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Göttingen (D) soll sich schämen!

Die Friedenspreis-Übergabe an die "Jüdische Stimme" wird von Stadt, Universität und Sparkasse boykottiert.

Von Christian Müller

Seit 20 Jahren wird in der deutschen Stadt Göttingen mit Geld der privaten Stiftung Dr. Roland Röhl ein Friedenspreis an Menschen oder Institutionen vergeben, die sich aktiv und öffentlich für den Frieden engagieren. Diesmal hat die Jury beschlossen, den Preis an die "Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost" zu vergeben, eine Vereinigung, die sich aktiv für eine friedliche Lösung des Konflikts zwischen Israel und Palästina einsetzt. Gegen diesen Entscheid ist aber von jenen jüdischen Kreisen, die im Sinne der Israel-Lobby jede öffentliche Kritik an der israelischen Besatzungspolitik gegenüber Palästina zu verhindern versuchen, protestiert worden. Nun steht fest: mit Erfolg. Infosperber hat darüber ausführlich berichtet .

Kein Geld mehr von der örtlichen Bank

Zu den Geldgebern der Friedenspreis-Übergabe gehörte bisher auch die Sparkasse Göttingen. Sie spendete jeweils 2000 Euro an die Preisübergabe (Reise- und Übernachtungskosten, Apéro, etc). Die Bank hat nun entschieden, zugunsten der diesjährigen Preisübergabe kein Geld zu geben.

Friedenspreis-Übergabe darf nicht in der Universität stattfinden

Auch die Georg-August-Universität Göttingen hat die Veranstalter der Friedenspreis-Übergabe wissen lassen, dass für diese Übergabe des Friedenspreises keine Räumlichkeiten der Universität zur Verfügung stehen, wie das bisher üblich und auch für dieses Mal vorgesehen war. Thomas Richter, der Pressesprecher der Universität, teilte der Stiftung gleichzeitig mit, dass er persönlich seine Mitgliedschaft im Beirat der Stiftung "ruhen lasse".

Die Rufmord-Kampagne gegen die zuständige Jury und insbesondere gegen deren Vorsitzenden Andreas Zumach geht offensichtlich unaufhaltsam weiter.

Jetzt melden sich auch die Unterstützer des Jury-Entscheides

Immerhin melden sich mittlerweile auch Leute, die sowohl die Situation in Israel als auch die Kampagnen der Israel-Lobby in Deutschland bestens kennen. Von besonderem Gewicht dabei ist die schriftlich abgegebene Stellungnahme von Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer von der Universität Bielefeld, Gründungsdirektor des dortigen "Interdisziplinären Instituts für Konflikt- und Gewaltforschung". Das Schreiben kann hier eingesehen werden.

Gestern hat auch Jochi Weil aus Zürich, ein weit über Zürich hinaus bekannter jüdischer Friedensaktivist und, wie er sich selber gerne nennt, Brückenbauer, einige Briefe nach Göttingen geschickt und darin die Versuche, die Friedenspreis-Übergabe an die "Jüdische Stimme" zu verhindern, verurteilt. Vier Positionen aus seinem Brief seien hier wörtlich zitiert:

  1. Ich kenne verschiedene der engagierten Frauen und Männer der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost e.V. seit Jahren persönlich und schätze sie.
  2. Ich verfolge die Kritik an der israelischen Politik den PalästinenserInnen gegenüber seit langem.
  3. Seit 1979 bin ich als ein Brückleinbauer zwischen Juden/Jüdinnen und PalästinenserInnen in der Schweiz und in Israel, der Westbank, Gaza sowie in Ostjerusalem engagiert.
    So war ich als ein Mitarbeiter von 1981 bis zu meiner endgültigen Pensionierung Ende 2012 bei medico international schweiz , vormals Centrale Sanitaire Suisse CSS Zürich, in verschiedenen Bereichen tätig.
    Auch bin ich ein Mitbegründer der Kampagne Olivenöl , die 2001 gegründet wurde, und habe bis im August 2012 aktiv freiwillig mitgearbeitet.
  4. (…)
  5. (…)
  6. Ich maße mir an, die Situationen und Befindlichkeiten auf beiden Seiten hier und vor Ort gut zu kennen.

Aus all diesen Gründen bitte ich Sie höflich, Ihren Entscheid zu überdenken und der Jüdischen Stimme JVJP in Deutschland den Göttinger Friedenspreis, den die Menschen dieser Organisation aus meiner Sicht verdient haben, zuzuerkennen und zu verleihen."

Jochi Weil, ein aktiver, aber auch ein weiser Mann, ist ein unermüdlicher Kämpfer für den Dialog und gegen die Waffen. So hilft er auch immer mit, in Zürich Veranstaltungen zu organisieren, an denen es Gelegenheit gibt, sich über die politische Situation in Israel persönlich zu informieren. Gerade auch nächste Woche wieder findet im Forum Kosmos so eine Veranstaltung statt (siehe unten die formelle Ankündigung).

Die Stadt Göttingen, seit 20 Jahren so quasi Schirmherrin des "Göttinger Friedenspreises", sollte sich an Menschen wie Jochi Weil ein Vorbild nehmen. Mit Rede- und Auftrittsverboten ist noch kein Konflikt auf dieser Welt gelöst worden.

Weiterführende Informationen:

Quelle: Infosperber.ch - 20.02.2019. 

Weitere Weblinks:

Veröffentlicht am

21. Februar 2019

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