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USA: Durch und durch kriegsmüde

Präsident Obama hat sich mit seinem afghanischen Amtskollegen Karzai auf einen beschleunigten Abzug der US-Kampftruppen aus Afghanistan verständigt. Keine Überraschung

Von Konrad Ege

So einfach ist das: Die US-Regierung entscheidet im amerikanischen Interesse. Das galt auch bei Barack Obamas jüngstem Afghanistan-Beschluss über den beschleunigten Abzug. Was man so alles behauptet hatte über afghanische Mädchen, die unter dem Schutz westlicher Mächte zur Schule gehen könnten, verblasst im Hintergrund. Die allermeisten der noch 66.000 US-Soldaten in Afghanistan kommen nach Hause. Das Weiße Haus konnte den sündhaft teuren Krieg nach zwölf Jahren Laufzeit nicht mehr glaubhaft rechtfertigen. Ihn weiter zu führen, dient keinem amerikanischen Interesse mehr. Verteidigungsminister Leon Panetta hatte schon 2010 erklärt, am Hindukusch seien nur noch an die 100 Al-Qaida-Kämpfer aktiv. Das Ausschalten von Bin Ladens Getreuen galt ursprünglich als Hauptgrund für den Einmarsch. Darüber hinaus wollten die USA dem Land innere Stabilität verschaffen.

Obama ist nun offenbar zu dem Schluss gekommen, Stabilität gehe auch anders und billiger: Drohnen, Einsätze von Elitekorps sowie Beratung der afghanischen Sicherheitskräfte reichen aus. Selbst die Afghanen würden das Drohnen-Fliegen lernen, so Präsident Hamid Karsai nach seiner Rückkehr vom Gipfel in Washington: Die USA würden Überwachungsdrohnen zur Verfügung stellen. Aus der anspruchsvollen Counterinsurgency mit dem Ringen um die "Herzen und Köpfe" der Afghanen ist endgültig Counter-Terrorismus geworden.

Obamas Kritiker warnen vor einem Kollaps des Karsai-Regimes und einer Rückkehr der Taliban. Doch hat General Stanley McChrystal - 2009 bis 2010 ISAF-Kommandeur - der New York Times jüngst ein bemerkenswertes Interviewgegeben: Nicht übertrieben optimistisch, doch mit Hinweis auf die begrenzte Macht der Taliban: Die seien "in Wirklichkeit" nicht sehr stark, keine "beliebte Nationale Befreiungsbewegung" und gegen alles, was sich viele Afghanen wünschten. Mit zivilen Hilfen könnten die USA künftig viel erreichen. Der General hielt Rückschau. Die USA hätten gleich nach den Anschlägen auf das World Trade Center "anders handeln müssen". "Schon einen Tag nach 9/11 hätten wir 10.000 Leute in Sprachschulen schicken sollen."

Quelle: der FREITAG vom 17.01.2013. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Konrad Ege und des Verlags.

Veröffentlicht am

18. Januar 2013

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