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An den Rändern bricht die Macht der Regierung ab

Warlords und Opiumbarone kämpfen um ihren Einfluss


Von Karl Grobe

Politiker und Volksvertreter in mehreren afghanischen Provinzen wenden sich von der Staatsgewalt ab. Neben den fortdauernden Bürgerkriegen gegen Taliban, Drogenbarone, regionale und lokale Warlords ist dies die größte Bedrohung der Zentralregierung unter Präsident Hamid Karsai.

Mitte Juli kündigten praktisch alle Mitglieder des Regionalparlaments von Parwan aus Protest gegen die Korruption ihren Rücktritt an. Regierungsstellen plünderten die Region aus und missachteten die Klagen der Bevölkerung, berichtet die Nachrichtenagentur Pajhwok. Provinz-Gouverneur Abdul Jabbar Taqwa erklärte, solche Beschwerden seien auch in anderen Provinzen verbreitet. Er werde sich um Abhilfe bemühen.

Drei Tage zuvor hatte das Innenministerium den Gouverneur der Provinz Kapisa abgesetzt, weil er untätig sei und Unfrieden stifte. Gouverneur Abdul Sattar Murad konterte, in Teilen Afghanistans bestehe ein Machtvakuum, für das die Regierung in Kabul verantwortlich sei.

Beide Provinzen liegen unmittelbar nördlich von Kabul. Seit dem Abzug der sowjetischen Truppen (1989) kämpfen hier Warlords, die mit der so genannten Nordallianz verbündet, oft aber auch untereinander verfeindet sind, gegen die Zentralregierung um den vorherrschenden Einfluss.

Die Nordallianz wird von Warlords geführt, die zur tadschikischen Minderheit gehören, der mit rund 27 Prozent zweitgrößten ethnischen Gruppe nach den Paschtunen. Unmut über die Zentralregierung breitet sich zudem in den von Usbeken bewohnten Nordregionen aus. Dort rüstet sich angeblich die Privatarmee des Abdul Raschid Dostum wieder mit Waffen aus, seit es zu Kämpfen mit Milizen von Provinzgouverneuren gekommen war.

Ein weiterer Warlord deutete zwar angeblich vor einigen Wochen an, er sei zu einem Waffenstillstand bereit, doch bezweifeln Experten diese Nachricht. Gulbuddin Hekmatyar, dessen Machtbasis in Zentralafghanistan liegt und dessen Hesb-e Islami (“Islampartei”) als stärkste Miliz gilt, hatte sich vorher ausdrücklich auf die Seite der El Kaida gestellt.

Ethnische und religiöse Unterschiede und die Rekrutierung von Terroristen sind nicht die Hauptursachen der Krise. Die Nahrungsmittelproduktion ist allein zwischen 2003 und 2004 um 43 Prozent gesunken, die Opiumproduktion um 17 Prozent gestiegen. Opium bringt zwölfmal mehr ein als Weizen. Die Opium-Barone unterhalten enge Geschäftsbeziehungen mit verschiedenen Warlords und kämpfen um Einflusszonen.

Quelle: Frankfurter Rundschau   vom 24.07.2007. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Karl Grobe.

Veröffentlicht am

24. Juli 2007

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