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Das Atomtest-Domino

Die internationale Front der Atomwaffengegner wartet auf das Votum des US-Senats und will danach über weitere Schritte entscheiden. Werden Atomwaffentests dann verboten?

 

Von Wolfgang Kötter

Als der UN-Sicherheitsrat in der vergangenen Woche unter Leitung von US-Präsident Barack Obama über die nukleare Nichtverbreitung und Abrüstung debattierte, ging es gleich nebenan im Konferenzsaal 3 um ein weiteres existenzielles Problem des nuklearen Wettrüstens. Außenminister und hochrangige Diplomaten berieten unter Vorsitz der Außenminister Frankreichs und Marokkos, Bernard Kouchner and Taieb Fassi Fihri, wie der nukleare Teststoppvertrag rechtswirksam werden kann. Es war das sechste derartige Treffen, und diesmal stehen die Chancen nicht schlecht. Am Schluss verabschiedeten die 150 Teilnehmer einmütig einen Aufruf zum schnellstmöglichen Inkrafttreten des Vertrages.Siehe  Final Declaration and Measures to Promote the Entry into Force
of the Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty
Erstmals seit 10 Jahren nahm auch wieder eine US-Delegation teil. Während Außenministerin Hillary Clinton in der Grundsatzerklärung die Unterstützung der USA für den Vertrag bekundete, bearbeitete ihrer Vize Ellen TauscherSiehe Noch eine Frau für Abrüstung: Ellen Tauscher wird die höchste Abrüsterin im US State Department . einzelne noch säumige Staaten und warb um deren Mitgliedschaft.

Gleich am Eröffnungsmorgen unterbrachen die Delegierten für zwei Stunden ihre Beratungen und verfolgten in einem Public Viewing per Videoleinwand die Abrüstungsdebatte im Sicherheitsrat. Denn der Teststoppvertrag ist für die vom Rat einstimmig zum Ziel erklärte atomwaffenfreie WeltSiehe  Resolution 1887 (2009) . unverzichtbar. Das AbkommenSiehe Vertrag über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen
(Übersetzung).
verbietet die Erprobung aller Atomwaffen ob zu Land, unter Wasser, in der Atmosphäre oder im Weltraum. Obwohl bereits 181 Staaten unterschrieben und 150 auch ratifiziert haben, ist es bisher nicht rechtswirksam. Es fehlen noch neun der 44 Staaten, die technisch in der Lage wären, Kernwaffen zu bauen. Zu den Verweigerern gehören außer den USA die Kernwaffenstaaten China, Israel, Indien, KDVR und Pakistan; dazu kommen Ägypten, Indonesien und Iran. Unter ihnen gilt die Haltung Washingtons als entscheidend.

Der US-Senat fällt sein Verdikt über den Vertrag bereits zum zweiten Mal. Damals hatte die republikanische Mehrheit unter Führung von Jesse Helms, dem ultrareaktionären Senator aus North Carolina, die Ratifizierung systematisch hintertrieben. Am Ende fehlten bei der Abstimmung am 13. Oktober 1999 neunzehn Stimmen zur erforderlichen Zweidrittelmehrheit.Siehe  Alexander Kelle / Harald Müller: Alarm! Rettet die Rüstungskontrolle!   Dabei hatte alles so gut angefangen. Der damalige Präsident Bill Clinton unterzeichnete den Teststoppvertrag am 24. September 1996 als erster Staatsmann der Welt und pries ihn als einen "gigantischen Schritt vorwärts". Doch dann waren es vor allem die USA, die ständig neue Steine in den Weg rollten. Die Administration von George W. Bush rührte keinen Finger, um eine erneute Senatsabstimmung zu erreichen. Washington votierte regelmäßig gegen die UN-Resolutionen zum Testverbot, boykottierte die Konferenzen zur Unterstützung der Inkraftsetzung des Vertrages und verweigerte schließlich sogar die Finanzmittel für Vor-Ort-Inspektionen der Wiener Kontrollbehörde.

Die USA starteten das nukleare Wettrüsten

Die Obama-Regierung hat diesen Verweigerungskurs unverzüglich korrigiert, die ausstehenden Schulden bezahlt und der Präsident hat jetzt vor der UNO den Teststoppvertrag erneut unterstützt. Bereits im April hatte er in Prag verkündet: "Um ein globales Verbot für Atomtests durchzusetzen, wird meine Regierung sofort und offensiv die Ratifizierung des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen seitens der Vereinigten Staaten verfolgen." Siehe Rede des US-Präsidenten Barack Obama in Prag am 5. April 2009 . Erstmals hat Obama auch die besondere Verantwortung der USA für die nukleare Abrüstung eingestanden, denn schließlich waren sie es, die das Atomwaffenzeitalter vor 64 Jahren einläuteten. Am 16. Juli 1945 zündeten die USA in der Wüstenregion "Jornada del Muerto" (Weg des Todes), nordöstlich von Alamogordo, im Bundesstaat New Mexico ihren ersten nuklearen Sprengsatz "Trinity".Siehe Truman und der Urknall des Atomwaffen-Zeitalters .

Um 5.29 Uhr und 45 Sekunden schloss sich der Stromkreis und eine atomare Kettenreaktion begann, die im Millionenbruchteil einer Sekunde eine ungeheure Energie freisetzte. Ein riesiger Feuerball begann sich über dem Wüstensand zu erheben. Mit Sonnenbrillen ausgerüstete Wissenschaftler und Militärs, die aus dem Versuchslabor Los Alamos und von weither angereist waren, verfolgten das Schauspiel aus Kilometer entfernten Beobachtungsständen. Nach der anfänglichen Euphorie über die gelungene Explosion, so berichtet der Experimentalphysiker Isidor Rabi, überlief sie ein Frösteln, das nicht von der Morgenkühle herrührte, denn langsam drang die Ahnung ins Bewusstsein, dass die Menschheit durch ihr Werk soeben einen Punkt der Entwicklung überschritten hatte, hinter den sie nie wieder würde zurückkehren können - die Fähigkeit zur Selbstvernichtung. Sie dachten, so bekannte der Kernphysiker Robert Oppenheimer, Vater der Bombe und technischer Leiter des "Manhattan"-Projekts, später, "… an dieses tiefe Gefühl der Schuld, das mit neuen Vermögen des Menschen einhergeht und seine Erkenntnis des Bösen widerspiegelt, und daran, wie lange er schon darum weiß. Wir wussten, dass es eine neue Welt war …" Es folgten insgesamt 2.177 Erprobungen immer neuer Sprengköpfe mit teilweise noch größerer Zerstörungskraft.

Verheerende Folgen

Für die Bewohner der betroffenen Testgebiete bedeuteten die Atomversuche oftmals den Strahlentod oder bis heute andauernde Schmerzen und Gesundheitsschäden. Viele Menschen erkrankten an Schilddrüsenkrebs und Leukämie. Sie leiden an genetischen Schäden, Erbkrankheiten und Schwächung der Immunsysteme. In den Testgebieten ist die natürliche Umwelt für Jahrzehnte radioaktiv verseucht. So kann beispielsweise die Pazifikinsel Bikini, Stätte zahlreicher US-amerikanischer Nukleartests, nach wissenschaftlichen Prognosen möglicherweise erst 2040 wieder bewohnt werden.Siehe Bikinis strahlender Jahrestag - Atomtestfolgen im Pazifik .

Die französische Regierung leugnete jahrzehntelang jegliche gesundheitliche Schädigung durch die Nukleartests. Erst in diesem Jahr legte sie einen Gesetzentwurf für die Entschädigung der Strahlenopfer vor, und auch dies nur für französische Militärangehörigen und Zivilpersonen. Ausgeschlossen bleiben weiterhin die Einheimischen, die während der Tests in der Sahara und in Polynesien lebten.

Verheerende Folgen gibt es auch in anderen Testgebieten. Beispielsweise ist die Krebsrate unter der Bevölkerung um das kasachische Semipalatinsk, dem Hauptversuchsgelände der Sowjetunion, 300 bis 400 Mal größer als anderswo.

Meldungen über nukleare Zwischenfälle und die gefährlichen Folgen atmosphärischer Atomwaffenversuche alarmierten bereits in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts nicht nur die Bevölkerung in den betroffenen Ländern. Warnend äußerten Wissenschaftler ihre Besorgnis über die genetischen Langzeitfolgen und klimatischen Auswirkungen erhöhter Radioaktivität. Der weltweiten Anti-Atomwaffenbewegung konnten sich auch die Regierungen nicht auf Dauer entziehen und im Jahre 1963 wurde der Teilteststoppvertrag unterzeichnet, der seither Kernwaffenversuche über der Erde, im Weltraum und unter Wasser verbietet.

Internationale Kontrollorganisation einsatzbereit

In Wien arbeitet die künftige Kontrollorganisation Comprehensive Test Ban Organization (CTBTO) Comprehensive Test Ban Organization (CTBTO) . bereits auf Hochtouren und hat ein Netzwerk von Beobachtungsposten entwickelt, das den gesamten Erdball lückenlos abdeckt. Rund zwei Drittel der Beobachtungsstationen arbeiten bereits. Ein bisher einmaliges Feldexperiment fand im vergangenen Jahr auf dem ehemaligen Testgebiet Semipalatinsk in Kasachstan statt: An einem Sommertag im August registrieren die CTBTO-Seismographen Wellen ominöser Erderschütterungen der Stärke Vier auf der nach oben offenen Richterskala, begleitet von der Freisetzung des radioaktiven Cäsium 137 im fiktiven Staat "Arcania". Dessen Regierung erklärt sie mit natürlichen Erdbeben, doch Nachbarstaat "Fiducia" vermutet einen heimlichen illegalen Atomwaffenversuch und verlangt von der Kontrollorganisation eine Untersuchung des Vorfalls. Gemeinsam mit 48 Kollegen reist Oberinspektor Wang Jun Anfang September nach Zentralasien. Unterstützt von rund 160 Helfern und ausgerüstet mit 50 Tonnen Hightech-Gerätschaften durchkämmen sie ein Gebiet von rund 1.000 Quadratkilometern nach vermeintlichen Spuren einer unterirdischen Nuklearexplosion. Drei Wochen lang verfahren die internationalen Kontrolleure buchstabengetreu nach dem speziell ausgehandelten "Handbuch" für Vor-Ort-Inspektionen. Am Ende erweist sich die Unschuld des Verdächtigen, aber trotz widriger Wetterbedingungen, unerwarteter technischer Herausforderungen und teilweiser Kooperationsverweigerung der "einheimischen Behörden" bewähren sich Akteure, Technik und Prozeduren des internationalen Kontrollverfahrens. "Ich hoffe, wir können diejenigen überzeugen, die immer noch Zweifel an der Kontrollierbarkeit des Vertrages haben", erklärt CTBTO-Generaldirektor Tibor Tóth den Zweck der Übung. "1999 war das System eine Blaupause", meint der Chef der Kontrollbehörde und in Anspielung auf das historische US-Atomwaffenprogramm, "heute kann ich es ein Kontroll-Manhattan-Projekt nennen."

Zweidrittelmehrheit gesucht

Es könnte sein, dass sich das lange Warten und die bisherigen Bemühungen in den USA doch noch auszahlen. Auch einflussreiche Republikaner wie Ex-Außenminister Henry Kissinger sind inzwischen für den Vertrag. "Das Klima ist anders, und das ist wichtig", urteilt der frühere demokratische Senator Sam Nunn. "Dass der Präsident dem höchste Priorität gegeben hat, heißt, dass es in der amerikanischen Öffentlichkeit viel mehr Aufmerksamkeit finden wird als beim letzten Mal."

Vizepräsident Joseph Biden, unterstützt vom Vorsitzenden des außenpolitischen Senatsausschusses John Kerry, leitet die Lobbyarbeit für den Teststopp im Kapitol. Dort sind die Demokraten in der Überzahl, aber für die erforderliche Zweidrittelmehrheit brauchen sie mindestens 8 Überläufer aus dem republikanischen Lager. Mit der Stimme von Senator Arlen Specter aus dem Bundesstaat Pennsylvania ist zu rechnen, da er bereits das letzte Mal positiv votierte. Aber die einflussreichen Senatoren John Kyl aus Arizona and Jeff Sessions aus Alabama gelten als die hartnäckigsten Widersacher. Wenn es jedoch gelingt, sie zu neutralisieren, dürften sich die Anstrengungen lohnen. Bei den moderaten Republikanern John McCain (Arizona), Richard Lugar (Indiana), Susan Collins und Olympia Snowe (Maine) und George Voinovich (Ohio) jedenfalls rechnen sich die Vertragsunterstützer gute Chancen aus. Bis zum kommenden Frühjahr, wenn die entscheidende Überprüfungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag stattfindet, soll die Ratifikation erfolgt sein.

Der Dominoeffekt

"Es gibt ein wichtiges Fenster der Möglichkeit und eine einmalige Chance", den Teststoppvertrag dem Inkrafttreten näher zu bringen, freut sich Frankreichs Chefkoordinatorin für die Konferenz Florence Mangin. Und auch ihr marokkanischer Kollege Omar Zniber meint: "Mehr als jemals zuvor ist die Zeit gekommen, das nukleare Nichtverbreitungsregime voranzubringen und konkrete Schritte der nuklearen Abrüstung zu erreichen." "Die Teilnahme der USA an der diesjährigen Konferenz wird die feste Entschlossenheit der Obama-Regierung bekräftigen, den Teststoppvertrag zu unterstützen und gemeinsam mit anderen Staaten eine gemeinsame diplomatische Strategie zu entwickeln, um das Inkrafttreten des Vertrages zu sichern", erklärt der Sprecher des Weißen Hauses Robert Gibbs. "Die Verpflichtung, das Versprechen zum Teststoppvertrag zu verwirklichen ist Teil der umfassenden Agenda des Präsidenten, die nukleare Verbreitung zu verhindern und das letztendliche Ziel einer atomwaffenfreien Welt anzustreben."

"Wenn die USA ratifizieren, wird China folgen", glaubt CTBTO-Experte Hans Lundborg aus Schweden, "und nach China eine ganze Anzahl weiterer Staaten." Behörden-Chef Tibor Tóth ist sich ebenfalls sicher: "Das Beispiel der USA wird entscheidend sein." "Wenn die USA ihr Versprechen halten, auf eine Ratifizierung des CTBT zu dringen, wird das als Katalysator für ein ähnliches Vorgehen anderer Länder wirken", erwartet der indonesische UN-Botschafter Marty Natalegawa. Sein Außenminister Hassan Wirayuda versprach sogar, wenn die USA ratifizieren, werde Indonesien unverzüglich nachziehen.

Auch Peking "verfolgt die Entwicklung in Washington genau", erklärte der chinesische Abrüstungsbeauftragte Cheng Jingye in New York. Sein Land unterstütze ein baldiges Inkrafttreten des Vertrags. Indien allerdings will erst Ergebnisse auf dem Weg zur Abschaffung von Atomwaffen sehen, bevor es sich auf ein Testverbot einlässt, wie sein Chefunterhändler Shyam Saran betonte. Doch Experten erwarten, dass eine Ratifizierung des Vertrags durch China auch den Dominostein Indien zum kippen brächte. Die Reaktion Pakistans wiederum "hängt sehr stark von der Position Indiens ab", erklärte dessen Botschafter bei der Genfer Abrüstungskonferenz Zamir Akram.

Israel hat angeblich den Vertrag nur noch nicht ratifiziert, weil es die USA nicht getan haben. Wenn das geschähe, würde Ägypten wahrscheinlich folgen. Sollten Iran und Nordkorea sich dann weiterhin einem Testverbot verweigern, müssten sie mit zunehmender Isolation und verstärktem internationalen Druck rechnen. Die kommende Zeit wird zeigen, ob der erhoffte Dominoeffekt wirklich eintritt. Ein Selbstläufer jedenfalls wird es nicht. Was der Vertrag nach der erfolgreichen Konferenz brauche, seien drei Dinge, meint Tibor Tóth: "Action, Action, Action!"

Bisherige Kernwaffenversuche

Land Anzahl Testgebiete
USA 1.146  New Mexico und Südpazifik, später Wüste von Nevada
UdSSR/Russland 715  Nowaja Semlja, Semipalatins
Frankreich 215  Sahara, später Polynesieninseln Moruroa und Fangataufa
China 45  Wüste Lop No
Großbritannien 44  Südpazifik, später Wüste von Nevada
Pakistan Chagai-Berge in Baluchistan
Indien Thar-Wüste von Rajasthan
KDVR In Hwaderi nahe Kilju in der nordöstlichen Provinz Hamkyong
gesamt 2.178   

 Quellen: Arms Control Association,
Bulletin of the Atomic Scientists


Chronik: Unfälle, Pannen und gefährliche Zwischenfälle bei Atomwaffentests

Datum Vorfall
19. Mai 1953 Die USA testen in der Wüste von Nevada die 32-kt-Bombe "Harry", die wegen des enormen Fallouts, den sie außerhalb des Testgeländes produzierte, später den Namen "Dirty Harry" ("Schmutziger Harry") bekommt. Winde tragen die radioaktive Wolke 220 km weit bis nach St. George im Bundesstaat Utah. Die Bewohner dort klagen über einen "seltsamen metallischen Geschmack in der Luft". Die United States Atomic Energy Commission fand später heraus, dass die Schilddrüsen der Kinder aus St. George Strahlungsdosen von 1,2 bis 4,4 Gray ausgesetzt waren.
1. März 1954 Auf dem Bikini-Atoll im Südpazifik unternehmen die USA den Wasserstoffbombentest "Bravo" mit einer Zerstörungskraft von 15 Megatonnen. Der unvorhergesehen nach Südost drehende Wind treibt die radioaktive Wolke direkt über die benachbarten Marshall-Inseln Rongelap, Rongerik und Utirik hinweg und fügte deren Bewohnern schmerzhafte Verbrennungen und Verstrahlungen zu. Auch die 23 ahnungslosen Matrosen, auf dem 150 km entfernten japanischen Fischerboot "Fukuryu Maru" - "Glücksdrachen" werden von dem atomaren Ascheregen heimgesucht. Zwölf Beatzungsmitglieder sterben danach an Lebererkrankungen oder Blutstörungen, und auch die übrigen Besatzungsmitglieder leiden bis an ihr Lebensende an den Folgen der radioaktiven Verseuchung.
7. März 1955 Nach der Explosion der Bombe "Turk" auf dem Testgelände in Nevada ändert sich unerwartet die Windrichtung und trägt den Fallout eines US-Testes nach Las Vegas, wo sie einen sogenannten "hot spot" bildet - eine Fläche, in der sich besonders viel Radioaktivität sammelt.
22. November 1955 Die Sowjetunion testet ihre erste Fusionswaffe. Die 1,6-Megatonnen-Bombe ist die erste Wasserstoffbombe, die von einem Flugzeug abgeworfen wird. Die Druckwelle ist stärker als angenommen, da es zu einer unerwarteten Brechung der Stoßwelle an der Atmosphäre kommt. Drei Menschen sterben.
28. April 1958 Britische Soldaten sitzen an Bord des Kriegsschiffes "Dunera", drei km von den Christmas-Islands entfernt, wo eine Atombombe der Testreihe "Grapple" detonieren soll. Dreimal passiert nach dem Countdown nichts. Als auch beim vierten Mal nichts geschieht, schauen einige Neugierige zur Küste. In diesem Moment erfolgt die Explosion - einige Soldaten erblinden.
26. Juli 1961 Auf der Johnston-Insel im pazifischen Ozean findet der US-Kernwaffentest "Bluegill Prime" statt. Der Versuch, eine Kernwaffe mit einer Thor Mittelstreckenrakete abzufeuern, scheitert. Die Rakete erleidet bereits bei der Zündung einen Fehlstart, sodass die Sicherheitseinrichtung die Zerstörung der Rakete auslöst. Die Abschusseinrichtungen werden dadurch schwer beschädigt und mit Plutonium kontaminiert. Die Tests können erst nach dreimonatigen Aufräum- und Dekontaminierungsarbeiten fortgesetzt werden.
13. März 1964 Erhöhter Jod-131-Gehalt tritt in der Milch kalifornischer Kühe auf. Er ist die Folge einer radioaktiven Wolke, die nach dem Test "Pike" über den US-Bundesstaat treibt.
2. Juli 1966 Die Explosion der französischen Bombe "Aldebaran" im Südpazifik ist stärker als erwartet und verseucht die Lagune des Moruroa-Atolls derart, dass kein dort gefangener Fisch mehr gegessen werden darf.
10. September 1966 Der französische Staatspräsident de Gaulle besteht auf einem Nukleartest den er vom Kriegsschiff "De Grasse" aus beobachten will, obwohl der Wind in Richtung der bewohnten Tuamotu- und Fidschi-Inseln weht.
8. Dezember 1968 Auf der "Nevada Test Site explodiert in 300 m Tiefe die Bombe "Banebury" und schleudert eine radioaktive Wolke in drei km Höhe. Zwei Helfer sterben später an Leukämie. Gefährlich hohe Dosen von Jod-131 werden in Nevada und Utah in den Schilddrüsen von Kühen, Schafen und Rehen gefunden. Die Wolke treibt bis nach Kanada, was gegen das Völkerrecht verstößt.
5. Juni 1975 Eine französische Testexplosion in 623 m Tiefe des Tuamotu-Atolls zerreißt den Betondeckel des Bohrlochs, aus dem Radioaktivität austritt.
25. Juli 1979 Eine französische Bombe, die in 1.000 m Tiefe des Moruroa-Atolls gezündet werden soll, verklemmt sich in 500 m Tiefe. Der Sprengsatz wird dennoch gezündet. Er verursacht eine Flutwelle, die sieben Menschen verletzt, und reißt einen 40 cm breiten und 2 km langen Riss ins Atoll.
Sommer 1981 Chinesischen Expertenberichten zufolge treten in der Umgebung des Testgebiets Lop Nor im Nordwesten Chinas ungewöhnlich viele Fälle von Lungen- und Hautkrebs auf.
14. April 1986 Bei einem horizontal angeordneten Atomwaffenversuch im Tal Rainier Mesa in Nevada schließen eingebaute Drucktüren nicht vorschriftsmäßig. Arbeiter und weite Teile des Tals werden verseucht.
Anfang August1987                Laut sowjetischen Angaben ist bei einem Nukleartest "eine bedeutende Menge Gas" ausgetreten. Es sei aber keine Radioaktivität entwichen. Norwegische, schwedische und deutsche Strahlenschutzbehörden messen demgegenüber erhöhte radioaktive Werte.
13. August 1987 Durch einen Atomwaffenversuch der USA wird ein Erdbeben der Stärke 5,7 auf der nach oben offenen Richterskala ausgelöst.  

 

 

Mehr zum Thema:

  • Obama besänftigt Habenichtse . Erstmals in der UN-Geschichte berät der Sicherheitsrat unter Vorsitz eines US-Präsidenten über Abrüstung und die Sicherheit von Staaten, die auf Atomwaffen verzichten, in: der Freitag, online, vom 24.09.2009.

Fußnoten

Veröffentlicht am

05. Oktober 2009

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