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“Höre Israel!” - Höre Europa!

Von Ellen Rohlfs

Ein palästinensisches Dorf wurde zerstört - nicht 1948 - nicht 1967
Nicht im Laufe kriegerischer Auseinandersetzungen.
Kein Rachefeldzug - keine Vergeltung
Es war am 5. Juli 2005 - es herrschte Waffenstillstand.
Alle Welt lauscht den unüberhörbaren Vorbereitungen
des Rückzugs im Gazastreifen -
Keiner schaut ins ferne, stille und heiße Jordantal.
Und nur ein Fetzen Papier mit einer Notiz des Militärs,
an eine Hauswand gepinnt, kündigte an:
“Die Häuser von Tana werden demoliert” -
sie seien ohne israelische Genehmigung gebaut.
Die Bewohner, Bauern und Hirten, kannten niemand,
den sie um Rat und Hilfe bitten konnten.
So geschah das Verbrechen ohne Zeugen; “Simon, der Kameramann, 1
Sieht” nicht, “die Planierraupen die letzten Trümmer der Araberhäuser zermalmen”.
Es geht ohne Protest Internationaler - ungehindert und ohne Störung.
Ja, alles ging sehr schnell über die Bühne:

Israelisches Militär demolierte die Wohnstätten
von etwa hundert Familien,
die seit Jahrhunderten hier am Rande des Jordangrabens,
vor allem in Höhlen leben, in einer Gegend
die in heiligen Büchern schon vor 3500 Jahren genannt wurde.
Die Schule, vor 6 Jahren gebaut, wurde auch zerstört.
Haben Kinder der “einzigen Demokratie in Nahost” nicht ein Recht auf Bildung?
Nur die Moschee - Jahrhunderte alt - blieb stehen.
Welch Pietät! ?
Auch die Autos wurden zerstört - warum wohl?
Waren auch sie ohne Genehmigung gebaut?

Soll hier vielleicht die östliche Route der Apartheidmauer verlaufen,
um das palästinensische Gefängnis auch nach Osten abzuschotten -
verbunden mit großflächigem Landraub: das westliche Jordantal.
Hier geschieht ethnische Säuberung - und keiner merkt’s -
Keiner hört die entsetzten Schreie der Mütter, das leise Wimmern der Kinder,
keiner sieht die vor Schreck erstarrten Blicke der hilflosen Männer -
bis jetzt war keiner “Terrorist”.
Wurde jetzt nicht unendlicher Hass, Wut und Zorn gesät?

Vielleicht wundern sich Europäer in 5, 10 oder 20 Jahren und fragen,
warum und wieso sich ein Araber in der U-Bahn in die Luft sprengt
und Unschuldige mit in den Tod reißt.
In Tana wurde 100 unschuldigen, armen Familien die Lebensgrundlage genommen.
Und in Ost-Jerusalem stehen heute 88 und 12 weitere Häuser 1 neu auf der Abrissliste.
Und keiner fragt hier, warum?
Höre, Europa, höre doch!

——-
Ellen Rohlfs hat diesen Text geschrieben nach einem Bericht der UN, von International Solidarity Movement (ISM) und in Anlehnung an Erich Frieds “Höre Israel”, (Bezwinger der Wüste).

Anmerkung:

1 In Silwan und 8 Orten am Rande Ostjerusalems (Machsom Watch)

Veröffentlicht am

24. Juli 2005

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