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Vandana Shiva: “Eine andere Welt ist möglich”

Von Michael Schmid

In dem Buch "Eine andere Welt ist möglich" erzählt die indische Physikerin, Aktivistin und Globalisierungskritikerin Vandana Shiva ausführlich über ihr Leben, ihre Motivation, ihre Kämpfe und ihre Vision für eine bessere Zukunft. Entstanden ist es aus langen Gesprächen Shivas mit dem französischen Autor und Journalisten Lionel Astruc.

Ihr Engagement als Aktivistin begann Vandana Shiva im Alter von 21 Jahren zunächst mit der Chipko-Bewegung, einer Bewegung von überwiegend indischen Frauen, die sich gegen die kommerzielle Abholzung von Wäldern und die damit verbundene Zerstörung der Lebensgrundlagen wehrte. Chipko bedeutet "die Bäume umringen" und leitet sich von der Protestform ab, durch Umarmen der Bäume oder Anketten an diese zu verhindern, dass sie abgeholzt werden. Die Begegnung mit diesen Frauen, erzählt Vandana Shiva, die ihre Gefährtinnen im gewaltfreien Widerstand waren, und die Erfahrungen, die sie an ihrer Seite machte, haben ihr ganzes Leben entscheidend geprägt.

Es war im März 1987, als Vandana Shiva im dem kleinen französischen Dorf Bogève etwas erfuhr, das sie nicht mehr loslassen sollte und von dem sie beschloss, es der Welt mitzuteilen. Sie nahm damals an einem Treffen in einem kleinen Kreis teil, in dem Vertreter der Saatgutindustrie ganz offen über ihre Zukunftsstrategien und einen perfiden Plan sprachen. Dieser wurde dann in den folgenden drei Jahrzehnten wirklich umgesetzt: Mittels des Patentrechts und gentechnisch veränderter Organismen (GVOs) wollten einige wenige Konzerne die Kontrolle über das Saatgut übernehmen und weltweit den Bauern anschließend das verkaufen, was der Boden ihnen bisher kostenlos geboten hat - nämlich Pflanzensamen. Vandana Shiva hatte die Tragweite dieses Plans sofort begriffen. Und so ruft sie bis heute zum Protest und zivilen Ungehorsam gegen Konzerne wie Bayer-Monsanto auf, welche die Natur in Besitz nehmen und daran verdienen. Sie ruft also auf zum zivilen Ungehorsam gegen die Spekulation mit Nahrung, gegen das Patentieren von Saatgut, letztlich gegen den andauernden Krieg wider die Natur.

Dabei ist ihr Gandhi Vorbild, der aus dem Meer Salz gewann und dabei das Gesetz der britischen Kolonialverwaltung brach. Statt Salz hat Shiva heute Saatgut zum Symbol ihres Kampfes gemacht. Wenn internationale Patentinhaber Bauern dazu zwingen wollen, teures, gentechnisch verändertes Saatgut immer wieder neu zu kaufen, um damit Profite zu erzielen, dann sieht es Shiva als Pflicht, die Patentgesetze zu missachten und das Saatgut selber zu verwalten. Dafür hat sie inzwischen in Indien ein breites Netz von bislang 120 Saatgutbanken aufgebaut.

Vandana Shiva ist weltweit zur Symbolfigur der globalisierungskritischen Bewegung geworden, die sie mit ins Leben gerufen hat. Mit Millionen Aktivist:innen auf allen fünf Kontinenten steht sie über Medien in Verbindung, führt sie bei Demonstrationen an oder fasziniert sie mit ihren Vorträgen. Sie hat dazu beigetragen, dass beispielsweise 2013 zwei Millionen Menschen in 52 Ländern am "March Against Monsanto" teilnahmen. In den frühen 1990er Jahren organisierte sie in Indien mehrere große Demonstrationen mit jeweils Hunderttausenden, so z.B. waren es im Oktober 1993 fantastische 500.000 Demonstrant:innen aus der ganzen Welt, die ihren Aufruf befolgten und mit ihr durch die Straßen von Bangalore zogen. Jahr für Jahr bringt die Wissenschaftlerin, soziale Aktivistin und Globalisierungskritikerin Vandana Shiva Tausende von Anhänger:innen für Umweltschutz, biologische Vielfalt, Frauenrechte und Nachhaltigkeit auf die Straßen. Anerkennung fand ihre Arbeit, bei der sie gleichzeitig auf lokalem wie internationalem Terrain kämpft, durch mehrfache Auszeichnungen, u.a. 1993 mit dem "Alternativen Nobelpreis" (Right Livelihood Award).

Bei den Themen beschränkt sich Shiva nicht alleine auf das Engagement im Bereich der Landwirtschaft. Für sie ist das Saatgut zum Katalysator für so wichtige Fragen wie Ernährungssouveränität, Demokratie, Frieden, gesellschaftliches Engagement und Feminismus geworden. In dem Buch "Eine andere Welt ist möglich. Aufforderung zum zivilen Ungehorsam" sind erstmals alle diese Themenfelder der weltweit bekannten indischen Umwelt- und Sozialaktivistin in einem Band vereint und es werden die engen Verbindungslinien aufgezeigt, die zwischen ihnen bestehen.

Mit diesem Buch ermutigt Vandana Shiva uns alle zum Handeln gegen die fortlaufende Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Gemeinsam können wir den Lauf der Welt verändern. Denn, davon ist sie überzeugt: "Eine andere Welt ist möglich!" Eine Welt, in der es gerecht zugeht und in der unsere Lebens- und Wirtschaftsweise im Einklang mit der Natur steht. Ein inspirierendes und motivierendes Buch, sehr empfehlenswert!

 

 

Vandana Shiva, Lionel Astruc: "Eine andere Welt ist möglich. Aufforderung zum zivilen Ungehorsam", Oekom Verlag, 192 Seiten, ISBN 978-3-96238-134-9, 20,00 €.

Webseite des Oekom Verlags: www.oekom.de

 

 

 

 

 

 

 

 Interview mit Vandana Shiva

Das Interview führte Sonja Bonneß, Online-Redakteurin des oekom Verlags, im Januar 2020 in den oekom-Verlagsräumen. https://www.oekom.de/beitrag/in-der-artenvielfalt-werden-wir-demokratie-und-frieden-finden-61

Veröffentlicht am

16. Juni 2021

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