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Kims Fehler

Von Karl Grobe

Die Beweggründe nordkoreanischer Politik grenzen ans Unerforschliche. So lässt sich nicht beantworten, weshalb die Führung in Pjöngjang gerade jetzt einen Massenstart von Raketen aus den eigenen Qualitätswerkstätten - was nicht ironisch gemeint ist - vorgenommen hat. Die Vermutung, der unberechenbare Kim Jong Il habe dem Discovery-Start die Schau stehlen wollen, erklärt am wenigsten. Kim hat einen eigenen Fahrplan.

Dieser reicht allerdings nicht bis zum Zielbahnhof. Kim hat sich nicht in eine stärkere Position bei den Sechs-Mächte-Gesprächen über sein Atomprogramm katapultiert, sondern geradewegs ins Plenum des Sicherheitsrates. Der wird wohl so rasch keine Sanktionen beschließen (China setzt wie im iranischen Fall auf Diplomatie), aber er zieht das Verfahren an sich. Damit zerplatzt fürs Erste auch Pjöngjangs Wunsch nach direkten Gesprächen mit den USA. Ausgeschlossen ist fürs Erste wohl auch, dass ein Friedensbote aus Südkorea auf Nord-Reise geht oder ein Nord-Süd-Dialog nächste Woche in Busan eröffnet wird. Japan wird noch mehr blockieren als die Fähre aus Nordkorea, die jetzt vor dem japanischen Hafen Niigata ankern muss; es wird wohl auf längere Sicht keine Geldüberweisungen aus Tokio mehr geben.

Das mag Kim verschmerzen; er ist darauf nicht angewiesen. Dass er mit seiner Raketensalve Tokioter Militärfreunden auf die Sprünge hilft und dem Sicherheitsvertrag Japans mit den USA einen neuen Sinn gibt, dürfte ihm jedoch wehtun.

Quelle: Frankfurter Rundschau vom 06.07.2006. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Karl Grobe.

Veröffentlicht am

06. Juli 2006

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