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Gazprom: Heiße Preise, kaltes Schweigen

Von Karl Grobe - Kommentar

Der russische Staat, vertreten durch Gazprom, treibt die Preise. Fünfzehn Prozent - ein schöner Batzen. Die deutschen Verteiler des teuren Gases beruhigen; wir haben ja langfristige Verträge. Die anderen kann’s allerdings treffen. “Höchst fatal, bemerkte Schlich, aber diesmal nicht für mich” (Wilhelm Busch).

Doch. Der Gas-Monopolist, der sich ins Ölgeschäft verzweigt und nebenbei Fußballclubs von Gelsenkirchen bis St. Petersburg subventioniert, ist einem Organ des Staates gleichzusetzen, einem Muskel, mit dem der Kreml spielen lässt. Er liefert Energie und verlangt einen Preis dafür. Nicht nur einen, der sich in Euro oder Dollar ausdrücken lässt; auch einen politischen. Die Energiepartnerschaft - Gazprom liefert, Westfirmen zahlen und liefern weiter an die Verbraucher - ist strategisch. Sie enthält die unausgesprochene Wohlverhaltens-Klausel. Weil da von gleich zu gleich ge- und verhandelt wird, ist es angemessen, über das zu schweigen, was ungleichen Partnern des putinistischen Staates geschieht. Wenn Belarus künftig fast den fünffachen Gaspreis zu entrichten hat, hat es eben Pech gehabt; höchst fatal. Präsident Alexander Lukaschenko ist ja auch kein angenehmer Zeitgenosse und hat selber zugegeben, die letzte Wahl gefälscht zu haben. Als der Ukraine vergangenen Winter die Ventile zugedreht wurden und schließlich eine dubiose Zwischenhandelsfirma das Gasgeschäft namens Gazprom monopolisieren konnte, hat uns das nicht lange beunruhigt. Wir haben Verträge.

Wir können auch anderswo einkaufen. Wirklich? Algerien kann Flüssiggas liefern, wofür hier zu Lande zwar noch keine Aufnahmetechnik vorhanden ist, aber es wäre eine Alternative. Wenn nicht Gazprom mit dem algerischen Kollegen Sonatrach vertraglich verbunden wäre.

Wer spricht da noch laut über Tschetschenien? Wer legt die alte Platte vom immer noch existierenden KGB/FSB auf? Wir nicht. Wir brauchen das Gas. Kalt wird es.

Quelle: Frankfurter Rundschau   vom 28.11.2006. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Karl Grobe.

Veröffentlicht am

28. November 2006

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