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Japan: Kaltschnäuzig

Von Karl Grobe - Kommentar

Japan und die USA sind die einzigen Staaten, die sich zur westlichen Wertegemeinschaft bekennen, aber an der Todesstrafe festhalten und sie vollstrecken. Der japanische Justizminister hat am Weihnachtstag vier Verurteilte hinrichten lassen; sein Vorgänger hatte kein einziges Todesurteil bekräftigt und wollte damit ein Zeichen geben.

Hinrichtungen am Weihnachtstag lösen in christlich beeinflussten Ländern Empörung und Bedrückung aus. Japan gehört der so genannten abendländischen Tradition nicht an; doch auch in Japan ist die Kritik am Vollzug der Todesurteile laut. Sie wird von der parlamentarischen Opposition und von Menschenrechtsvereinigungen scharf artikuliert. Das ist ermutigend.

Menschenverachtend sind auch die Umstände. Ein jetzt erhängter 77-Jähriger ist vor 31 Jahren zum Tode verurteilt worden, vor 19 Jahren wurde das Urteil rechtskräftig. Seitdem hatte er - wie jeder Todeskandidat in jenem Land - keinen Kontakt zur Außenwelt, kein Recht auf Besuch, Korrespondenz und Rundgang im Gefängnishof, und der von staatlicher Hand zum Tode zu Befördernde erfährt den Tötungstermin erst Stunden vorher, seine Angehörigen erst nach Vollzug. Das bedeutete in dem genannten Fall 31 Jahre psychische Folter, in den anderen Fällen nicht viel weniger. Die staatliche Kaltschnäuzigkeit bei dieser Vorgehensweise ist so verachtenswürdig, wie die Todesstrafe selbst es ist.

Quelle: Frankfurter Rundschau   vom 27.12.2006. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Karl Grobe.

Veröffentlicht am

27. Dezember 2006

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