbesondere der erzwungene Wechsel der Pfarrstelle nach Torgau machte ihm schwer zu schaffen. Mut konnte er erst wieder fassen, als er 1983 an einem Kirchentag unter dem Motto "Vertrauen wagen" teilnahm. Dort erlebte er in Arbeitsgruppen mit ausländischen Teilnehmer*innen zum ersten Mal seit langem, wieder offene Gespräche. Das ermutigte ihn und Barbara dazu, die neu gegründete Kindergartengruppe der Gemeinde in einer anderen, freieren Form, zu leiten, also ohne den sonst üblichen Drill.

"1988 - 1995: Zusammenbruch und Aufbruch"

Wie eingangs schon berichtet empfanden die beiden die Wendezeit als eine Zäsur in ihrem Leben. Dabei hatten sie die massenhafte Flucht im Sommer 1989 als schlimm und deprimierend erlebt. Während die einen gingen, versuchten sie zu bleiben und immer noch das Beste aus der Situation zu machen. So beteiligten sie sich in vielfältiger Weise an den Aktivitäten der Bürgerbewegung. Sie organisierten zunächst Friedensgebete in Torgau und mussten dazu sogar das Kirchengebäude wechseln, als die Kirche ihrer Gemeinde dafür zu klein wurde. Später wurden die Versammlungen größer und es ermutigte sie, zu erleben, wie immer mehr Menschen den Mut fanden, am "offenen Mikrofon" zu sprechen. Sie erlebten Umzüge mit Kerzen und die großen Demos in Leipzig und Plauen, die zu ihrer großen Erleichterung friedlich verlaufen waren. Bis dahin gingen sie davon aus, dass man in der DDR eine Wende zu einem menschlichen Sozialismus schaffen wollte, und dass es parallel zwei deutsche Staaten geben würde, sozusagen im "Begegnungsmodus". Insofern war es für sie überraschend, dass ab dem Tag des Mauerfalls, dem 9. November, Plakate auftauchten, mit denen die deutsche Einheit gefordert wurde.

Was sie dann erlebten beschrieben Barbara und Eberhard als eine riesige Herausforderung. Plötzlich sollten drei Ebenen gleichzeitig bearbeitet werden:

  • Vergangenheit: Stasi-Archive wurden gestürmt und das alles sollte aufgearbeitet werden. Gleichzeitig war da noch allgegenwärtig die Angst vor einem Zurückschlagen der Stasi.
  • Gegenwart: Rathäuser wurden besetzt, die staatlichen Strukturen sollten neu organisiert und besetzt werden. Also: Was jetzt?
  • Zukunft: Wie soll es mit der DDR weitergehen? Mit den Runden Tischen wurden entsprechende Foren der Gestaltung geschaffen.

Für sie als Pfarrer wurde dann mit der Wiedervereinigung alles anders. Etliches war völlig neu für sie, z.B. die Einführung von Kirchensteuern, die Schaffung von Militärpfarrstellen, die Einführung des Religionsunterrichtes, usw.

Mit Blick auf die Entwicklung und all diese Veränderungen formulierten Barbara und Eberhard ihr persönliches Fazit: die Kirche in der DDR war von einer machtlosen und geduldeten Organisation zum Träger einer friedlichen Revolution geworden!

"1995 - 2012: Unterschiedliche Aufgabenfelder"

Nach der Friedlichen Revolution und der später folgenden Wiedervereinigung entstanden viele neue Aufgaben für sie als Pfarrer, verbunden mit der Herausforderung, die neu gewonnenen Freiheiten zu gestalten.

Barbara berichtete uns von ihren schwierigen Bemühungen um den Aufbau von Schulpfarrstellen. Während sie mit dem neu zu gestaltenden Religionsunterricht den Kindern helfen wollte, eine eigene Entscheidung zum Glauben zu treffen, wurde gleichzeitig der Lehrplan immer enger gefasst. Für sie, mit ihren jahrzehntelangen Erfahrungen mit Bevormundung, eine kaum auszuhaltende Entwicklung. So kam es, dass Barbara eine Ausbildung in gewaltfreier Konfliktbearbeitung absolvierte und mit den neu gewonnenen Erkenntnissen privat für ein Jahr nach Chile ging, wo sie ein Frauenprojekt begleitete.

Eberhard schilderte uns seine neue übergeordnete Aufgabe, in der "Kirchenprovinz Sachsen" den Aufbau von neuen Landgemeinden zu organisieren.

Später wechselten sie wieder auf eine Pfarrstelle in der Gemeinde Arendsee in Sachsen-Anhalt.

"Seit 2012" sind beide im Ruhestand und können ihre erweiterten Möglichkeiten zum Reisen genießen und mehr Zeit mit ihren fünf Kindern und neun Enkeln verbringen. Aber auch das friedenspolitische Engagement ist in verschiedenen Formen, von denen sie uns erzählten, lebendig geblieben.

Nach diesen biografischen Berichten teilten sie auch noch ihre Visionen mit uns, so wie vom Konzept der Tagung gewünscht. Für beide ist "Schwerter zu Pflugscharen" ein ganz wichtiges Bild. In ihrer Sicht auf die Welt wächst trotz vieler Kriege und Gewalt das Bewusstsein für Gewaltfreiheit. Barbara: "Die Transformation ist im Gange." Für Eberhard hat nach dem Beginn des Ukrainekriegs das Motto "Schwerter zu Pflugscharen" neue Bedeutung gewonnen. Genauso wie der bekannte Spruch von Kurt Marti: "Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin, und niemand ginge, um einmal zu schauen, wohin man käme, wenn man ginge." Seine Erkenntnis als Pfarrer in der DDR ist, dass mit dem Losgehen, um zu sehen, wo man hinkommt, tatsächlich neue Wege entstehen. Dabei ist aus seiner Erfahrung wichtig, "Zukunftsgespräche" zu führen, das heißt auszuloten, was jede und jeder zukünftig konkret tun und beitragen kann, um zu einem gerechten Überleben der Menschheit beizutragen. Er bezeichnete das mit den Worten "Meine Teil-Macht finden". Und Barbara ergänzte mit ihrem Motto: "In der Mitte des Konflikts liegt die Kraft".

Abschließend sagte dann Eberhard noch einen Satz, den man so eindringlich wohl nur formulieren kann, wenn man, wie er und Barbara, so lange um eine gerechte Gesellschaft gerungen und beide Systeme erlebt hat: "Der größte Feind des Kapitalismus (Wachstum und Profit) sind zufriedene Menschen, deren Leben von Sinn und Qualität geprägt ist, nicht von Quantität." Was das praktisch bedeuten kann, das haben Barbara und Eberhard mit ihrem Friedenszeugnis vorgelebt.

Marion Küpker: "Als Frau 40 Jahre aktiv gegen Atomenergie und Atomwaffen"

Marion Küpker stellte sich als "Hamburger Deern" vor; sie wurde 1964 in Hamburg geboren. Ihre Lebensgeschichte präsentierte sie visuell auf der Leinwand, unterstützt mit zahlreichen Bildern. Ihre Mutter war bei der Geburt erst 19 Jahre alt und hatte geheiratet, weil sie schwanger und verliebt war und es damals auch so erwartet wurde. Ihr Vater fuhr mit der Marine zur See, während die Mutter im Säuglingsalter voll anwesend war, wodurch Marion ein gesundes Urvertrauen entwickeln konnte. Jedoch zwei Jahre später - nach der Geburt eines jüngeren Bruders - kam es bereits zur Scheidung. Später heiratete die Mutter erneut. Nach außen hin schien alles gut zu sein, so berichtete Marion ihren Zuhörerinnen und Zuhörern. Was sie jedoch erlebte, war ein Alltag als Schlüsselkind, weil Mutter und Stiefvater nun sehr viel arbeiteten. Bleibende Eindrücke hatte sie an längere Zeiten bei den ebenfalls berufstätigen Großeltern auf dem Land, wo sie viel Zeit draußen in der Natur verbrachte. Auch das Lesen wurde ihr wichtig und während ihrer Schulzeit entwickelte sie sich zu einer richtigen Leseratte.

Ihr politisches Interesse wurde erstmals gegen Ende der 70er-Jahre geweckt, als sie auf dem Gymnasium mit ökologischen Themen konfrontiert wurde. Es ging um den sauren Regen (der deutschen Industrie-Schornsteine), der in Skandinavien die Seen umkippen ließ und das Waldsterben auslöste; um Pestizideinleitungen in die Ostsee, da die Pestizide mit dem Regen von den Feldern über die Flüsse in die Meere transportiert wurden etc. Marion hielt damals ein Referat über die Atommüllverklappung in der Nordsee. Es war die Zeit des NATO-Doppelbeschlusses und den entsprechenden Demonstrationen dagegen. Sie erlebte die allgemeine gesellschaftliche Stimmung dramatisch, und wurde Teil der damaligen anarchistischen No-Future-Bewegung. Mit16 Jahren verließ sie ihr Elternhaus und zog in eine Jugendeinrichtung des IB (Internationaler Bund für Sozialarbeit). Dort unterrichteten junge, fortschrittliche Pädagogen, die sie weiter zu kritischem Denken inspirierten, zu Themen wie Kriegsdienstverweigerung, Frauenemanzipation und Konsensfindung in monatlichen Hausplenen. Marion besuchte in Brokdorf ihre erste Demo, wo sie über 100.000 Demonstranten und harte Polizeieinsätze erlebte. Während dieser unruhigen Jahre erlitt sie einen schweren Autounfall und berichtete uns, wie ihr eine Nah-Tod-Erfahrung im Krankenhaus zu denken gegeben hatte. Sie wollte leben! Angesichts der wahrgenommenen No-Future-Zeit erschien es ihr jedoch sinnlos, weiter die Schule zu besuchen. So brach sie in der Oberstufe das Gymnasium ab und begann ihr eigenes Leben.

1986 erfuhr sie vom Reaktorunfall von Tschernobyl, als sie in Griechenland unterwegs war. Sie reiste 1987 nach Indien. Jedoch war sie auch dort mit den Folgen des Fallouts in Form von verseuchtem Milchpulver aus Deutschland konfrontiert. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie schon länger ihre Ernährung auf biologische Produkte umgestellt, weil sie seit ihrer Jugend unter allergischen Reaktionen litt, u.a. ausgelöst durch Waschmittel und andere Haushaltschemikalien. Nach dem Lesen des Buches Silent Spring (Stummer Frühling) von Rachel Carlson brachte sie ihre MCS- Symptome (Multiple Chemicle Sensitivity) mit den oberirdischen Atomtests in Zusammenhang, deren radioaktiver Fallout seinen Höhepunkt in Deutschland im Jahr 1963 erreichte, das Jahr, in dem ihre Mutter mit ihr schwanger war. Nun fing sie an, sich mit möglichen Ursachen, vor allem mit der Wirkung radioaktiver Strahlung auf die Gesundheit, näher zu beschäftigen. Sie zeigte uns auf einer Folie, was sie damals tief beeindruckte, nämlich das enorme Ausmaß radioaktiver Strahlung in der Atmosphäre im Zusammenhang mit Atomwaffentests. Und sie ergänzte, dass nach wissenschaftlichen Erkenntnissen Frauen, vor allem während einer Schwangerschaft, mehrfach stärker von dieser Hintergrundstrahlung belastet sind, als Männer.

Trotz der negativen Zukunftsaussichten entschied sich Marion bewusst dafür, ein Kind zu bekommen und so wurde sie im November 1990 Mutter einer Tochter. Mit dieser Entscheidung war auch der Entschluss verbunden, sich gemeinsam mit Kind für gesellschaftliche Veränderungen in der Welt zu engagieren. Fortan war sie zusammen mit ihrer Tochter an verschiedenen Aktionen beteiligt.

Ausführlicher berichtete sie uns von einem "International Walk for a Nuclear Free Future" 1995 gegen die Nutzung von Atomkraft, sowohl militärisch als auch zivil, der sie bis nach Moskau führte. Dabei konnte sie zahlreiche internationale Kontakte knüpfen und sie erfuhr, dass alle Atomtests weltweit auf dem Land indigener Völker/Bevölkerungen stattfanden und ebenso etwa 80% des Uranabbaus. Das benannte Marion deutlich als nuklearen Kolonialismus! Seit dieser Zeit nahm sie regelmäßig an Workshops und Diskussionen der Nichtregierungsorganisationen bei den Atomwaffen-Nichtverbreitungsvertrags-Konferenzen in New York teil. Sie beteiligte sich an Aktionen indigener Menschen in Uranabbaugebieten und organisierte Informations-Rundreisen in Europa, auf denen die Betroffenen von ihren Erfahrungen berichteten. Eine Bemerkung am Rande machte uns Zuhörerinnen und Zuhörer besonders betroffen: Das Uran für das Atomprogramm der Sowjetunion kam aus den Uranminen der ehemaligen DDR, u.a. aus der Wismut-Mine. Noch heute ist die Gegend dort schwer belastet und es schockierte, von Marion zu hören, wie viele der Menschen dort im ehemaligen Krebsregister der DDR erfasst waren. Das Krebsregister wurde nach der Wiedervereinigung abgeschafft.

1996 beteiligte sie sich an einem 200 km langen Friedensmarsch im verstrahlten Gebiet nach Tschernobyl (wo sie in der 30 km Todeszone Schutzkleidung erhielten). Sie berichtete uns von dramatischen und bedrückenden Begegnungen mit Menschen, die dort immer noch leben und arbeiten müssen.

Im Jahr 1996 wurde auch die "Gewaltfreie Aktion Atomwaffen Abschaffen" gegründet und Marion begann, als Internationale Koordinatorin Aktionen in Büchel zu organisieren, dem letzten und einzigen Atomwaffenstützpunkt in Deutschland. 1999 beteiligte sie sich am "Walk For Nuclear Disarmament" von Den Haag (Sitz des Internationalen Gerichtshofes für Menschenrechte) bis zum NATO-Hauptquartier in Brüssel.

Ein besonderes Thema war für Marion "abgereichertes Uran". Es wird trotz Strahlung wegen seiner Härte bei der Herstellung von Uran-Munition verwendet. So war sie 2002 mit einer internationalen Delegation im Irak, wo während des Krieges von den USA und Großbritannien Uranmunition verwendet wurde. Noch heute sind viele Orte radioaktiv verseucht und besonders Kinder leiden unter verschiedensten Krebserkrankungen. Auch zu diesem Thema organisierte sie Rundreisen und Infoveranstaltungen mit prominenten Wissenschaftlern. 2003 initiierte sie in Hamburg die Welt-Uranwaffen-Konferenz (www.uranwaffenkonferenz.de). Das Uranwaffenthema, bei dem es inhaltlich (ähnlich wie bei den Atomtests und dem Uranabbau) um die gesundheitlichen Auswirkungen radioaktiver Niedrigstrahlung geht, ist schwer vermittelbar und wurde in der Öffentlichkeit sehr unterdrückt. Dies war für Marion dermaßen frustrierend, dass sie das Thema als Schwerpunkt ihrer Arbeit loslassen musste.

Seitdem liegt ihr Fokus auf Büchel, wo sie 2010 den ersten Ostermarsch koordinierte und im Kampagnenrat der Kampagne "Atomwaffen abschaffen - bei uns anfangen!" mitwirkt. Heute ist sie eine der KampagnensprecherInnen.

Marion berichtete, dass sie seit 2019 beim Deutschen Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes als Friedensreferentin mit Schwerpunkt Abschaffung von Atomwaffen angestellt ist. Auf Nachfrage berichtete sie offen davon, wie sie all die Jahrzehnte ihres Engagements mit sehr wenig Geld auskommen musste, das sie u.a. durch Honorare, Mini- und Teilzeitjobs verdiente oder ihren Lebensunterhalt aus privaten Rücklagen bestreiten musste. Marion ist seit zwei Jahren mit ihrem langjährigen Partner, dem US-amerikanischen Friedensaktivisten John LaForge, verheiratet.

Eine der zahlreichen Nachfragen betraf ihre Einschätzung zu den Chancen, dass Deutschland dem Atomwaffenverbotsvertrag beitritt. Dazu äußerte sich Marion wegen des aktuellen Ukrainekrieges eher skeptisch, wiederum unterzeichnen aber immer mehr Länder (91) den Verbotsvertrag, wodurch der Druck sich auf die nichtunterzeichnenden Länder immer weiter erhöht. Ihrer Erfahrung nach braucht es weiterhin langfristig öffentlichen Druck, so wie z.B. von den Bürgermeistern für den Frieden und unserer Trägerkreiskampagne praktiziert. Schlimm findet sie auch die internationalen Bestrebungen, wegen der notwendigen CO2-Reduktion wieder verstärkt und massiv auf nukleare Stromerzeugung und Technologie setzen zu wollen, mit all den von ihr geschilderten negativen Auswirkungen. Andere Nachfragen und Rückmeldungen aus dem Publikum verdeutlichten, wie ihr Vortrag eine Mischung aus deprimierenden Gefühlen angesichts der allgegenwärtigen radioaktiven Gefahren ausgelöst hatte. Andererseits wurde aber auch Marions aktives Engagement als beeindruckend und ermutigend wahrgenommen und gewürdigt. Zum Abschluss plädierte Marion dafür, Strom zu sparen und ganz allgemein ein gesünderes und stressfreieres Leben zu führen.

Mit den zahlreichen Eindrücken dieser Tagung bekam das gemeinsam gesungene Schlusslied "We shall overcome" ("Wir werden überwinden") wieder neue Nahrung.

Weblinks:

Referierende der einzelnen Tagungen auf einen Blick

2022   Emran Feroz   Barbara u. Dr. Eberhard Bürger   Marion Küpker
2021   Klaus Pfisterer   Thomas Gebauer   Karen Hinrichs
2020   Thomas Felder   Renate Wanie   Hans-Hartwig Lützow
  2019   Eva-Maria Willkomm   Andreas Linder   Nirit Sommerfeld
  2018   Katja Tempel   Peter Bürger   Andreas Zumach
  2017   Julia Kramer   Paul Schobel   Clemens Ronnefeldt
  2016   Sonnhild Thiel   Werner Gebert   Ursula Sladek
  2015   Heinz Rothenpieler   Dr. Ute Finckh-Krämer   Jochen Stay
  2014   Dr. Martin Arnold   Jutta Sundermann   Roland Blach
  2013   Dr. Wolfgang Sternstein   Wiltrud Rösch-Metzler   Ullrich Hahn

 

Lebenshaus Schwäbische Alb bittet um Spende zum Jahresende

Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit per Rundbrief, Websites und Newsletter, Aktionen wie Mahnwachen gegen den Ukrainekrieg und am Hiroshima-/Nagasaki-Gedenktag, Veranstaltungen wie z.B. unsere jährlichen Tagungen im Herbst oder Veranstaltungen, die aktive Mitarbeit wie z.B. in der Kampagne „Soziale Verteidigung voranbringen“, die solidarische Unterstützung von Menschen in schwierigen Lebenssituationen, sowie möglichst Abbau von Verbindlichkeiten für das Gebäude erfordern erhebliche Finanzmittel. Zudem müssen die Personalkosten aufgebracht werden für eine 30-Prozent-Teilzeitstelle (Michael Schmid), Minijob (Katrin Warnatzsch) und einen zweiten Minijob (Julia Kramer), der im kommenden Jahr zu einer umfangreicheren Stelle ausgebaut werden soll. Leider sind wir auch von der allgemeinen Teuerungsrate betroffen, so dass in verschiedenen Bereichen die Kosten nach oben gingen. Jedenfalls drohen dieses Jahr die Ausgaben die Einnahmen deutlich zu übersteigen.

Wir möchten unsere Arbeit für Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie 2023 so engagiert wie bisher fortsetzen können bzw. weiter ausbauen. Damit uns das gelingt, bitten wir um Unterstützung unseres politisch unabhängigen Engagements durch eine Spende oder Fördermitgliedschaft.

Herzlich bedanken wollen wir uns bei allen, die unsere Arbeit unterstützen!

Mehr zu unseren Aktivitäten findet sich z.B.hier:

"Über uns"

Über uns: Lebenshaus Schwäbische Alb

Bei “Transparenz TV” aus Berlin: Das Lebenshaus Schwäbische Alb - Video aus der Sendereihe "Friedensfragen mit Clemens Ronnefeldt"

"Kriegsdienstverweigerer. Unsere Geschichten"

"Brief vom Herbst 2022" (PDF)

Solidarfonds "Grundeinkommen Friedensarbeit" und

Möglichkeiten der Unterstützung .

Spendenkonto

Lebenshaus Schwäbische Alb e.V.
Bank:       GLS Bank eG
IBAN:       DE36 4306 0967 8023 3348 00
BIC:         GENODEM1GLS

Der Verein Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V. ist durch das Finanzamt Sigmaringen als gemeinnützig und mildtätig anerkannt (aktueller Bescheid vom 22.07.2021). Spenden und Mitgliedsbeiträge sind daher steuerabzugsfähig. Ab 25 € werden automatisch Spendenbescheinigungen zugestellt, für niedrigere Beträge auf Anforderung (bitte bei Erstspenden Anschrift wegen Spendenbescheinigung angeben).

Kontaktaufnahme

Wer Kontakt mit uns aufnehmen möchte, kann dies tun über Telefon (07574-2862), Fax (07574-91110), Brief (Bubenhofenstr. 3, 72501 Gammertingen) oder E-Mail (info@lebenshaus-alb.de).

Um Info-Materialien anzufordern bzw. für den Antrag auf Fördermitgliedschaft, für die Ausstellung einer Einzugsermächtigung und Weiteres kann die PDF-Dateii Rückantwort-Formular ausgedruckt und ausgefüllt an uns zurückgesandt werden. Wer speziell den Solidarfonds "Grundeinkommen Friedensarbeit" fördern möchte, kann dieses Formular verwenden Antwortformular Solidarfonds (PDF-Datei)

Fußnoten

Veröffentlicht am

13. Dezember 2022

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