Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V.

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Heiß und kalt

Von Katrin Warnatzsch - Soziale Friedensarbeit (aus: Lebenshaus Schwäbische Alb, Rundbrief Nr. 107, Dezember 2020 Der gesamte Rundbrief Nr. 107 kann hier heruntergeladen werden: PDF-Datei , 575 KB. Den gedruckten Rundbrief schicken wir Ihnen/Dir gerne kostenlos zu. Bitte einfach per Mail abonnieren )

Noch immer ist Corona-Zeit. Ob wir irgendwann erkennen, dass wir damit leben müssen? Ein neuer Umweltfaktor, mit spürbaren Auswirkungen, mehr, als die oft noch leichter für uns zu verdrängende Klimakatastrophe. Müssen wir dadurch nicht endlich zwangsweise die Veränderung einüben? Bisher blieben wir persönlich von der Infektion verschont, aber wie lange noch? Es ist nicht einfach, die einschränkenden Kommunikationsregeln umzusetzen, wenn die Arbeit darauf angewiesen ist. Wir setzen auf Vorsicht, aber wir müssen doch auch einander vertrauen. Wer sich krank fühlt, sollte uns nicht persönlich besuchen. Und auf gegenseitigen Respekt und Vertrauen haben wir bisher immer gesetzt.

Das allgemeine Lebensgefühl hat sich verändert, die Leichtigkeit ist verloren gegangen, bedrückend zu sehen, welche Auswirkungen das auf Kinder hat. Müssen wir lernen, unter diesen neuen Bedingungen eine neue Art des Miteinanders zu finden, um uns wieder wohlzufühlen? Es bleibt uns ja nichts anderes, als es auszuprobieren, wo es möglich ist. Dabei immer mit dem Wunsch, dass wir einander achten, behüten, schützen und versorgen und begleiten.

Gott ist groß

Sich zum Christentum zu bekennen als geborener Muslim, das ist ein heftiger Schritt, auch in unserer Öffentlichkeit. Dies in aller Bescheidenheit glaubhaft zu machen, dabei ehrlich zu sein und auf direkte inhaltliche Fragen zum christlichen Glauben zu antworten, das war die nicht einfache Anforderung vor Gericht für einen jungen Asylbewerber in seinem Klageverfahren gegen den ablehnenden Asylbescheid. Er betonte besonders, wie wichtig es ihm geworden sei, dass ihn hier in Deutschland normalerweise niemand nach seiner religiösen Überzeugung fragt. Dies auf dem Erfahrungshintergrund, dass er als Kind und Jugendlicher in eine Religiosität gezwungen worden sei, die mit Strafe und Gewalttätigkeit an ihm durchgesetzt worden war.

Leider habe ich viele solcher Beschreibungen gehört, die mich an radikale, autoritäre und gewaltvolle Erziehungsstile auch mit christlicher Begründung erinnern. Religion als Mittel zur Machtausübung zu missbrauchen, ist in allen Kulturen verbreitet und verabscheuungswürdig, führt oft genug in Kriege. Der junge Mann kann aber auch erzählen, dass er von Landsleuten hier bei uns geschlagen wurde, die von seiner Konvertierung erfahren haben. Da herrscht wohl noch eine große Verständnislücke für die Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit.

Das Lebens-Haus

Wir haben fast zwei Wochen überstanden, in denen wir kein warmes Wasser aus der Leitung im Lebenshaus hatten. Das war ein kleiner Härtetest für mich! Das Leck an der Leitung aus dem Speicher ist nun repariert und wir hoffen, es wird halten. Wie sehr sind wir doch verwöhnt, brauchen unsere Dusche und das warme Wasser in der Küche. Aber: Wir haben ja Strom, er kommt aus der Steckdose, noch immer Ökostrom aus Schönau, und ganz zuverlässig.

Gestern Abend stand das Haus plötzlich voller Qualm. Erschrocken habe ich zwei vollständig verkohlte Brötchen aus dem Backofen unserer Mitbewohner entfernt, nachdem ich mich durchgetastet hatte. Was tun wir gegen dieses Risiko, dass menschliches Vergessen immer passieren kann? Technische Hilfsmittel vermindern dieses Risiko nur bedingt, wenn niemand zuhause ist, bemerkt unter Umständen niemand einen Brandherd. Beim Gedanke daran beschleicht mich ein unangenehmes Gefühl.

Eine weinende Frau mit ihrem Kind sitzt bei mir, überfordert vom Alleinsein, traurig, weil der Alltag so schwer erscheint. Die KITA sei wegen Corona geschlossen, was soll sie nur täglich alleine machen mit dem Kind, das immer mehr einfordert. Und auch Wut steckt in den Tränen über den aus ihrer Sicht so passiven Vater des Kindes, der es sich leiste, immer nur gerade mal kurz vorbeizuschauen, um sich in Erinnerung zu rufen. Aber keine entlastende Zeit anbiete oder gar die Beziehung zu seiner Tochter aufbaue. Bekannte Familienquerelen, immer wieder und noch dasselbe Leid. Wann lernen wir alle miteinander? Friedlich spielend zwischen Wörterbüchern, Stiften und Legespielen sitzt das kleine Mädchen dabei. Sie will Michael gar nicht mehr in sein Büro zurücklassen. Und geschickt erklimmt sie inzwischen unsere Treppe bis zum Dachgeschoss. Ungern gehen die beiden wieder, nicht ohne ihr selbstgekochtes Essen bei uns zu lassen, es ist das, was sie zum Dank mitbringen können.

Ein Anruf von unserer Tochter: "Kannst du nicht für die Enkelinnen drei Tage im Adventskalender übernehmen? Ich schaff es nicht, den wieder selber zu machen, dafür teile ich die 24 Tage (und die 3 Kinder) gerne zwischen den 3 Großmüttern auf…" Es ist schön und richtig, wenn man sich gezielte Hilfe holt. Und für mich, wenn ich dazu ja oder nein sagen darf. Also werde ich 8 nussschalengroße Überraschungen machen.

Wenn ich angeben soll, was ich arbeite: "Was soll ich denn eintragen bei "Beruf" bei Ihnen? Sagen wir Sozialarbeiterin?" "Nein, das wäre übertrieben. Es heißt eben Soziale Friedensarbeit." "Ja, schon, aber der Computer hat das nicht drin…, und wo sind Sie eingesetzt?" "Nein, eingesetzt bin ich eigentlich nun auch wieder nicht. Die Menschen vertrauen sich mir an und fragen nach Unterstützung, ganz von sich aus. Und beauftragt dafür bin ich vom Verein Lebenshaus Schwäbische Alb. Eher für menschliche Notwendigkeiten."

"Frau Katrin, ich brauche einen Termin, bitte." "Okay, kannst Du da und da kommen." Nun kommt er, mit einer Tüte und ganz aufgeregt. Nach einem kleinen Smalltalk und einem Schluck Tee will ich wissen, worum es geht. Er sitzt in meinem Büro auf dem Sessel, wackelt hin und her und sagt, nein, er habe ja gar kein Problem. Ach, das ist was Neues! Ja und was ist nun? Also, ja er wolle sich doch bedanken. Für die umfangreiche Begleitung in seinem Asylverfahren. Er habe mir etwas mitgebracht, und packt es aus. Da ist ein kleiner, schöner, weicher, schwarzsamtener Doppelbilderrahmen. Er klappt ihn auf. Darin prangt mir ein selbstgeschriebener Text mit bunten Farben entgegen. Ein Danklied an und ein Loblied auf mich. Ich bin völlig überrascht, halte die Luft an und bin gerührt! Und noch eine kleine schöne Orchidee und ein süßes Schleckerle zieht er aus seiner Tüte. Also, da muss ich ihn, trotz Corona-Vorsicht, dann doch umarmen.

"Der Wald steht schwarz und schweiget und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel, wunderbar."

Der milde November mit dem Blättergeraschel unter den Füßen im Wald, fröhlichen Schafherden und hüpfenden Lämmern, galoppierende jugendliche Wildschweine (eingezäunt natürlich), Laternenbeleuchtete Fenster und morgendliche Nebelschwaden mit rauchenden Schornsteinen, das ist das Bild auf der Schwäbischen Alb derzeit. Bald werden Winterreifen und Räumfahrzeuge gebraucht, die Tannenbäume ausgeguckt und Plätzchen gebacken. Ob wir Weihnachten gemeinsam feiern können mit Angehörigen oder nur mit Einzelnen, das werden wir dieses Jahr neu erfinden. Musik und Kerzenlicht könnten uns helfen, telefonieren und Briefe schreiben auch.

Ich wünsche für alle, dass wir gesund und hoffnungsfroh bleiben.

 

Lebenshaus Schwäbische Alb bittet um Spende zum Jahresende

Wir möchten unsere Arbeit 2021 so engagiert wie bisher fortsetzen können, auch wenn wir durch die Corona-Krise zusätzlich vor neue Herausforderungen gestellt sind. Trotzdem blicken wir mit Zuversicht in ein aktives neues Jahr.

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Fußnoten

Veröffentlicht am

18. Dezember 2020

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