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Fünfzehn spannende Jahre mit Uri Averny

Von Michael Schmid (aus: Lebenshaus Schwäbische Alb, Rundbrief Nr. 99, Dez. 2018 Der gesamte Rundbrief Nr. 98 kann hier heruntergeladen werden: PDF-Datei , 987 KB. Den gedruckten Rundbrief schicken wir Ihnen/Dir gerne kostenlos zu. Bitte einfach per Mail abonnieren .)

Am 20. August 2018 ist der israelische Journalist, Schriftsteller, Politiker und Friedensaktivist Uri Avnery im Alter von 94 Jahren verstorben. Er vertrat seit 1948 die Idee des israelisch-palästinensischen Friedens und die Koexistenz zweier Staaten: des Staates Israel und des Staates Palästina, mit Jerusalem als gemeinsamer Hauptstadt. Er war der erste Israeli, der sich mit Arafat getroffen hatte und sich von Anfang an für einen palästinensischen Staat aussprach. Er war die kritische und mahnende israelische Stimme für einen echten, gelungenen Frieden zwischen Israel und Palästina. Bis zuletzt hat er mit wachem Verstand und leidenschaftlichem Engagement die politischen Entwicklungen kommentiert und insbesondere die israelische Regierung kritisiert. Sein Tod ist ein schwerer und schmerzhafter Verlust für die gesamte Welt, aber ganz besonders für den Frieden im Nahen Osten.

Ich muss vorausschicken, dass ich Uri Avnery nie persönlich begegnet bin. Aber er ist mir in den vergangenen 15 Jahren doch sehr nahegekommen. Denn seit wir die Lebenshaus-Website betreiben, habe ich Woche für Woche einen Kommentar von Uri in deutscher Übersetzung veröffentlicht. Diesen hatte ich davor natürlich erst einmal gelesen. Auf diese Weise tauchte ich also mindestens einmal wöchentlich in Geschichte, Leben und Politik Israels und in die Gedanken- und Erfahrungswelt von Uri ein. Immerhin sind seit Frühjahr 2003 dadurch rund 740 Artikel von Uri auf unserer Website veröffentlicht worden.

In den vergangenen fünf Jahren übersetzte Ingrid von Heiseler die Kommentare aus dem Englischen ins Deutsche. Normalerweise trafen diese Übersetzungen jeden Donnerstag bei mir ein. Manches Mal kam es aber vor, dass ich eine E-Mail von Ingrid zur Kenntnis erhielt, die sie an Uri oder an dessen Freunde von Gusch Schalom schrieb, um besorgt nachzufragen, wie es Uri erginge. Der Grund: Uris Kommentar war noch nicht bei ihr eingetroffen. Die Verspätung ließ sich aber immer leicht aufklären und hatte keine wirklich besorgniserregenden Gründe. Wie auch, Uri hatte uns doch versprochen, dass er Hundert werden würde und ging jetzt "erst" auf Fünfundneunzig zu…

Am Donnerstag, 9.8., hieß es dann in einer Mail von Ingrid: "In dieser Woche kommt leider kein Artikel von Uri, denn er ist krank." In den Tagen darauf folgten mehrere Nachrichten zwischen Bangen und Hoffen.

Im Artikel der Vorwoche ( "Wer zum Teufel sind wir?" ) hatte Uri sehr kritisch über das umstrittene jüdische Nationalstaat-Gesetz geschrieben, das die Knesset einige Tage zuvor verabschiedet hatte. Darin wandte er ein, dass Israel die Heimat der israelischen und nicht der jüdischen Nation sei. Er schrieb auch, dass er sich einmal gemeinsam mit anderen Antragstellern erfolglos darum bemüht habe, die Nationalität in seinem Ausweis von "jüdisch" in "israelisch" zu verändern.

Wie ich später erfuhr, wollte Uri dann am Samstag, 4.8., an einer Demonstration gegen dieses jüdische Nationalitätengesetz teilnehmen. Die Aktivisten, die ihn im Auto mit zur Demonstration hatten nehmen wollen, fanden ihn bewusstlos in seiner Wohnung auf dem Fußboden liegen. Er wurde ins Krankenhaus gebracht - danach hat er das Bewusstsein nicht wiedererlangt.

Am 20. August kam dann die sehr traurige Nachricht, dass Uri verstorben ist. Schweren Herzens musste ich mir klarmachen, dass nun die Veröffentlichung seiner Artikel ein abruptes Ende gefunden haben. Obwohl ich nicht in allem, was Uri schrieb, seiner Meinung war - zum Pazifismus hat er sich nicht bekannt - bleibt höchster Respekt vor dem beeindruckenden Leben eines Menschen, der sich mutig und mit großem Engagement für einen gerechten Frieden zwischen Israel und Palästina eingesetzt hat.

Mitarbeitende von Gusch Schalom, dem Friedensblock, den Uri 1993 gegründet hat, schrieben in einer Meldung:
"Wie ihr wahrscheinlich längst wisst, ist unser Gefährte Uri Avnery am 20. August gestorben, [weniger als] einen Monat, bevor wir seinen 95. Geburtstag feiern konnten. Das ist für uns alle ein schwerer Verlust. Uns tröstet nur, dass wir wissen: Er war bis zu seinem letzten [bewussten] Augenblick bei klarem Verstand, er war wie immer an dem politischen und ideologischen Kampf beteiligt, dem er sein Leben gewidmet hatte. Es wird nun also leider keine neuen von Uri Avnery geschriebenen Artikel mehr geben."

Weblink:

Uri Avnery (23.09.1923 - 20.08.2018): Er wurde 1923 als Helmut Ostermann in Beckum in Westfalen geboren. 1933 wanderten seine Eltern mit ihm nach Palästina aus. Uri wurde später Mitglied der Untergrundbewegung Irgun und nahm 1948 am Unabhängigkeitskrieg teil. Zwischen 1965 und 1981 war er zehn Jahre lang Mitglied der Knesset. 1982 lernte er in Beirut Yassir Arafat kennen, der ihn später als sehr guten Freund bezeichnete. Uri Avnery kannte alle wichtigen Politiker Palästinas und kämpfte gemeinsam mit dem 1993 von ihm gegründeten Friedensblock Gusch Schalom in Wort und Schrift für eine Aussöhnung zwischen Juden und Arabern: Seit Jahrzehnten setzen sie sich für ein Ende der Besetzung und für einen Boykott der Produkte aus den besetzten Gebieten ein. Uri Avnery kritisierte Benjamin Netanjahus Politik und dessen Idee eines Angriffs auf den Iran. Er befürwortete die Zweistaatenlösung und sah voraus, ein Großisrael könne mit seiner noch dazu abnehmenden jüdischen Minderheit nur ein jüdischer Apartheidstaat werden. Als innere Bedrohung Israels sah er die schnell wachsende Anzahl der Orthodoxen, die weder außerreligiöse Schulbildung erwerben noch einer Erwerbstätigkeit nachgehen noch Militärdienst leisten. 

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Fußnoten

Veröffentlicht am

22. Dezember 2018

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