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Indienreise: Auf der Suche nach Gandhis Vermächtnis

Theodor Ebert hat 1997 zwei Reisen nach Indien unternommen. Wie in der Überschrift zum Ausdruck gebracht, war er auf der Suche nach dem Vermächtnis von Mohandas K. Gandhi unterwegs. Er hat seine Erlebnisse, Eindrücke und Gedanken in einem Tagebuch festgehalten, das er jetzt dankenswerter Weise zur Veröffentlichung auf der Lebenshaus-Website zur Verfügung gestellt hat. Es kann unten auf dieser Seite heruntergeladen werden. Nachfolgend veröffentlichen wir zunächst Theodor Eberts Vorbemerkung zur digitalen Edition des Tagesbuchs seiner Indienreise.

Vorbemerkung zur digitalen Edition des Tagebuchs meiner Indienreise im Jahre 1997

Von Theodor Ebert

In den 80er und 99er Jahren des vorigen Jahrhunderts war das Gandhi-Bild in der Friedensbewegung geprägt von Richard Attenboroughs monumentalen Gandhi-Film. Und das war gut so. Auch in meinen Seminaren zur Friedens- und Konfliktforschung am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin hatten die meisten Studenten diesen Film gesehen und ich konnte mich auf diesen Anschauungsunterricht einigermaßen verlassen. Inzwischen ist zwar eine fünfbändige Ausgabe der wichtigsten Schriften Gandhis im Wallstein Verlag erschienen Mahatma Gandhi . Ausgewählte Werke. Herausgegeben von Shriman Narayan, bearbeitet von Wolfgang Sternstein . Mit einem Nachwort von Gita Dharampal-Frick. Aus dem Englischen übersetzt von Brigitte Luchesi und Wolfgang Sternstein . € 59,90. 5 Bde., zus. 2098 S., 2011. und Wolfgang Sternstein hat in Aufsätzen und Büchern das Werk Gandhis den Deutschen nahe zu bringen versucht, aber von einer aktuellen Rezeption von Gandhis Methoden der Konfliktbearbeitung kann kaum die Rede sein, obwohl der Ablauf der jüngsten Konflikte in Ägypten, Libyen und Syrien eigentlich danach schreit. Mein eigenes Buch "Gewaltfreier Aufstand - Alternative zum Bürgerkrieg", welches den deutschen Kriegsdienstverweigerern in den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts zur Vorbereitung auf die Prüfungsverhandlungen diente, ist nur noch antiquarisch zu erhalten, und die Verleihung des alternativen Nobelpreises an meinen Freund und Forscherkollegen Gene Sharp hat nicht die erhoffte Wirkung ausgeübt.Gene Sharp: Waging Nonviolent Conflict. . 20th Centrury Practice and 21st Century Potential. Boston: Porter Sargent, 2005.

Den letzten Anstoß, mein Tagebuch der Indienreise auf den Spuren Gandhis ins Internet zu stellen, hat ein Gespräch von Steffen Gassel mit der indischen Schriftstellerin Anundhati Roy gegeben. Sie wurde weltweit bekannt durch ihren Roman "Der Gott der kleinen Dinge". Das Gespräch ist erschienen in der Illustrierten "Stern" am 25. September 2014 unter der Überschrift: "Wir sitzen auf einer Bombe in diesem Land". Indien ist undemokratisch, ungerecht und extrem brutal, sagt die Schriftstellerin Arundhati Roy über ihre Heimat. Eine Abrechnung mit der Verklärung ihres Landes - und mit dem Mythos Gandhi.

Deutsche Gandhi-Kenner wie Wolfgang Sternstein halten die Aussagen A. Roys über Gandhi und sein Engagement für die "Unberührbaren", welche dieser als "Harijans" (Kinder Gottes) bezeichnete und diesen Titel auch seiner Zeitschrift gab, für verkehrt. A. Roy engagiert sich für Gandhis Zeitgenossen B. R. Ambedkar, den prominenten politischen Interessenvertreter der Dalits, wie dieser die Kastenlosen nannte. Die deutschen Leser des Interviews im "Stern" werden kaum beurteilen können, wie die unterschiedliche Vorgehensweise Gandhis und Ambedkars einzuschätzen sind und es werden wahrscheinlich nur die negativen Urteile über Gandhi hängen bleiben.

Das ist bedauerlich, weil wir von Gandhi als politischem Strategen nach wie vor sehr viel lernen können.Gene Sharp: Gandhi as a Political Strategist with Essays and Politics. Boston: Porter Sargent, 1979. Mein Reisebericht ist kein Lehrbuch der gewaltfreien Strategie, aber vielleicht hilft es doch, den Deutschen die Augen zu öffnen für die Bedingungen unter denen Gandhi agierte und seine Strategie entwickelte. Es wird sich wahrscheinlich auch jetzt kein Verlag finden, der meinen Reisebericht veröffentlicht, aber ich hoffe doch, dass einige Leser meinen Bericht zum Herunterladen weiter empfehlen, und ich würde mich freuen, wenn die eine oder andere Rückmeldung bei mir eintreffen würde. Weitere Schriften sind im Archiv des Lebenshauses Schwäbische Alb www.lebenshaus-alb.de und auf meiner Homepage www.theodor-ebert.de zu finden.

Theodor Ebert, im Oktober 2014

Tagebuch von Theodor Ebert zum Herunterladen:

Fußnoten

Veröffentlicht am

19. Oktober 2014

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