Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V.

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Zum “Internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerung” am 15. Mai: Geschichten von Kriegsdienstverweigerern

Gammertingen: Am 15. Mai ist der "Internationale Tag der Kriegsdienstverweigerung", an dem weltweit Aktionen und Veranstaltungen stattfinden. "Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie" beteiligt sich mit seinem aktuellen Projekt "Kriegsdienstverweigerer. Unsere Geschichten". Im Rahmen dieses Projekts werden persönliche Erfahrungsberichte von Kriegsdienstverweigerern im Internet veröffentlicht.

"Mit unserer eigens hierfür geschaffenen Website wollen wir sichtbar machen, welchen Schwierigkeiten und Schikanen wehrpflichtige junge Männer insbesondere bis 1983 ausgesetzt waren, wenn sie in der Bundesrepublik Deutschland den Kriegsdienst verweigern wollten", erklärt der Mitinitiator des Mitmachprojekts, Michael Schmid vom "Lebenshaus". "Nach Einführung der Wehrpflicht 1956 bis 1983 mussten alle, die den Kriegsdienst verweigerten, ein mündliches Anhörungsverfahren durchlaufen, das durchaus treffend als ‚Gewissensinquisition’ bezeichnet wurde."

Bereits kurz nach ihrem Start hat sich die zunächst auf die alte Bundesrepublik zugeschnittene Initiative zu einem West-Ost-Projekt weiterentwickelt. "Ein Freund aus der früheren DDR hat uns ebenfalls seine Geschichte geschickt, in der er über seine Erfahrungen mit der Verweigerung des Wehrdienstes im Osten Deutschlands berichtet", so Schmid. "Daraufhin haben wir entschieden, dass wir ebenfalls zeigen wollen, welche Konsequenzen Wehr- bzw. Waffendienstverweigerer in der DDR zu tragen hatten." Als in der DDR 1962 eine allgemeine Wehrpflicht eingeführt wurde, konnte der Wehrdienst formal überhaupt nicht verweigert werden. 1964 wurde dann zumindest die Möglichkeit eingeräumt, den Wehrdienst ohne Waffe als Bausoldat abzuleisten. Doch die vorliegenden Berichte zeigen, dass mit Benachteiligung bei Ausbildung und Berufswahl rechnen musste, wer den Dienst mit der Waffe verweigern und Bausoldat werden wollte.

Katrin Warnatzsch, die der Redaktion der neuen Website "Kriegsdienstverweigerer. Unsere Geschichten" angehört, erklärt, warum die Erinnerung auch zehn Jahre nach Aussetzen der Wehrpflicht wichtig ist: "Wir wollen Betroffenen aus West und Ost die Möglichkeit bieten, ihre Erfahrungen im Zusammenhang mit der eigenen Kriegsdienstverweigerung aufzuarbeiten und diese auch öffentlich zu machen. Wir hoffen, dass dieses Erinnern zur Ermutigung sowohl von Betroffenen wie auch von Außenstehenden beitragen kann." Die Betroffenen hätten zudem häufig Zivilcourage bewiesen, das heißt den Mut aufgebracht, unter teilweise schwierigen Umständen ihre Meinung offen zu äußern, zu vertreten, durchzufechten und damit Bereitschaft zur Verantwortung zu übernehmen. "Erinnern kann uns Kraft geben für unser gemeinsames Engagement für eine andere, gerechtere, friedvollere Welt", so die Mitinitiatorin des Mitmachprojekts.

Inzwischen konnte die Initiative bereits fünfzehn Geschichten von Kriegsdienstverweigerern bzw. von Wehr- und Waffendienstverweigerern aus beiden früheren deutschen Staaten online veröffentlichen. Es werden weitere Berichte gesucht und vor allem zum Lesen dieser Geschichten eingeladen.

Kriegsdienstverweigerung als Menschenrecht gefordert

Anlässlich des "Internationalen Tags der Kriegsdienstverweigerung" am 15. Mai weist "Lebenshaus Schwäbische Alb" darauf hin, dass weltweit Menschen gegen ihren Willen zum Kriegsdienst gezwungen oder wegen Verweigerung verfolgt und inhaftiert würden. Deshalb sei es im 21. Jahrhundert aus friedenspolitischen und menschenrechtlichen Erwägungen höchste Zeit, Kriegsdienstverweigerung auf internationaler Ebene als Menschenrecht anzuerkennen. Sowohl um den Eingriff des Staates in die Freiheit der einzelnen Person abzuwehren. Aber auch, um sich mit der Kriegsdienstverweigerung für die Überwindung von Kriegen und militärischer Einsätze zu beteiligen.

Weitere Infos:

Veröffentlicht am

11. Mai 2021

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