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Trau keinem über 20

Der "March For Our Lives" gegen laxe Waffengesetze war ein bemerkenswerter Anfang. Es entsteht die erste Bewegung von Amerikanern, die im 21. Jahrhundert geboren sind

Von Konrad Ege

Gar nicht schlecht, sollte das eine progressive Zukunft der USA sein. Am Wochenende vor Ostern trat etwas Neues in Erscheinung bei den energiegeladenen Riesenkundgebungen gegen laxe Waffengesetze. Die jungen Leute, allen voran Überlebende des Schulmassakers in Parkland, lassen sich nicht vertrösten von der konventionellen Weisheit, das Verbot bestimmter Schusswaffen sei leider nicht durchsetzbar. Die Betonung liegt auf "jung". Ans Mikrofon traten in Washington nur Leute unter 20. Darunter die grandiose Emma González mit ihrem Mut zum minutenlangen Schweigen. Erwachsene haben Geld gegeben und logistisch geholfen, angeführt haben die Jungen.

Wie treffend der Protest war, zeigte sich bei der lahmen Reaktion der Schusswaffenlobby. Wer nicht alt genug sei, eine Waffe zu tragen, sei auch nicht alt genug für politische Entscheidungen über Schusswaffen, so die National-Rifle-Association-Sprecherin. Dass die NRA nichts kapieren will, zeigt die dumme Behauptung, die Demonstranten würden manipuliert von der liberalen Elite.

"Weitermachen", kann man nur sagen zu den jungen Leuten, obwohl die das selbst wissen. Und zu älteren: "Mitmachen, ohne gleich Kontrolle übernehmen zu wollen." Thema war doch: Die Erwachsenen hätten versagt. Junge Menschen müssten etwas tun. Was das genau wird, ist erst mal gar nicht so wichtig. Die Erwachsenen haben es nicht geschafft, auch nur minimale Waffenkontrollen einzuführen. Und Trump haben sie auch nicht verhindert.

Die neue Bewegung ist die erste, die von Amerikanern angeführt wird, die im 21. Jahrhundert geboren sind. Sie wird vielleicht scheitern, und doch sollte man den Jungen erst einmal vertrauen. In der schwarzen Bürgerrechtsbewegung riskierten sehr viele sehr junge Leute Gesundheit und Leben beim Widerstand gegen den Apartheid-Staat. Und die Empörten der Studentenbewegung der frühen 1970er hatten bekanntermaßen keine grauen Haare. In Washington sang Jennifer Hudson aus dem BobDylan-Song The Times They Are a-Changin’. Bereits in den 1960er Jahren appellierte Dylan an Mütter und Väter, die Söhne und Töchter nicht zu kritisieren und nicht zu bemängeln, was man nicht verstehe. Macht Platz, wenn ihr nicht mit anpacken könnt. Womit das Wesentliche gesagt wäre.

Quelle: der FREITAG vom 28.03.2018. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Konrad Ege und des Verlags.

Veröffentlicht am

28. März 2018

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