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Meilenstein in der Geschichte der Friedensbewegung: Einwöchige Sitzblockade vor dem Atomwaffenlager in Großengstingen im Sommer 1982

Vor genau 30 Jahren fand bei Großengstingen auf der Schwäbischen Alb eine aufsehenerregende gewaltfreie Aktion statt. Vom 1. bis 8. August 1982 wurde unter dem Motto "Schwerter zu Pflugscharen" eine Woche lang das dortige Atomwaffenlager blockiert. Rund 750 Menschen beteiligten sich an dieser gewaltfreien Aktion, mehrere hundert von ihnen bekamen Strafbefehle, jahrelang folgten Gerichtsprozesse. Auf der Lebenshaus-Website haben wir vor 5 Jahren mit einer ausführlichen Dokumentation an diese außergewöhnliche Aktion erinnert. Auf diese Dokumentation soll anlässlich des 30. Jahrestages erneut aufmerksam gemacht werden.

1982 waren in der Engstinger Eberhard-Finckh-Kaserne die atomaren Kurzstreckenraketen Lance stationiert. Die dazugehörenden Atomsprengköpfe, jeder mit der doppelten Sprengkraft der Hiroshima-Bombe, waren im "Sondermunitionslager Golf" gelagert, das sich rund eineinhalb Kilometer von der Kaserne im Haider Gemeindewald befand.

Nach verschiedenen anderen Friedensaktivitäten begann nach gründlicher Planung und Vorbereitung am 1. August 1982 eine Sitzblockade auf der Zufahrtsstraße des Atomwaffenlagers, die erst eine Woche später, am 8. August 1982, wieder beendet wurde. Insgesamt beteiligten sich rund 750 Menschen an dieser Aktion. Nach den Festnahmen durch die Polizei und den Anzeigen wegen "Nötigung" wurden 365 Menschen mit einem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft überzogen. Jahrelang folgten Gerichtsprozesse am Amtsgericht Münsingen. Die Angeklagten wurden verurteilt. 1995 hat das Bundesverfassungsgericht dann entschieden, dass die Bestrafung von Blockadeaktionen vor Atomwaffenstellungen, also auch jener in Großengstingen, verfassungswidrig sei. Die Strafen wurden rückwirkend wieder aufgehoben.

In der Geschichte der Friedensbewegung hat die Großengstinger Blockadeaktion vom August 1982 einen Meilenstein dargestellt, der mit den Massenkundgebungen in Bonn am 10. Oktober 1981 und am 10. Juni 1982, der "Prominentenblockade" in Mutlangen oder der Menschenkette zwischen Stuttgart und Neu-Ulm vom Oktober 1983 vergleichbar ist. Damals wurde massenhaft gewaltfreier Widerstand gegen die "Nachrüstung" ausgeübt. Auf die weitere Entwicklung der Friedensbewegung hatte diese gewaltfreie Aktion eine große Wirkung.

Als die Bundeswehr nach der Überwindung des Ost-West-Konfliktes und im Zuge des vereinten Deutschlands Standorte zu schließen begann, stand Großengstingen gleich mit ganz oben auf der Streichungsliste. Als ein wesentliches Kriterium dafür wurden die zahlreichen Protestaktionen in den Jahren zuvor genannt. 1993 war dann endgültig Schluss mit dem Militärstandort Großengstingen.

Heute erinnert fast nichts mehr daran, dass in Großengstingen mehr als ein halbes Jahrhundert das Militär und über zehn Jahre die Friedensbewegung eine zentrale Rolle gespielt haben.

Auf der Website des Lebenshauses wird ausführlich an die gewaltfreie Blockadeaktion vom Sommer 1982 erinnert in Form von Texten, Bildern und Dokumenten. Mehr dazu:

25 Jahre: "Schwerter zu Pflugscharen" - Einwöchige Sitzblockade vor dem Atomwaffenlager in Großengstingen im Sommer 1982 .

Veröffentlicht am

01. August 2012

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