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USA: Lady first

Die nächste Präsidentenwahl findet erst Ende 2016 statt. Doch schon jetzt gilt: "All Hillary Clinton, all the time"

Von Konrad Ege

Hillary Clinton unterwegs auf Buchtour für ihre neue Biografie mit dem Titel Hard Choices, Hillary Clinton in Fernsehinterviews, Hillary Clinton bei Ansprachen, bei einer Frauenorganisation der Methodistenkirche und familienorientiert als künftige Oma. Dazu Clinton als Expertin zum Austausch Taliban gegen den gefangenen US-Soldaten Bowe Bergdahl. Die ehemalige First Lady, Senatorin und Ex-Außenministerin erscheint als die geradezu zwangsläufige Kandidatin der Demokraten. Das saugt den Sauerstoff aus den Alternativen zu einer Politik, die nicht von der wirtschaftlichen Elite geprägt wäre.

Die New York Times hat schon vor einem Jahr eine eigene Reporterin abgestellt für die Politikerin. Dass Clinton permanent Zielscheibe für Angriffe von rechts ist, stärkt sie bei den Demokraten. Spekulationen des republikanischen Oberstrategen Karl Rove, Clinton habe bei einem Sturz im Dezember 2012 eine schwere Gehirnverletzung erlitten und sei ohnehin schon ziemlich alt fürs Weiße Haus, beflügelt die Clintonistas erst recht.

Bei demokratischen Wählern ist das Thema soziale Ungleichheit aktuell. Clinton klagt bei ihren Auftritten, dass viele Menschen trotz harter Arbeit kaum über die Runden kämen. Und die ganz oben, "die top 0,1 Prozent der Bevölkerung", wie sie sagt, seien im Laufe nur einer Generation immer reicher geworden. Da erhebt sich natürlich die Frage, wer alles während dieser Zeit im Weißen Haus saß. Darunter ist auf jeden Fall Hillarys Fan Nr. 1, Ehemann Bill Clinton, Architekt einer umstrittenen Sozialhilfereform, der Liberalisierung der Bankengesetze und des freien Handels, unterstützt von seinem Finanzminister Robert Rubin, zuvor Chef im Bankhaus Goldman Sachs. Und dann eben Barack Obama. Geldgeber haben schnell kapiert, dass Hillary Clinton eine gute Investition ist. Bei ihrer Kandidatur als Senatorin des Bundesstaats New York im Jahr 2000 bekam sie weniger Wahlspenden als ihr Kontrahent. Sie gewann trotzdem und erhielt bei ihrer Wiederwahl 2006 zehnmal so viel Geld wie der republikanische Herausforderer.

Zeit ihrer Karriere habe Clinton Wahlspenden von 329 Millionen Dollar einkassiert, berechnet das Institut Center for Responsive Politics. Die Bankhäuser Citigroup, Goldman Sachs und JP?Morgan Chase seien ihre Top-Geber gewesen. Diese Verbindungen zum großen Geld und die Finanzmacht der Clintons mit einem geschätzten Vermögen - laut Washington Post - von 50 Millionen Dollar erschreckt bei den Demokraten potenzielle Rivalen. Eine Präsidentschaftskandidatur kostet gut und gern eine Milliarde Dollar.

In dieser erlauchten Welt ganz oben kann es schon einmal zu verbalen Ausrutschern kommen. Bei einem Buchtour-Interview im Sender ABC wurde Hillary Clinton auf ihr Vermögen angesprochen. Sie habe doch durch ihre Vorträge fünf Millionen Dollar verdient und Bill Clinton 100 Millionen. Wie sie das den Wählern erkläre. Ja, meinte Hillary, nach Bills Präsidentschaft seien die Clintons praktisch pleite gewesen, sie hätten die Hypotheken für ihre Häuser kaum bezahlen können; da musste man halt etwas verdienen. Das hörte sich an wie Mitt Romney: Häuser im Plural.

Bill Clinton kommt aus einfachen Verhältnissen, Hillary aus der gehobenen Mittelklasse. Barack Obama ebenfalls aus eher einfachen Verhältnissen. Wer nach oben steigt in der US-Politik, passt seine wirtschaftlichen Pläne denen ganz oben an. Und wird dafür belohnt. Es geht da nicht nur um einen Billigurlaub bei Freunden oder Oktoberfest-Besuche. Und man nennt das auch nicht Korruption. Hieß es doch im Informationsdienst Politico.com: Das "dunkelste Geheimnis in der Welt des großen Geldes der republikanischen Eliten an Ost- und Westküste" sei die Einsicht, dass Hillary Clinton die beste Alternative wäre, sollten die Republikaner jemanden wie die Rechtspopulisten Ted Cruz oder Rand Paul nominieren. Die erste Außenministerin Obamas muss nur noch die demokratischen Wähler überzeugen, dass der Unterschied zwischen ihr und den Republikanern (die Rücksicht nehmen müssen auf ihr rechten Stammwähler) groß genug ist. Obama hat das hingekriegt. Er konnte sein Image eines "anderen", modernen Politikers kombinieren mit der impliziten Zusage an die Elite, dass sie nichts zu fürchten habe. Das ist amerikanische Realität.

Quelle: der FREITAG vom 19.06.2014. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Konrad Ege und des Verlags.

Veröffentlicht am

19. Juni 2014

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