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US-Wahlen: Yes, he can

Mit Barack Obama stehen die USA am Beginn einer Zeitenwende

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Von Konrad Ege

Barack Obama! Obama! Obama! Er hat gewonnen. Reale, greifbare Hoffnung, dass nun etwas anderes möglich ist in den Vereinigten Staaten von Amerika. Die Arroganz des Mannes im Weißen Haus, gemischt mit seinem Sendungsbewusstsein und der Inkompetenz seiner Regierung, ist Geschichte. "Wandel kommt, weil das amerikanische Volk Wandel fordert - weil es sich erhebt und auf einer neuen Führung besteht, eine neue Politik für eine neue Zeit." Das sagte Barack Obama im August beim Wahlparteitag der Demokraten. Selbst Zyniker und Realisten, die sehr wohl verstehen, dass Obama trotz aller Rhetorik doch nur Politiker ist, wollen im Augenblick dieses epochalen Erfolges wenigstens eine Zeitlang glauben, dass Obama meint, was er sagt. Dass Amerika in Wirklichkeit viel besser sei als jenes Land, das George W. Bush hinterlässt.

So systematisch wie der community organizer aus Chicago hat wohl noch nie ein demokratischer Kandidat Wahlkampf geführt. Nach Schätzungen von Newsweek engagierten sich fünf Millionen Menschen als Wahlhelfer, im Kleinen und im Großen. 3,1 Millionen haben für Obama gespendet. Der richtete landesweit mehr als 700 Wahlbüros ein, doppelt so viele wie McCain. barackobama.com herrschte über johnmccain.com. Und Obama hatte Geld: Nach den Politikforschern vom Center for Responsive Politics rund 640 Millionen Dollar, 280 Millionen mehr als McCain. Dass die Demokraten, vermeintlich die Partei der Niedrigverdiener, so viel mehr Mittel hatten als die Republikaner, lässt aufhorchen. Die Spenden kamen nämlich nicht nur in Form kleiner Online-Überweisungen.

Politischer Wandel findet nicht ohne Bewusstseinswandel in der Elite statt. Die gesellschaftliche Veränderung, die im Wahlergebnis zum Ausdruck kommt, ist geprägt vom Finanzfiasko, das selbst Alan Greenspan erschüttert hat, den Präsidenten der US-Notenbank bis 2006 und Top-Evangelisten des unregulierten Marktes. Ein beachtlicher Teil der ökonomischen und politischen Elite der USA kehrt dem Modell Bush den Rücken, und hat das auch mit Spenden zum Ausdruck gebracht. Obama soll den Scherbenhaufen seines Vorgängers zusammenkehren, so wie seinerzeit Jimmy Carter nach Nixon, Ford und Vietnam.

Das Center for Responsive Politics hat mit Hilfe der bei der Wahlbehörde vorzulegenden Daten die Herkunft der Spenden analysiert. Anwälte und Lobbyisten schickten 37,1 Millionen für Obama und 10,8 Millionen für McCain. Gönner aus der Finanz-, Immobilien- und Versicherungswirtschaft überwiesen Obama 33,1 Million und McCain 26,3 Millionen, aus der Kommunikationsindustrie kamen 21,6 Millionen für Obama, für McCain 4,3 Millionen. Etwa 2.500 McCain-Spender klassifizierten sich als "chief executive" einer Firma, bei Obama waren es 6.000.

Der Kampf um Amerikas Zukunft ist am Wahltag nicht zu Ende gegangen. Der Wandel muss nun mit Inhalten gefüllt werden. Obamas Berater kommen wie Ex-Finanzminister Robert Rubin eher von der Wall Street als aus den Gewerkschaften. Sie scheinen der Meinung zu sein, der Staat müsse jetzt mit massiven Investitionen die Wirtschaft beleben, und sei es durch die vielen versprochenen "grünen Jobs". Dem Magazin Time sagte Obama im Sommer, Amerikaner ließen sich nicht von Ideologien leiten, sie seien pragmatisch. Er wolle bei der Suche nach Ministern "ein großes Netz auswerfen". Er wolle unbedingt auch Republikaner im Kabinett, so Obama kurz vor der Wahl. Im Gespräch sein soll Verteidigungsminister Robert Gates.

Noch am Wahlabend saß den Demokraten die Angst in den Knochen. Man hatte kein festes Vertrauen, dass die Stimmen richtig ausgezählt würden. Und vielleicht würden sich doch genug Wähler von McCains und Palins kaum verbrämten Appellen an die Angst vor Neuem und Anderem umstimmen lassen. Vielleicht würden die Lügen, Obama sei ein Muslim, gar kein Staatsbürger, er wolle sich mit Terroristen herumtreiben, doch noch einmal triumphieren. Die Wahl war insofern auch ein Test für die Macht eines ignoranten Patriotismus und intoleranten Christentums. Die Republikaner werden nach ihrer Niederlage um Identität kämpfen. Schon meldet sich der extremistische Flügel am lautesten zu Wort, der Colin Powell vertrieben hat und nun auf Totalopposition zu Obama gehen will.

Bei seiner Rede nach dem Triumph strich der künftige Präsident Balsam auf die Wunden. Die Wahl habe gezeigt, dass in Amerika alles möglich bleibe und die Träume der Gründer der Nation sehr wohl am Leben seien. Amerika habe der Welt eine Botschaft geschickt: Die Nation sei keine Ansammlung von Individuen, sondern "wir sind die Vereinigten Staaten von Amerika, und werden das immer sein". Amerika habe die Fähigkeit, sich zu wandeln; das sei das wirklich Geniale an den USA. Tatsächlich ist dieser Wahlsieg noch längst nicht der Wandel, er eröffnet lediglich die Chance, Wandel Realität werden zu lassen.

Quelle: FREITAG. Die Ost-West-Wochenzeitung   45 vom 06.11.2008. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Konrad Ege und des Verlags.

Veröffentlicht am

05. November 2008

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