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Iran-Konflikt - Brennende Ölfelder

Im Nahen Osten zeigt sich, dass die USA den Zenit ihrer Macht überschritten haben

Von Michael Lüders

Der Dealmaker Donald Trump erlebt dieser Tage die Grenzen seiner Macht. Nordkorea suchte er mithilfe reiner Symbolpolitik der dortigen Atomwaffen zu entledigen - ohne Erfolg. In Venezuela hoffte er, gemäß den Einflüsterungen seines nunmehr geschassten Sicherheitsberaters John Bolton, einen schnellen Regimewechsel unter der Regie des neoliberalen, pro-amerikanischen Oppositionsführers Juan Guaidó herbeizuführen - ohne Erfolg. Auf Teheran will er "maximalen Druck" ausüben. Der Aufkündigung des Atomabkommens vergangenes Jahr folgte die wirtschaftliche Strangulierung Irans, in Erwartung eines Zusammenbruchs des Regimes oder aber dessen "Kapitulation" gegenüber Washington.

Die jüngste Antwort auf diese militaristische Strategie ist gerade in Saudi-Arabien zu besichtigen: brennende Ölfelder, in Brand gesetzt von einigen wenigen Drohnen, die unbeschadet des hochgerüsteten, aber unfähigen saudischen Militärs einen Milliardenschaden verursacht haben.

Aus Sicht des US-Außenministers Mike Pompeo ist die Schuldfrage geklärt: Alle Wege führen nach Teheran. Die saudische Führung hält sich auffällig zurück. Sie weiß genau, dass ihrem Land, ihrer auf Ölexport beruhenden Wirtschaft, im Falle eines Krieges gegen den Iran der Untergang droht. Der Nachrichtensender Al-Jazeera mutmaßt, dass der Angriff nicht den jemenitischen Huthis zuzuschreiben ist, sondern einer pro-iranischen Miliz aus dem Südirak: als Reaktion auf israelische Angriffe auf die Stellungen schiitischer Milizen im Libanon, in Syrien und im Irak. Die Gefechtslage ist unübersichtlich und brandgefährlich. Ein falsches Kalkül genügt, und die Lage gerät außer Kontrolle.

Deeskalation wäre gefragt, aber woher sollte der Anstoß dafür kommen? In Washington versteht man weder die Textur Irans noch der Region insgesamt. Alles wird gesehen aus der Perspektive eigener Hegemonie. Gleichzeitig haben die wichtigsten Verbündeten der USA, Israel und Saudi-Arabien, freie Hand, ihre eigene, expansive Machtpolitik als legitime Selbstverteidigung zu inszenieren.

Jetzt aber ist der GAU eingetreten: Die Saudis haben sich stets auf die Sicherheitsgarantien Washingtons verlassen. Doch Trumps Team signalisiert: Wir erwarten, dass ihr selbst etwas gegen Teheran unternehmt, zumindest den ersten Schritt. Dazu aber sind sie weder militärisch noch politisch in der Lage. Den maßgeblich von Riad initiierten mörderischen Krieg im Jemen können die Saudis nicht ohne Gesichtsverlust beenden. Geschweige denn einen weiteren gegen den weit mächtigeren Iran gewinnen.

Noch beim völkerrechtswidrigen Einmarsch in den Irak 2003 konnten die USA der Welt ihren Willen aufzwingen, mit fatalen Folgen für den Nahen und Mittleren Osten. Russland und China hielten damals still, was sie im Fall eines Angriffs auf den Iran mit Sicherheit nicht tun werden. Der Iran ist Chinas wichtigster Lieferant für Erdöl und -gas neben Russland. Moskau wie Peking wissen längst, anders als etwa deutsche Außenpolitiker, dass die neue Weltordnung eine multipolare sein wird. Den Zenit ihrer Macht haben die USA spätestens mit der Finanzkrise 2008 überschritten.

Kommt es zum großen Krieg? Diese Frage ist kaum zu beantworten, weil die maßgeblichen Akteure nicht rational handeln.

Von Michael Lüders erschien zuletzt das Buch Armageddon im Orient. Wie die Saudi-Connection den Iran ins Visier nimmt

Quelle: der FREITAG vom 20.09.2019. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

Veröffentlicht am

23. September 2019

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