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26. April 1986: Super-GAU in Tschernobyl - Der 18. Jahrestag mahnt, im Kampf gegen Atomkraft nicht nachzulassen

Der 18. Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl mahnt wieder unerbittlich: auf Atomkraft muss verzichtet werden! In Deutschland und in aller Welt!

Auf der Lebenshaus-Website finden sich zahlreiche Texte zum Thema Atomenergie, Tschernobyl, etc. sowie zu Alternativen: Erneuerbare Energien .

Wir veröffentlichen nachfolgend zwei Stellungnahmen zum 18. Jahrestag von Tschernobyl: In der ersten fordern Initiativen von benachbarten Atomanlagen das Ende des atomaren Abenteuers und Strahlenroulettes. Im zweiten weist der BUND darauf hin, dass durch die EU-Osterweiterung gefährliche Atomreaktoren in die Gemeinschaft kommen.


18. Jahrestag vom Tschernobyl-Gau: Initiativen fordern Ende des atomaren Abenteuers und Strahlenroulettes

Die Initiativen der von benachbarten Atomanlagen bedrohten Menschen mahnen, dass auch 18 Jahre nach dem Super-GAU von Tschernobyl politisch nichts unternommen wurde, eine ähnliche Katastrophe in Deutschland zu verhindern. Weder die 1998 vor Regierungsantritt proklamierten Ausstiegsszenarien von 10 Jahren bei der SPD (Nürnberger Beschlüsse nach Tschernobyl 1986) noch der Sofortausstieg des Programms der Grünen wurden umgesetzt. Stattdessen bleibt das sogenannte Atomausstiegsgesetz, das de facto eine zuvor nicht existierende Laufzeitgarantie der Atommeiler festschreibt und die besorgte Bevölkerung dem brisanten Strahlenroulette ausliefert.

Die Entsorgung der daraus resultierenden Atommüllberge bleibe ungelöst. Die in Betrieb genommenen oder geplanten “Zwischenlager” seien Etikettenschwindel und konkret vorläufig Endlagerkartoffelscheunen. Ein auch nur annähernd sicheres Endlager ist nach Ansicht der Initiativen nicht in Sicht. Das Versuchsendlager Asse, bei Wolfenbüttel, sei seit Jahren nach Wassereinbrüchen in katastrophalem Zustand, im schnell noch mit westdeutschem Atommüll vollgestopften ehemaligen DDR-Endlager Morsleben sei die Standsicherheit akut in Gefahr. Der Schacht Konrad, bei Salzgitter, bleibe überflüssiges Hobby der Atomindustrie und Gorleben sei seit knapp drei Jahrzehnten geowissenschaftlich als ungeeignet bekannt.

Die Initiativen fordern: “Die Politik der sinnlosen Atommüllverschieberei muss beendet werden! Die Transporte in die Plutoniumfabriken vervielfältigen nur die Atommüllmenge. Transporte nach Gorleben zementieren den von der Bundesregierung selber in Frage gestellten Endlagerstandort Gorleben. Auch der überflüssige und brisante Atommülltransport aus dem ehemaligen Forschungsreaktor Rossendorf nach Ahaus darf nicht mit tausenden Polizisten gegen den Willen der Bevölkerung durchgesetzt werden.”

Für die Atomindustrie bleibe die ungelöste Entsorgung ihrer strahlenden Hinterlassenschaften ein gigantisches Füllhorn. Die bislang verpulverten 1,3 Milliarden Euro in Gorleben und 800 Millionen Euro am Schacht Konrad berappten nicht sie als Verursacher, sondern der Verbraucher über Aufschläge auf die Stromrechnung. Zudem hätten die Atomstromkonzerne allein bis Ende 2002 35 Milliarden Euro steuerfreie Rückstellungen für die nukleare Entsorgung als Barkasse aufgetürmt. Eine gigantische Wettbewerbsverzerrung auf dem Energiemarkt zu Ungunsten regenerativer Energieerzeugung.

Auch die Ergebnisse der zunächst geheimgehaltenen Untersuchungen der Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) zu Flugzeugabstürzen auf Atomanlagen belegten, dass die Atomenergie eine unbeherrschbare tödliche Risikotechnologie bleibt. Trotz der daraus resultierenden Empfehlung des Präsidenten des Bundesamtes für Strahlenschutz fünf der dramatisch betroffensten Atomreaktoren sofort abzuschalten werde von Regierung und Atomindustrie eine Gefährdung der Bevölkerung weiter bewusst in Kauf genommen. Die mangelhafte Aufklärung durch das BMU / BfS über die Sicherheit- bzw. die Sicherheitsprobleme von Atomanlagen und die Geheimhaltung von Sicherheitsstudien werde von mündigen Bürgern nicht akzeptiert. Nur wenn die vom AkEnd geforderte Transparenz, Offenheit und Beteiligung Betroffener praktiziert werde, könne ein demokratischer Dialog zur Lösung der Atomfrage beginnen.

Die Standortinitiativen fordern, sämtliche Genehmigungsverfahren für Zwischenlager neu aufzurollen. “Der noch im letzten Jahr als Chef der Sicherheitsabteilung Entsorgung im Bundesamt für Strahlenschutz tätige Bruno Thomauske, der die Genehmigungsverfahren leitete, ist danach in den lukrativen Posten des Geschäftsführers beim Atomstromriesen Vattenfall gewechselt. Wir fordern, die Genehmigungen wegen offensichtlicher Befangenheit einzustampfen. Auch sollten alle Erkenntnisse, die nach dem 11. September 2001 bezüglich der Sicherheit von Atomanlagen gemacht wurden, umgesetzt werden”, heißt es in der Erklärung.

Der leichtfertig angekündigte Verkauf der militärisch interessanten Hanauer Plutoniumfabrik nach China zeige, wie sorglos deutsche Atompolitik betrieben wird. Gemeinsam mit befreundeten finnischen und französischen Initiativen streiten die deutschen Atomkraftgegner gegen den Bau der neuen Siemens-Reaktorgeneration EPR. Es gebe keine sicheren Atommeiler. Sie fordern die Bundesregierung auf, aus dem EURATOM-Vertrag auszusteigen und keine weiteren Finanzspritzen für die potentielle Verseuchung anderer Länder zur Verfügung zu stellen.


BUND zum Tschernobyl-Tag: EU-Osterweiterung bringt gefährliche Atomreaktoren in die Gemeinschaft

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat zum 18. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe die EU-Beitrittsländer Litauen, Tschechien, Slowakei, Ungarn und Slowenien aufgefordert, die Bemühungen zum Abschalten ihrer Atomkraftwerke zu verstärken. Die fünf Länder brächten mit der Erweiterung am 1. Mai zusätzliche atomare Risiken in die Gemeinschaft, die niemand verantworten könne. Die Reaktoren an den Standorten Ignalina, Temelin, Dukovany, Bohunice, Mochovce, Paks und Krsko seien schnellstmöglich durch alternative Stromerzeugung zu ersetzen. Der bisherige Zeitplan zur Abschaltung von Ignalina und Bohunice müsse verkürzt, die anderen Atomkraftwerke in die Pläne einbezogen werden.

Mit der Erweiterung verschärfe sich in der Gemeinschaft auch das Problem der Entsorgung und Endlagerung des radioaktiven Atommülls. Jeder weitere Betriebstag der Atommeiler vergrößere den nuklearen Abfallberg. Zwischenlager müssten über lange Zeiträume gesichert werden, nirgendwo gebe es ein Endlager für hochradioaktiven Müll.

Renate Backhaus, BUND-Atomexpertin: “Tschernobyl mahnt jedes Jahr erneut dazu, im Kampf gegen die Atomkraft nicht nachzulassen. Von den neunzehn Atomreaktoren in fünf neuen EU-Staaten gehören zwei zum Tschernobyl-Typ: Ignalina 1 und 2 in Litauen. Die beiden slowakischen Reaktoren in Bohunice ähneln den in Greifswald aus Sicherheitsgründen Stillgelegten vom Typ WWER 440-230. Der slowenische Druckwasserreaktor Krsko steht in einem Erdbebengebiet. Alle diese Risiken sind enorm. Was wir brauchen ist der schnelle Atomausstieg in den neuen wie in den alten EU-Staaten. Hier setzen nur noch Frankreich, England und Finnland auf die Atomkraft.”

Die neuen EU-Staaten hätten enorme Potentiale an erneuerbaren Energien wie Wasser, Wind und Biomasse. Große Reserven gebe es auch bei der Energieeinsparung. So werde die gleiche Einheit vom Bruttosozialprodukt in den Beitrittsländern mit durchschnittlich dreifach höherem Energieeinsatz erzeugt wie in den alten EU-Ländern.

Der BUND forderte die Bundesregierung auf, die Bemühungen der mittel- und osteuropäischen Staaten beim Ausstieg aus der Atomstromerzeugung stärker zu unterstützen. Auf keinen Fall dürften deutsche Industrieunternehmen dazu beitragen, die Laufzeiten für die gefährlichen Atomreaktoren zu verlängern.

Weblinks:

Veröffentlicht am

26. April 2004

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