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Das Geschäft mit dem Schwarzen Gold

Den Verteilungskampf um die wertvollste irakische Ressource haben russische Firmen schon fast verloren gegeben

Von Karl Grobe

Weshalb Krieg? Beim Wetten, unter welchem Hütchen der tagesaktuelle Grund lag, konnte der interessierte Beobachter auswählen zwischen Tyrannensturz, Entwaffnung, Demokratie, Hegemonie und anderen Schlagworten. Die Kappe mit der Aufschrift “Petroleum” war unauffällig weggeschafft worden.

Irak hat rund elf Prozent der Welt-Erdölvorräte, vielleicht auch wesentlich mehr. Es gibt Interessenten. Deren einer verfügt über den unschlagbaren Vorteil des Körperkontakts zur Macht. Er heißt Halliburton und hatte bis 2000 einen Chef namens Richard Cheney, dem laut New York Times immer noch eine Art Betriebsrente überwiesen wird. Nun hat Halliburton auch eine Petroleum-Generalvollmacht.

Am Sonntag hat Philip J. Carroll die Leitung des Bagdader Ölministeriums übernommen, bis 1998 unter anderem Chef von Shell Oil (USA) und des Amerikanischen Erdölinstituts. Sein Vertreter, Thamer Abbas al-Ghadban, war früher Abteilungsleiter im irakischen Erdölministerium, ein unentbehrlicher Fachmann. Ihnen sollen noch ein UN-Experte und ein Weltbank-Vertreter an die Seite gestellt werden. Sobald die Sanktionen fallen, soll das Gremium die Öleinnahmen verwalten. Ohne einen entsprechenden UN-Beschluss dürfen aber weder Irakis noch US-Besatzer Erdöl auf dem Weltmarkt absetzen.

Dem Ministerium unterstand bisher die am 1. Juli 1972 verstaatlichte Ölindustrie. Bis dahin war vor allem die Iraq Petrol Company (IPC) tätig gewesen. Zu deren Gründungsaktionären hatten Esso, ein Konsortium von fünf weiteren US-Firmen, Anglo-Persian (später BP), die französische CFP und der Privatmann Sarkis Gulbenkian (“Mr. 5 Prozent”) gehört.

Zum Ärger der Bagdader Regierung nutzte die IPC nur ein halbes Prozent der ihr 1931 auf siebzig Jahre erteilten Konzession aus, ließ wichtige Vorkommen wie Rumaila an der kuwaitischen Grenze unerschlossen und stützte sich vor allem auf die 1927 erschlossenen Vorkommen von Kirkuk. Dort wurde voriges Jahr rund ein Drittel der irakischen Produktion gefördert. Öl aus Kirkuk hat beste Qualität und ist mit relativ geringen Kosten zu fördern. Doch in den später erschlossenen südirakischen Feldern, die seit einigen Jahrzehnten an die erste Stelle gerückt sind, wird fast genauso günstig produziert.

Optimisten schätzen, dass Irak über sieben Millionen Barrel pro Tag fördern kann, etwa doppelt so viel wie zu besten Zeiten. Es würde dann in der Erdöl-Weltliga zu den ungefähr gleich großen Spitzen-Produzenten Russland, Saudi-Arabien und USA gehören. Irak könnte aber das Öl viel kostengünstiger anbieten als die Russen und die Amerikaner.

Pessimisten weisen jedoch auf den seit 1991 stark verschlechterten Zustand der gesamten Technik hin. Im Krieg von 1991 wurden die Felder im Süden sehr stark und die von Kirkuk zu fast 60 Prozent zerstört. Die Schäden konnten nur notdürftig repariert werden, weil die diversen UN-Embargos die Einfuhr technischer Geräte beinahe unmöglich machten. Das Regime Saddam Husseins hatte für die Zeit nach dem Ende der Sanktionen umfangreiche Investitions-Verträge mit russischen Firmen wie Lukoil oder Tatneft, der französischen TotalFinaElf (seit Mittwoch wieder Total genannt), Shell, der malaysischen Petronas, der italienischen Agip und anderen geschlossen. Die Verträge binden die USA nicht; es besteht ein rechtsfreier Raum.

Bis zum 3. Juni gilt noch das “Öl-für-Lebensmittel”-Programm. Es erlaubt Bagdad seit 1996, begrenzte Erdölmengen zu verkaufen und mit den Einnahmen Lebensmittel-Importe zu bezahlen. Russische Firmen wickelten einen Großteil des Geschäfts ab. Es fällt weg, sobald die UN die Sanktionen aufheben. Total-Generaldirektor Thierry Desmarest hofft auf die Einhaltung der Alt-Verträge durch die neuen Verfügungsberechtigten. Russische Firmen sind wohl realistischer. Sie hoffen auf nichts mehr und sagen nur: Halliburton.

Quelle: Frankfurter Rundschau vom 09.05.2003. Wir danken Karl Grobe-Hagel für die freundliche Veröffentlichungsgenehmigung.

Veröffentlicht am

11. Mai 2003

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