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Der rohe Konfliktstoff

“Kein Blut für Öl”, skandierten Gegner des Golf-Kriegs schon 1991. Und doch wird die Liste der Konflikte, die um die Verteilung des Schwarzen Goldes geführt werden, immer länger.

Analyse von Karl Grobe

“Mir soll keiner erzählen, dass Amerika in Irak einmarschiert wäre, wenn dessen Hauptexportprodukt Zuckerrüben wären”, kommentierte Robert Fisk vom Independent. Benzin ist wichtiger als Rübenzucker, Erdöl ein plausiblerer Kriegsgrund als die besagte Hackfrucht.

Schon Iraks Grenzen haben mit Öl zu tun. Im Ersten Weltkrieg hatten sich Paris und London im Sykes-Picot-Abkommen auf eine Teilung des damals osmanischen Territoriums verständigt: Frankreich sollte im Norden eine Zone vom Mittelmeer bis zur iranischen Grenze haben, Großbritannien den Süden von Palästina bis zum Golf.

London kämpfte aber um den Nordosten, das Wilajet Mossul, ließ Stellvertreterkriege führen und Fakten schaffen. Am Ende handelte, nach drei Jahren nur halb verdeckten Krieges, der Armenier Sarkis Gulbenkian einen Ölvertrag aus. Die Anteile gingen gleichmäßig an Shell, die Anglo-Persian Oil Company, ein US-Konsortium und - als Ausgleich für eine Gebietsabtretung um Mossul - an die französische CFP. Gulbenkian wurde mit einem Fünf-Prozent-Anteil belohnt, die Türkei mit einer Gewinnbeteiligung abgefunden. Aus dem Öl-Kriegs-Geschäft stammen die aktuellen Grenzen Iraks. Bagdad verstaatlichte 1972 die fremdbestimmte Ölgesellschaft. Und natürlich ging es bei der Besetzung Kuwaits und dem anschließenden Golf-Krieg auch um Öl.

Einen Verstaatlichungs-Versuch hatte in Iraks Nachbarland Iran schon früh der seit April 1951 amtierende Regierungschef Mohammed Mossadek unternommen. Seit 1901 hatte die britische Gesellschaft, die später Anglo-Iranian (AIOC) hieß, das Monopol. Eine Halbe-halbe-Beteiligung an den Einnahmen lehnte sie ab und legte die Raffinerie Abadan still. Darauf erklärte Mossadek das iranische Öl Ende Mai 1951 für Staatsbesitz. London besann sich auf Kanonenbootpolitik und bat die Commonwealth-Staaten und die USA um Hilfe.

Washington schickte vor allem den CIA-Agenten Kermit Roosevelt. Der wiegelte auf und gewann durch bare Zahlung Offiziere für die Sache, die freilich ruchbar wurde, als ein Putschversuch der kaiserlichen Garde gegen Mossadek scheiterte. Schah Mohammed Reza Pahlevi floh nach Ägypten. Doch der CIA-Mann hatte den Generalmajor Mohammed Fazlollah Zahedi auf seine Seite gezogen. Der putschte nun erfolgreich. Ergebnis: Mossadek wurde gestürzt, die Öl-Anteile wurden neu sortiert. 40 Prozent für die BP, 14 Prozent für Shell, der Rest an fünf US-Gesellschaften und an Frankreichs CFP.

Erstmals hatten die USA mit Geheimdienstmitteln eine gewählte Regierung beseitigt und dafür einen Alleinherrscher installiert. Den Briten hatten sie das Öl-Monopol aus der Hand genommen und ihre Interessen am Golf manifestiert.

Der letzte Ölkrieg war dies jedoch nicht. Der Versuch, Biafra aus Nigeria herauszuschneiden und die Kämpfe in dieser Region haben auch mit den konkurrierenden Interessen von Ölgesellschaften zu tun.

Um Öl und nicht so sehr um historische Besitzansprüche geht es im Südchinesischen Meer, Stichwort: Spratly. Vietnam, China, Indonesien und die Philippinen stecken dort ihre Claims ab. Und in Afghanistan waren die Taliban ein akzeptierter Partner der US-Gesellschaft Unocal und der saudischen Delta, bis der Pipeline-Deal Turkmenien - Afghanistan - Pakistan scheiterte. Dann kam Krieg.

Quelle: Frankfurter Rundschau vom 08.05.2004. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Veröffentlicht am

10. Mai 2004

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