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USA und Kuba: Botschaft des Friedens

Die Verhandlungen über die Normalisierung der Beziehungen laufen so flott, dass in Kürze das offizielle Ende der Eiszeit in Aussicht stehen könnte

Von Konrad Ege

Nach mehr als einem halben Jahrhundert Feindschaft normalisieren die USA und Kuba ihre Beziehungen. Schneller als eigentlich vorgesehen wollen beide nun schon im April ihre jeweilige Botschaft beim einstigen Gegner eröffnen. Dass es nun endlich so weit ist, war längst überfällig. Doch die Auswirkungen auf Kuba sind schwer absehbar.

Bisher war allein die Existenz des sozialistischen Kubas eine Niederlage der US-Politik. Verschwörungen der CIA, Sabotage und das jahrzehntelange US-Handelsembargo haben den Staat nicht in die Knie gezwungen. Kuba hat vielmehr Befreiungsbewegungen in Mittel- und Südamerika und in Afrika unterstützt. Selbst das Ende der "Schutzmacht" Sowjetunion führte nicht zum prophezeiten Kollaps.

Doch richtig ist auch: Kuba verliert nun einen guten Feind, mit dessen Existenz stets die autoritären Strukturen gerechtfertigt wurden. Der abzusehende Andrang US-amerikanischer Wirtschaftsinteressen, die künftige Reisefreiheit und der Informationsaustausch stellen die Regierung vor die harte und zeitgemäße Frage: Was bleibt vom Sozialismus? Letztendlich wird den alten Männern in Havanna nichts anderes übrig bleiben, als ihrem Volk zu vertrauen.

Die Verhandlungen über die Normalisierung der Beziehungen laufen anscheinend so flott, dass in Kürze wohl auch das offizielle Ende der Eiszeit in Aussicht steht. Eventuell sogar rechtzeitig zum Gipfeltreffen der süd-, mittel- und nordamerikanischen Staatschefs Mitte April. US-Präsident Barack Obama und Kubas Raúl Castro werden teilnehmen.

Beide haben vergangenen Dezember den Wunsch nach Normalisierung ausgesprochen. Das Handelsembargo als Mittel zur Einflussnahme habe nicht funktioniert, räumte Obama damals ein. Eine Ansage, die der Wirklichkeit so sehr entspricht, dass man sie eigentlich längst erwartet hätte von dem Realpolitiker im Weißen Haus.

Obamas republikanische Gegenspieler vermissen die Konfrontation mit dem Feind 140 Kilometer vor der Küste Floridas. Sie lärmen gegen die neue Entspannung. Doch die Anti-Castro-Lobby schwächelt; die Söhne und Töchter der Flüchtlinge verlieren immer mehr das Interesse an den Streitigkeiten von gestern. Im Kalten Krieg war das halt viel einfacher. Aber eben auch viel schlechter.

Quelle: der FREITAG vom 05.03.2015. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Konrad Ege und des Verlags.

Veröffentlicht am

05. März 2015

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