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Begegnungen mit geflüchteten Menschen

Von Katrin Warnatzsch, Sozialer Friedensdienst im Lebenshaus (aus: Lebenshaus Schwäbische Alb, Rundbrief Nr. 88, März 2016 Der gesamte Rundbrief Nr. 88 kann hier heruntergeladen werden:  PDF-Datei , 846 KB)

In der Winterkälte laufe ich in den Einkaufsmarkt, um noch schnell zwei Packungen Mini-Tomaten für das Asylcafé einzukaufen, als mich zwei junge Männer ansprechen: "Hallo, wie geht es Dir?" Ich kann kaum durch meine angelaufene Brille erkennen, wer es ist, aber die Gestalten und die Freundlichkeit kommen mir bekannt vor. "Hier hast Du mein Taschentuch, gib mir die Brille", ich fange an zu lachen und die Brille in der Luft zu schwenken….

Es ist laut und bereits sehr voll im Asylcafé in Gammertingen, kaum eine ruhige Ecke zu finden. Schichtwechsel, nach zwei Stunden kommen die nächsten beiden Freiwilligen, die die erste Schicht ablösen wollen. Eine Frau ist zum ersten Mal in ihrem Dienst, noch unsicher, wie sie Kontakt aufnehmen soll. Da sitzen viele Männer am Tisch, unterhalten sich und spielen, andere stehen laut lachend um den Tischkicker herum. Wie kann man da unkompliziert dazukommen? Wir nehmen uns einen großen Block Papier, Filzstifte und Scheren. Kleben ein Plakat aus Packpapier an eine Wand im Flur, schon gesellen sich zwei Männer dazu, halten die Rolle, fragen: "Was machen wir? Was wird das? Kann ich Dir helfen?" Wir erklären ihnen, dass sie ihre Schuhe ausziehen sollen. Oh, das ist aber überraschend! Was wird aus den Schuhen rauskommen? Zögernd zieht der erste seinen leichten Leinenstiefel aus, stellt einen Fuß auf das Papier, wir fahren mit dem Filzstift in weniger als einer Sekunde drum herum. Ah, es geht ganz schnell und ist ungefährlich, sehen die anderen. Sie beginnen, die Abdrücke auszuschneiden. Das ist mühevoll. Wann haben sie das letzte Mal eine Schere benutzt? Dann kleben wir die Füße auf das Plakat, sie schreiben stolz ihre Namen darauf und ebenso ihre Schuhgrößen. Ich zeige ihnen meine Wollsocken, versteckt in warmen Stiefeln. Ja, das wollen sie auch haben, Socken, die wärmen und atmen. "Meine Mutter hat das früher auch gemacht, solche Socken, sogar Schuhe gestrickt, aber jetzt ist sie zu alt, sie hat mir auch Pullover gestrickt…", erinnert sich einer mit glänzenden Augen. "Hast Du Hilfe?" Ich bin ganz überrascht, frage drei Mal nach, was er meint. Schließlich verstehe ich, dass er fragt, wie viele Leute wir sind, die Socken stricken, denn so viele Männer wollen ja Socken haben, "sonst dauert es ja so lange…".

Inzwischen meldeten sich einige Frauen, die gerne Wollsocken stricken für die Geflüchteten. Mit Wolle, für die andere wiederum die Mittel ans Lebenshaus gespendet haben. So können sich auch Menschen einbringen und den Geflüchteten Gutes tun, die ansonsten kaum Wege finden, direkten Kontakt aufzunehmen. Doch in jedem eigens gefertigten Strumpf stecken Mitgefühl und Zuwendung! Und auf langen Fluchtwegen geschundene Füße können sich endlich wärmen und wohl fühlen. Der Bedarf ist riesig, Geflüchtete gibt es überall. Fangen wir an!

Auch längst unter uns lebende, ehemalige Kriegsflüchtlinge, zum Beispiel vom Balkan, wollen weiterhin wahrgenommen werden. Ihre ehemalige Heimat, nun Nachkriegsland, bietet noch immer kaum Perspektiven für ein auskömmliches Leben. Von dort will die junge Generation am liebsten ebenfalls fort, dorthin, wo sie "leichteres und besseres" Leben vermuten. Ein funktionierendes Gesundheitswesen ist nicht auszumachen, ohne Schmiergeld keine Chance. Die damals Geflohenen haben in Deutschland oft viele Jahre prekäre Jobs versehen und ihre Gesundheit ruiniert, müssen Unterstützungsgeld zu Verwandten schicken und das Heimweh holt sie besonders ein, wenn Eltern erkranken oder sterben. Haben sie keine ausreichenden Aufenthaltspapiere erhalten, droht ihnen inzwischen die Abschiebung, als Folge der "neuen Flüchtlingswelle", und der bizarren Entscheidungen, Krisenländer plötzlich zu sicheren Herkunftsländern zu erklären.

Mir bleibt an manchen Tagen nur, mit dermaßen bedrückten Menschen einen Gang durch die Natur zu machen, zuzuhören, offen zu bleiben, sie wahrzunehmen, dauerhaftes Willkommensein zu zeigen.

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Die Finanzierungslücke, die es zum Jahresende noch gab, konnte fast vollständig geschlossen werden. Dies war einerseits möglich dank der großen Unterstützung zahlreicher Menschen. Zum anderen hat sich der Fehlbetrag aber auch deshalb verringert, weil die Begleichung offener Rechnungen für die bereits 2014 erfolgte Erneuerung von baulichen Anschlüssen des vereinseigenen Gebäudes eingeplant war, die aber bis zum Jahresende nicht eintrafen. Diese Rechnungen sind zwischenzeitlich eingetroffen, weshalb sie mit ca. 5.000 € unseren Haushalt für 2016 zusätzlich belasten werden.

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Fußnoten

Veröffentlicht am

29. März 2016

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