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Militarisierter Weltraum

Von Karl Grobe - Kommentar

Der Volksmund sagt nicht immer das Ganze. Der Satz “Alles Gute kommt von oben”, der für die regenbedürftige Landwirtschaft zweifellos Wahrheitswert hat, enthält nicht die Aussage, dass auch Ungutes von oben kommen könne. Die Satelliten auf Umlaufbahnen dienen nicht allein der weltweiten Information und Unterhaltung, von der Wetterbeobachtung bis zum absurden japanischen Abenteuer im Sumpfgelände. Sie sind für die Militärs wichtiger als für den zivilen Endverbraucher von Nachrichten und Späßen. Der erdnahe Weltraum ist militarisiert.

Er ist auch beinahe monopolisiert. Die USA sind fast allein im All. Ihre militärische Kommunikation ist ungestört, und über die Mittel, mögliche Störenfriede im Orbit abzuschalten und abzuschießen, verfügen sie auch. Die Anti-Satelliten-Abwehr, kurz Asat genannt, haben sie vor Jahrzehnten erprobt. Das gab den Planern die Zuversicht, per Satellit nicht nur metergenau die Erdoberfläche abzubilden, was nebenbei auch dem Normalbürger den friedlich googelnden Blick auf Nachbars Parkplatz möglich macht, sondern von dort oben auch unbeeinträchtigt alle Arten von Kommunikation zu betreiben.

Die Übermittlung von Befehlen und Informationen ist dabei das geringere Geschäft. Dass GPS, das globale Positionierungssystem, in seinem zivilen Ableger etwas unscharf, in seiner militärischen Abart hingegen um ein Vielfaches präziser funktioniert, hat sich herumgesprochen. Über Satelliten werden Marschflugkörper gelenkt; über Satelliten wird ausgeforscht, was die Konkurrenz und der mögliche Gegner betreibt; über Satelliten und wohl nur mit ihnen wäre ein Raketen-Abwehrsystem möglich, wenn es überhaupt technisch realisierbar ist. Und Satelliten helfen, lenkbare Raketen mit Megatonnen-“Nutzlast” ins Ziel zu steuern.

Die Raumstation, von der aus jeder Punkt auf der Oberfläche unseres Planeten zu kontrollieren und folglich zu beschießen wäre, ist Utopie. So grobschlächtig ist die erdnahe Region nicht aufgerüstet und wird es wohl nie. Sie ist subtiler vernetzt, und zwar unter anderem mit dem klassischen Instrument der maritimen Weltmacht. Als Britannien noch die Ozeane beherrschte, war Zeit genug für Flottenmanöver, deren Ziele von den Erkenntnissen bodenständiger Spione und Diplomaten, Admiralen mit Seekarten und Politikern mit Ambitionen festgelegt wurden. Und noch der Pazifik-Krieg wurde durch eher langsame Flugzeug-Aufklärung für die USA und gegen Japan entschieden; die Vernetzung von Luft- und Seemacht schuf Überlegenheit.

Die Seemacht, welche die Transportwege für Erdöl kontrolliert, den unverzichtbaren Energieträger für Volkswirtschaften und wiederum die bewaffneten Kräfte, ist jetzt auf schnellere Datenübermittlung angewiesen. Bewegungen, ob in die Gewässer um Taiwan oder in den Persischen Golf, sind sowohl für die Aktion als auch für die Reaktion auf satellitengestützte Übertragungswege angewiesen. Ohne sie ist die Flotte halb blind, zumal die militärtechnisch höchstentwickelte der Gegenwart, die der USA.

Deshalb hat die Bush-Regierung die Weltraumpolitik Ende vorigen Jahres zur Priorität für die nationale Sicherheit erklärt. Diese wird nicht durch die territorialen Grenzen der USA definiert; die Weltmacht hat weltweite Interessen, und um sie abzusichern ist das störungsfreie Funktionieren der entsprechenden Einrichtungen im erdnahen Weltraum dann unabdingbar. Geht es um die Anti-Raketen-Raketen, so gilt das erst recht.

Japan (wegen Nordkorea) wünscht eine solche Lenkwaffenabwehr. Sie würde freilich dem Nordkorea nahen Inselreich nur nützen, wenn sie durch Früherkennung von Abschüssen unterstützt ist. Dafür sind Satelliten nötig. Dies alles erklärt die japanisch-amerikanische Nervosität nach dem chinesischen Raumschuss. Der war allenfalls defensiv. Auch China kann nicht alle Satelliten ausschalten. Es gibt zu viele davon. Amerikanische.

Quelle: Frankfurter Rundschau   vom 29.01.2007. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Karl Grobe.

Veröffentlicht am

30. Januar 2007

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