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Die Rückkehr der Sklaverei

Von Andrea Noll - ZNet Kommentar 23.09.2005

Man sagt, die Prostitution sei das älteste Gewerbe der Welt. Falsch, die Sklaverei ist das älteste Gewerbe.

Zu Beginn des neuen Jahrtausends gibt es weltweit mehr Sklavinnen und Sklaven, als in den vergangenen Jahrhunderten aus Afrika verschleppt wurden. Neben traditionellen Formen der Versklavung, wie wir sie zum Beispiel im Sudan sehen, ist die Schuldknechtschaft das bekannteste Phänomen. Die Menschen werden gezwungen, (fast) ohne Entlohnung zu arbeiten - in der Landwirtschaft, in Ziegeleien, Fabriken, Steinbrüchen etc.. Allein in Südasien gibt es zwischen 15 und 20 Millionen Schuldsklaven - Erwachsene und Kinder.

Inzwischen erobert die Sklaverei immer neue Reviere - Tourismus, Sextourismus, Trafficking, Haushaltssklaverei. Auch die Arbeitsplätze in den Maquiladoras-Sweatshops unserer globalisierten Wirtschaft sind nichts anderes als moderne Sklaverei. Besonders boomt der Sklavenmarkt in den verarmten Staaten Lateinamerikas. Die neoliberale Globalisierung, mit ihren Verwerfungen, hat hier ganze Arbeit geleistet. Die (durch die Vorgaben des Internationalen Währungsfonds, durch Wirtschaftskrisen und korrupte, US-hörige Regierungen) destabilisierten Länder Mittel- und Südamerikas haben der maximalen Exploitation der ‘human resource’ häufig kaum etwas entgegenzusetzen.

Nachruf auf Schwester Dorothy Stang

Schwester Dorothy starb, wie sie gelebt hatte - mit der Bibel in der Hand. Am 12. Februar 2005 war die amerikanische Nonne mit brasilianischem Pass zusammen mit einem Begleiter zu einem Treffen für nachhaltige Landwirtschaft aufgebrochen. 50 km vor der Stadt Anapu, im Bundesstaat Para, stellten sich ihnen mehrere angeheuerte Revolvermänner in den Weg. Die 74jährige Nonne beteuerte, sie sei unbewaffnet. Zum Beweis zog sie ihre Bibel hervor und begann, darin zu lesen: “Das ist meine Waffe”. Die Pistoleros erschossen Schwester Dorothy mit sechs Kugeln in Kopf und Brust. Das Foto ihres leblosen Körpers auf einer Waldlichtung ging um die Welt.

Schwester Dorothy lebte 37 Jahre in Brasilien. Sie setzte sich für die Rechte der landlosen Bauern ein, arbeitete an vorderster Front in Umweltschutz-, Friedens-, Bürgerrechts- und Frauenrechtsbewegungen mit. Aus Protest gegen den Irakkrieg hatte die Amerikanerin die brasilianische Staatsbürgerschaft angenommen. 1976 wirkte Schwester Dorothy aktiv bei der Gründung der Landarbeiterpastoral (CPT) von Para mit - einer Organisation, die sich die Rechte der Landarbeiter und landlosen Bauern und die sogenannte “Landreform” zur Aufgabe gemacht hat. Bis zuletzt war sie als regionale Leiterin für CPT tätig.

Weniger als eine Woche vor ihrem gewaltsamen Tod hatte Schwester Dorothy den brasilianischen Menschenrechtsbehörden von Drohungen gegen Neusiedler berichtet. Großgrundbesitzer und die Holzfällerfirmen setzten sie unter Druck, ihr Land zu verlassen. Auf die Drohungen gegen sie selbst angesprochen, sagte Schwester Dorothy einmal: “Ich möchte nicht fliehen oder den Kampf mit den Bauern, die ohne jeden Schutz hier im Wald leben, aufgeben. Sie haben das heilige Recht auf ein besseres Leben auf diesem Land, wo sie in Würde leben und arbeiten können - mit Respekt für die Umwelt”.

Im Juni 2004 hatte der Bundesstaat Para Schwester Dorothy für ihre Arbeit mit dem Preis “Women of the Year” ausgezeichnet - eine von mehreren Auszeichnungen, die Schwester Dorothy für ihre Arbeit erhielt. Der Kampf für den Erhalt des Regenwaldes im Amazonasgebiet und für die Würde der Kleinbauern stehen im Mittelpunkt ihres Lebenswerkes. Schwester Dorothy trug häufig ein T-Shirt, auf dem auf Brasilianisch stand: “Der Tod des Waldes bedeutet das Ende unseres Lebens”.

Um zu begreifen, was Schwester Dorothys Tod mit dem Thema ‘moderne Sklaverei’ zu tun hat, muss man sich die Region um Anapu, im brasilianischen Bundesstaat Para, genauer ansehen. Anapu - das ist boomtown at its worst. Innerhalb der letzten fünf Jahre hat sich die Einwohnerzahl der Stadt an der Transamazonica auf 30.000 verdreifacht. Wo früher zwei Sägewerke standen, sind es jetzt 25. Ein einziger gefällter Baumriese bringt bis zu 5.000 Euro Gewinn. Der Raubbau durch die Holzfirmen schreitet daher scheinbar unaufhaltsam voran. Kleinbauernorganisationen, die mächtige Landlosenbewegung MST, Umweltgruppen und die Kirche stellen sich diesem Raubbau auf Kosten des Weltklimas vehement entgegen.

In den letzten Jahrzehnten war es immer wieder gelungen, dem brasilianischen Staat Projekte für nachhaltige Entwicklung abzutrotzen. So wurden mit Unterstützung der Regierung 600 Familien in Anapu angesiedelt, die den Regenwald nutzen, ohne ihn zu zerstören - durch Vermarktung von Fischen und einheimischen Früchten.

Andererseits flossen staatliche Millionenkredite an Firmen, die die Region nach typischem Muster “entwickeln”: Zunächst übernimmt eine Holzmafia die Abholzung des Tropenwaldes und die Vertreibung der Kleinpächter, die daraufhin landlos werden. Häufig kommen bei den großflächigen Rodungen Sklaven zum Einsatz. Kleinbauern und Indios werden gekidnappt oder mit Jobangeboten gelockt - und anschließend zu Zwangsarbeit ohne Lohn gezwungen. Wer zu fliehen versucht, wird in manchen Fällen sogar ermordet, sein Körper an die Organmafia verkauft. Ist das Land gerodet, überziehen große Rinderherden die Ebenen. Auch die Großgrundbesitzer kidnappen Männer und zwingen sie zur Sklavenarbeit. Der Fleischexport, vor allem nach Europa, boomt. Der dritte Schritt, der Anapu noch bevorsteht, ist die Umwandlung der Weiden in weitflächige, hochmechanisierte Sojaplantagen.

Auch unter der Präsidentschaft von Luiz Ignazio Lula hat sich an diesen Verhältnissen nichts geändert. Positive Ansätze scheitern an zu knappen Mitteln und einer korrupten Bürokratie, die Landreform bleibt in ihren Ansätzen stecken, den Sklavenhaltern - ob Holzmafia oder Großgrundbesitzern - drohen, wenn überhaupt, nur marginale Geldstrafen. Auch die Regierung Lula räumt dem Agrobusiness Priorität ein und treibt die Staudammprojekte in der Amazonasregion voran. Die Zahl der Sklaven, allein in Brasilien, liegt bei rund 30.000. Im Jahr 2004 wurden in Brasilien 23.000 Quadratkilometer Regenwald zerstört, die größte jährliche Fläche seit 20 Jahren. “Greenpeace Brasilien hat gerade ermittelt, dass allein von sieben Maklerfirmen im Internet 11 Millionen Hektar Land in Amazonien angeboten werden.” 1 Die maximale Exploitation des Menschen - in Brasilien geht sie Hand in Hand mit der maximalen Exploitation der natürlichen Ressourcen.

Sklaverei in Europa

“Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden; Sklaverei und Sklavenhandel in allen ihren Formen sind verboten”, Artikel 4 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, Resolutiion 217A (III) der UN-Generalversammlung vom 10. Dezember 1948.

Als Phänomen entstanden nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und der sozialistischen Regime in Jugoslawien, Rumänien und Albanien hat der osteuropäische Menschenhandel inzwischen das Ausmaß einer Epidemie erreicht. Der diesjährige Bericht der IOM (Internationale Organisation für Migration) dokumentiert das Schicksal von 6255 Opfern, die zwischen 2000 und 2004 verschleppt wurden. “Diese 6000 Opfer bilden nur die Spitze des Eisbergs”, schreibt der Autor des Berichts, Richard Danziger. 2 Nach Schätzungen der Organisation gab es allein in Europa über 200.000 Verschleppte in diesem Zeitraum. Auffällig vor allem, dass nicht mehr nur Frauen (Prostitution) und Kinder (sexueller Missbrauch oder Diebstahl (sogenannte “Klaukinder”) Opfer von Menschenhändlern werden, sondern in zunehmendem Maße auch Männer.

In Albanien seien inzwischen 70% der Opfer männlich, so der Bericht. Aber auch in den Balkan würden Menschen verschleppt - die meisten aus der Ukraine. Auch Menschen aus China, dem Irak, Georgien, der Mongolei, dem Libanon, Armenien oder Usbekistan geraten vermehrt in die Fänge der Schleusermafia (Trafficking), die ihre Opfer über offizielle Grenzen und mit einwandfreien Papieren einschleusen, um sie der Zwangsarbeit, gewerbsmäßigen Bettelei und/oder dem sexuellen Missbrauch zuzuführen. (Soviel zu jenen, die Fischers “Visaaffäre” immer noch als Kavaliersdelikt ansehen.) Weil sie sich bei den Schleusern über sogenannte “Schleuserdarlehen” verschuldeten, sehen sich viele Eingeschleuste, im Zielland angekommen, zu nichtselbstbestimmter, gefährlicher, entwürdigender und unterbezahlter Arbeit genötigt.

Schuld am Phänomen des modernen Menschenhandels haben viele Faktoren. Zu den wichtigsten zählen: der wirtschaftliche Zusammenbruch Ost- und Südosteuropas, die Balkankriege und die weltweite Armutsmigration als Folge der neoliberalen Globalisierung. Die Verschärfung der Einwanderungspolitik der EU-Mitgliedsstaaten hat die Situation der gefährdeten Personengruppen weiter verschlimmert. Seit Jahren gibt es Ansätze im Europarat, die EU-Mitgliedsländer und internationale Organisationen zur notwendigen Zusammenarbeit im Kampf gegen den Menschenhandel aufzurufen. Der Europarat hat die Ausarbeitung einer entsprechenden europäischen Konvention zum Schutze gegen Menschenhandel forciert. Vor wenigen Monaten unterzeichnet, dürfte die neue Konvention allerdings wieder als Papiertiger enden ( Council of Europe Convention on Action against Trafficking in Human Beings )

Das Europa der zunehmend offenen Dienstleistungsgrenzen lässt einen Sklavenhalter-Sumpf der organisierten Kriminalität entstehen, der bis in scheinbar kreuzbiedere inländische Branchen hineinreicht - wie nicht zuletzt der Skandal um die Billiglohnschlachter aus Osteuropa zeigt.

Ein ‘Zeit’-Artikel von Marcus Rohwetter aus dem Jahr 2004 schildert die Methoden der “Schlachthofmafia” - denen 2005 zwar ein vorläufiger Riegel vorgeschoben wurde, aber die Deregulierung des europäischen Arbeitsmarktes geht weiter, und die Bolkestein-Richtlinie wird in anderer Form wiederauferstehen. Unter anderem geht es in dem ‘Zeit’-Artikel um einen westfälischen Fleischermeister, gegen den die Staatsanwaltschaft Oldenburg 2004 Anklage erhob. “Er ist wohl nicht der Einzige, der sich unangenehme Fragen nach den Arbeitspraktiken der (deutschen) Fleischindustrie gefallen lassen muss. ‘Das ist in der Branche weit verbreitet…’”, sagt der Betriebsrat eines großen Fleischkonzerns. Franz-Josef Möllenberg, der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) spricht von ‘Lohnsklaverei im großen Stil’”.

Das Ganze funktioniert so: Es gab “Abkommen mit komplizierten Namen - eines davon ist die ‘Vereinbarung zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung von Rumänien über die Entsendung rumänischer Arbeitnehmer aus in Rumänien ansässigen Unternehmen zur Beschäftigung auf der Grundlage von Werkverträgen’. Ähnliche Verträge existieren auch mit anderen osteuropäischen Ländern. Deren Inhalt ist vergleichbar: Osteuropäer dürfen in Deutschland nicht arbeiten - es sei denn als Angestellte eines osteuropäischen Unternehmens. Dann können sie als so genannte Werkvertragsarbeiter in deutsche Betriebe geschickt werden, bleiben aber Angestellte ihres Heimatunternehmens. Deutsche Schlachthöfe schließen lediglich Verträge mit diesen Unternehmen… Das Problem sind die Unternehmen in den Heimatländern. ‘Unsere Recherchen in Osteuropa haben ergeben, dass diese Unternehmen in vielen Fällen reine Anwerbebüros sind..’ sagt Reimar Ohström, Teamleiter Finanzkontrolle Schwarzarbeit beim Hauptzollamt Münster. Er kennt die Tricks der Schleuser. Deswegen glaubt er auch nicht, wenn auf einem Zettel steht, dass die Schlachter aus dem Osten den zugesicherten Mindestlohn von etwa 7,5 Euro die Stunden bekommen. … ‘Einige Rumänen waren in einem Haus zusammengepfercht, das mit Kakerlaken regelrecht verseucht war’”.

“Wenn ihre Geschichte stimmt, dann waren sie einfach nicht billig genug. Dann wurden sie geschlagen, sodass einige von ihnen ins Krankenhaus mussten…. Und das alles, weil sie den versprochenen Lohn forderten für ihre harte Arbeit auf einem deutschen Schlachthof” - angeheuert mit Scheinarbeitsverträgen und Scheinlohnvereinbarungen. Der ‘Zeit’-Artikel zitiert Gewerkschaftschef Möllenberg von der NGG: Das sei “gewerbsmäßiger Menschenhandel, wie man ihn bislang nur im Fall von eingeschleusten Prostituierten kannte.” ( “Und bist du nicht billig” , Markus Rohwetter, ‘Die Zeit’ 16/2004) Unter kasernierten Verhältnissen und für Hungerlöhne wurden diese Menschen aus Osteuropa zur Schwerstarbeit gezwungen - unter deutschen Dächern.

Sklavenhandel ist das älteste Gewerbe der Welt, stimmt, aber die Prostitution ist eine Unterbranche dieses Menschenrechtsverbrechens. Die meisten Sklaven Deutschlands sind weiblich und als Zwangsprostituierte ausgebeutet. Wer sich für deren Schicksal interessiert, kann sich beispielsweise auf den Seiten von ‘Solwodi - Solidarität mit Frauen in Not’ - informieren. 3 Eine Notiz im ‘Spiegel’ lässt Böses ahnen: “Der Kampf gegen den islamistischen Terrorismus geht zunehmend zu Lasten der Bekämpfung der Organisierten Kriminalität (OK). So sank die Zahl der OK-Verfahren in Deutschland nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den vergangenen fünf Jahren von 854 kontinuierlich auf 620… Ein Grund: An den Dienststellen wurde Personal abgezogen, das nun bei der Terrorismusbekämpfung eingesetzt wird… Die Abschöpfung illegaler Gewinne nimmt dadurch ab, immer mehr Täter kommen unerkannt davon. ‘Die Organisierte Kriminalität mit ihren enormen volkswirtschaftlichen Schäden ist aus dem Blickwinkel der Politik geraten’, kritisiert Konrad Freiberg von der Gewerkschaft der Polizei. Die Schwerpunkte der erkannten OK liegen nach wie vor im Rauschgifthandel…. und (der) Schleuserkriminalität.” (‘Der Spiegel’ vom 17.9.2005, S.18)

Lohnsklaverei - Arbeitsmarktideal der neuen un-sozialen Marktwirtschaft?

“In der Stadt Aachen ist eine Fabrik, in welcher nichts als Nähnadeln gemacht werden. Das ist keine brotlose Kunst. Das Werk geht durch Maschinen, und die meisten Arbeiter sind Kinder von acht bis zehn Jahren. Ein Fremder besichtigte einst diese Arbeiten und wunderte sich, dass es möglich sei, in die allerfeinsten Nadeln mit einem noch feinern Instrument ein Loch zu stechen, durch welches nur der allerfeinste, fast unsichtbare Faden kann gezogen werden. Aber ein Mägdlein, welchem der Fremde eben zuschaute, zog sich hierauf ein langes Haar aus dem Kopfe, stach mit einer der feinsten Nadeln ein Loch dadurch, nahm das eine Ende des Haares, bog es um und zog es durch die Öffnung zu einer artigen Schleife oder, wie man’s sonst nennt, Schlupf oder Letsch…. Das Mägdlein bot dieses künstlich geschlungene Haar dem Fremden zum Andenken und bekam dafür ein artiges Geschenk… Solch ein kleiner Nebenverdienst ist einem fleißigen Kinde wohl zu gönnen. Aber während ehrliche Eltern und Kinder aller Orten etwas Nützliches arbeiten und ihr Brot mit Ehren verdienen und mit gutem Gewissen essen, zog zu seiner Zeit ein Tagdieb durch die Welt…” So beginnt eine jener erbaulichen Kalendergeschichten des großen alemannischen Volksdichters Johann Peter Hebel (1760 - 1826), in der er das Loblied der Kinderarbeit singt. 4

Wird Kinderarbeit eines Tages in Deutschland wieder salonfähig? Wird Leibeigenschaft wieder so selbstverständlich wie vor der Bauernbefreiung und die Rechtlosigkeit der deutschen Arbeiter so total wie im 19. Jahrhundert? Vieles spricht dafür, dass die Sklaverei das eigentliche Ideal des globalen Unternehmertums ist. Der Kreuzzug zum Abbau von über die Jahrhunderte erkämpften Arbeitnehmerrechten - eine gemeinsame PPP-Aufgabe von Großunternehmen und Administrationen - hat auch in Deutschland längst begonnen und gewinnt an Boden: Schwächung der Gewerkschaftsmacht, Aushöhlung des Tarifrechts und der Tarifautonomie, Förderung von Minijobs und ungesicherten Jobverhältnissen und neuerdings die (angestrebte) Einführung von “Kombilöhnen” (nichts anderes als staatlich subventionierte Hungerlöhne), das sind gezielte, koordinierte Maßnahmen zur Erzeugung eines Dritten Standes - unterprivilegiert, unterversichert und ohne Existenz absicherndes Einkommen - der gegen die europäische Arbeitnehmerschaft in Stellung gebracht wird. Die geplante EU-Verfassung setzt dem nichts entgegen - im Gegenteil. Billigdiscounter, gewerkschaftsfreie Betriebe, das Tourismus- und Gaststättengewerbe sind die Sklavenplantagen unserer Zeit, Zeitarbeitsfirmen moderne Sklavengaleeren.

Anmerkungen:

1 Gewalt und Hoffnung in Amazonien von Thomas Fatheuer

2 www.swisspolitics.org (Zusammenfassung) und www.iom.int

3 www.solwodi.de

4 ‘Brotlose Kunst’, Johann Peter Hebel (aus: Schatzkätzlein des Rheinischen Hausfreundes)

Quelle: ZNet Deutschland vom 23.09.2005.

Veröffentlicht am

24. September 2005

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