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Pipeline: Russen und Europäer gucken in die Röhre

Von Karl Grobe

Vier Präsidenten haben die Pipeline feierlich eröffnet, Europäer und Russen aber gucken in die Röhre. Die Leitung liefert jetzt Erdgas aus Turkmenistan nach China. In drei Jahren soll die Lieferung von Saman Depe zum Grenzpunkt Horgos und weiter nach Schanghai rund die Hälfte des chinesischen Bedarfs decken.

Die China-Röhre, die in der Tradition der Seidenstraße des Altertums stehen soll, bricht ein Moskauer Monopol - für die drei Herren Gurbanguli Berdymuchamedow, Nursultan Nasarbajew und Islam Karimow ein guter Tag. Die Präsidenten der Turkmenen, Kasachen und Usbeken freuten sich denn auch ungemein. Hu Jintao, Chinas Nummer eins, nicht weniger. Gemeinsam drehten sie am Montag das Ventil auf.

Alexej Miller, Herr des russischen Monopolisten Gazprom, war ebenso wenig eingeladen wie sein Staatschef Dmitri Medwedew oder gar Wladimir Putin, der Premier. Ihre Seite verliert.

Turkmenistan, das die viertgrößten Erdgasreserven weltweit besitzt, kam bisher an Gazprom nicht vorbei. Alle Rohre aus dem zentralasiatischen Diktaturstaat mündeten in das Gazprom-Netz, ausgenommen nur zwei Pipelines kleineren Kalibers nach Iran. Und nur Gazprom kann und darf Gas durch Russland und so auf den Weltmarkt befördern.

Allerdings haben die cleveren Turkmenen dem russischen Partner eine höhere Rechnung ausgestellt als dieser erlösen konnte. China wird in den kommenden dreißig Jahren ungefähr das zahlen, was der Weltmarkt fordert, vielleicht mit Mengenrabatt wegen der langen Laufzeit. China linst zudem schon weiter nach Süden, an die afghanische Grenze. Dort, bei Süd-Jolotan, befindet sich die wahrscheinlich größte unerschlossene Lagerstätte weltweit. China investiert.

Das täte die europäische Konkurrenz auch gern; sie muss irgendwie die geplante Nabucco-Pipeline füllen. Die soll ja zentralasiatisches Gas über die Türkei gen Westen bringen. Damit das Projekt sich rentiert, ist turkmenisches Gas eigentlich unverzichtbar; es sei denn, man holt den Rohstoff im Iran. Das aber mögen die USA nicht: Sie bestehen auf Sanktionen gegen Teheran - wegen des Atomprogramms.

Schlag für Nabucco

Dem Nabucco-Projekt versetzt die Pipeline nach China also einen heftigen Schlag, weil sie die turkmenischen Reserven anzapft - und das spielt indirekt den russischen Interessen am europäischen Markt in die Hände. Andererseits hat Gazprom Mühe, die eigene Produktion auf dem Stand zu halten, und die drei an der neuen Pipeline beteiligten Staaten können sich künftig auf Fernost-Verkäufe einstellen.

Machen die zentralasiatischen Staaten sich freier von den Bindungen an Russland, verschieben sich die Gewichte in der Organisation der Schanghai-Kooperation (SCO). Russland, China und vier zentralasiatische Staaten (Turkmenistan noch nicht) gehören ihr an. China ist auf dem Weg zur regionalen SCO-Vormacht - in einer Weltgegend, die seit dem letzten Jahrhundert des Zarenreichs russisches Kolonialgebiet und dann Teil der Sowjetunion war. Russland, für China ohnehin fast nur Rohstofflieferant, wird zum Juniorpartner der Pekinger Herren.

Quelle: Frankfurter Rundschau vom 18.12.2009. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Karl Grobe.

Veröffentlicht am

18. Dezember 2009

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