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Dubiose Stiftung - Bayerns iranischer Gegner

Von Karl Grobe


Der FC Bayern spielt am Freitag in Teheran, und Ali Karimi freut sich. Der 27 Jahre alte iranische Mittelfeldspieler darf gegen seinen ehemaligen Verein antreten - Persepolis - und rechnet mit 100.000 Zuschauern. Er weiß: fußballverrückt sind seine Landsleute. Er meint auch, wie dpa ihn aus dem Trainingslager in Dubai zitiert, man solle den Sport von der Politik “hundertprozentig trennen”. Die ist aber im Spiel, seit die unsäglichen Ausfälle des iranischen Präsidenten Mahmud Achmadinedschad die Forderung mancher Politiker zur Folge hatten, Iran von der WM 2006 in Deutschland auszuschließen. “Ich habe die Diskussion mitbekommen und war nicht froh darüber”, sagt Karimi. Froh sei er hingegen, “dass die Fifa auch die Meinung vertreten hat, Politik und Sport voneinander zu trennen”. Auch Manager Uli Hoeneß meint ja, mit Boykott habe man “Probleme noch nie gelöst”. Wenn es so einfach wäre.

Wer ist der Gastgeber des FC Bayern? Der Traditionsklub Persepolis ist 1343 gegründet worden - nach iranischer Zeitrechnung; in Deutschland war es das Jahr 1964 - und entwickelte sich noch deutlicher zum Abonnementsmeister als die Bayern. Nach der Islamischen Revolution 1979 ging der Verein in den Besitz des Bergbau- und Metallministeriums über und erhielt einen neuen Namen: Pirouz (Sieg). Den einzigen ernsthaften Rivalen, Taj (Krone), taufte man um in Enghelab (Unabhängigkeit). Die “Unabhängigen” stehen derzeit nach der ersten Halbserie mit 33 Punkten auf Platz eins der iranischen Liga. Persepolis - der alte Name hat sich zuerst unter Teheraner Sportjournalisten und dann auch allgemein wieder durchgesetzt - kraucht im Mittelfeld herum. Mit ausgeglichener Bilanz - wie Hannover 96.

Einst im Korruptionssumpf

Das ist die unpolitische Seite. Die politische fängt dort an, wo Persepolis fast am Ende war, vor sechs Jahren. Die Schwierigkeit war nicht so sehr, dass es nur zu Platz drei gereicht hatte. Es klemmte bei den Finanzen. Neun Spieler, darunter der auch der Bundesliga bekannte Ali Daei, waren in Ungnade gefallen, der Neuaufbau kostete, einige Funktionäre saßen so tief im Korruptionssumpf, dass die Missstände nicht mehr zu verheimlichen waren. Das Ministerium stieß den Klub ab. “Ohne staatliche Unterstützung können wir nicht weitermachen”, sagte Klub-Präsident Mahmud Chordebin damals.

Neuer Inhaber sei die Pahlewi-Stiftung, schrieb AFP. Pahlewi-Stiftung? Eine Stiftung unter dem Namen des 1979 verjagten Schahs? Es war ein Hinweis auf die Historie. Die Staats-Nachrichtenagentur Irna nannte den Namen nicht. Sie beschrieb die Stiftung als eine “vom Staat gelenkte Stiftung für Unterprivilegierte und zugleich islamische Propaganda-Organisation”. Ihr Vermögen wird auf gut zehn Milliarden Euro veranschlagt,und sie gilt als recht korrupt. Die Organisation übernahm das Erbe der Pahlewi-Stiftung - die vor 1979 mittels Zwang und Korruption die iranische Wirtschaft weitgehend beherrscht hatte. Geführt wird die Stiftung seitdem von den Bassidsch, der radikalen Jugend- und Massenorganisation, die den fanatischeren Teil der Anhänger von Präsident Achmadinedschad mobilisiert. Sie ist Teil des extremen Flügels im System.

Die Anhänger sind dies aber ausdrücklich nicht. Ihre roten Stirnbänder und Fahnen gelten den Mullahs als verdächtig. Fußball, meinen die Geistlichen, verderbe den Charakter der Jugend, lenke von der Revolution ab und fördere die Sittenlosigkeit. Es kommt vor, dass sogar Frauen zuschauen; und nach den großen Spielen steigen Freuden- und Verbrüderungsfeiern, die man nicht mehr kontrollieren kann.

Das wäre ein Argument für Uli Hoeneß. Aber der weiß es wohl gar nicht - und demokratischer Revolutionär ist er auch nicht.

Quelle: Frankfurter Rundschau vom 10.01.2006. Wir veröffentlichen den Artikel mit freundlicher Genehmigung von Karl Grobe.

Veröffentlicht am

10. Januar 2006

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