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Omid: Iran schießt ersten eigenen Satelliten ins All

Von Karl Grobe

Der Iran ist dem Satelliten-Club beigetreten. Am Montag schoss das Land erstmals einen Satelliten aus eigener Produktion in die Umlaufbahn - mittels einer gleichfalls selbstgebauten Trägerrakete. Damit hat Iran "die offizielle Anwesenheit der Islamischen Republik im All angemeldet", sagte Präsident Mahmud Ahmadinedschad am Dienstag in Teheran.

Den weniger als 50 Kilogramm schweren Satelliten namens Omid (Hoffnung) beförderte das mehrstufige Raketensystem Safir (Botschafter) in den Orbit. Er soll bis zu drei Monate im All bleiben und Daten sammeln. Er diene Forschungszwecken und der Telekommunikation, teilte der Leiter der iranischen Weltraumbehörde, Reza Taqipour, einem staatlichen Fernsehsender mit. Die gesammelten Daten sollen ein umfangreicheres Satellitenprogramm vorbereiten, das vom nächsten Jahr an der Früherkennung von Naturkatastrophen und der Verbesserung der Telekommunikation zugute kommen soll.

Teheran möchte außerdem spätestens 2021 einen Astronauten in die Umlaufbahn schicken, hieß es in dem Fernsehbericht weiter. Außenminister Manuchehr Mottaki erklärte bei einem Gipfel der Afrikanischen Union in Äthiopien, das Programm diene rein friedlichen Technologie-, Agrar- und Wirtschaftsprojekten. Der Omid-Satellit und seine Nachfolger dürften jedoch auch für die Weltraum-Spionage eingesetzt werden, wie das bei vergleichbaren Projekten anderer Staaten auch der Fall ist.

Eine militärische Weiterentwicklung ist zudem nicht ausgeschlossen, obwohl die Dimensionen des Umlaufkörpers darauf schließen lassen, dass die verwendete Trägerrakete kaum einen Sprengkopf befördern kann. Ein anderes Programm namens Shahab könnte jedoch diesem Ziel gewidmet sein.

Iran lancierte den Abschuss zwei Tage vor einem Treffen der Sechsergruppe, die die Teheraner Regierung von einem etwaigen Atomwaffenprogramm abbringen soll. Dieser gehören die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates sowie Deutschland an. Teheran hat - wie ein bisher nicht widerrufener Bericht der US-Geheimdienste urteilt - 2003 ein Atomrüstungsprogramm stillgelegt. Es hat jedoch die Arbeiten an der Uran-Anreicherung energisch vorangetrieben und besteht als Unterzeichner einschlägiger internationaler Verträge darauf, den kompletten Brennstoffkreislauf ausbauen zu dürfen, was ausschließlich zivilen Zwecken diene. Westliche Experten argwöhnen dennoch, dass insgeheim ein Waffenprogramm betrieben werde.

Den Omid-Start feierte Präsident Ahmadinedschad als "Schritt in Richtung Gerechtigkeit und Frieden". Kommentatoren verweisen darauf, dass der Start mit den Feiern zum 30. Jahrestag der Islamischen Revolution zusammenfällt. Ahmadinedschad dürfte sowohl die Feiern als auch den Satellitenstart im anstehenden Präsidentschaftswahlkampf für sich ausschlachten.

Unabhängig davon lässt das Weltraum-Unternehmen den Schluss zu, dass die technischen Wissenschaften im Iran auf hohem Niveau sind. Die Grundlagen dafür wurden in der Schah-Ära geschaffen, als Zehntausende Iraner im Ausland studierten.

 

Quelle: Frankfurter Rundschau vom 04.02.2009. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Karl Grobe.

Veröffentlicht am

04. Februar 2009

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