Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V.

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Anregende Tagung “We shall overcome!” in Gammertingen

Gammertingen: Der Verein "Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie" hatte für den 17. Oktober 2020 zu seiner 8. Tagung "’We shall overcome!’ Gewaltfrei für die Vision einer Welt ohne Gewalt und Unrecht" ins evang. Gemeindehaus nach Gammertingen eingeladen. Thomas Felder, Renate Wanie und Hans-Hartwig Lützow haben über ihr jahrzehntelanges Engagement berichtet. Viele der 31 Teilnehmenden meldeten zurück, dass sie die Tagung als sehr anregend, bewegend und ermutigend empfunden hätten.

Schon in seiner Einleitung ließ Thomas Felder die Anwesenden spürbar bewegt teilhaben an eigenen Schlüsselerlebnissen, die ihn noch heute motivieren, sich zu engagieren. Beispielhaft genannt sei die Szene, in der ihn sein Vater schon als Kind nach Grafeneck mitgenommen und ihm dort den Schuppen gezeigt habe, in dem nur wenige Jahre zuvor Menschen mit Behinderungen grausam getötet wurden. Für ihn als bekennenden Schwaben waren es immer regionale Bezüge, die ihn drängten, sich einzumischen, wie z.B. die atomaren Kurzstreckenraketen bei Großengstingen, der Truppenübungsplatz Münsingen, das Schicksal der in KZs ermordeten jüdischen Bevölkerung von Buttenhausen und vieles andere mehr. In seinem Beitrag mit dem Titel "Von Wegen, die nicht amtlich ausgeschildert sind" vermittelte er anschaulich, wie es ihm dabei immer wieder gelungen sei, seine musikalischen und künstlerischen Ambitionen mit dem jeweiligen politischen Anliegen zu verbinden. Legendär ist der gesungene Strafbefehl, den er 1983 in einem Verfahren beim Amtsgericht Münsingen vorsang, in dem er wegen seiner Teilnahme an einer gewaltfreien Blockadeaktion des Atomwaffenlagers auf der Haid bei Großengstingen angeklagt war. Zum Schluss ließ Thomas Felder noch einige andere, aktuelle Themen wie Stuttgart 21, Klima-, Flüchtlings- und Coronakrise anklingen. All dies vergrößere die Not, verwirre und spalte die Menschenfamilie samt der Christenheit. Dabei hätten wir eine klare Weihnachts- und Osterbotschaft, die laute: "Fürchtet euch nicht!"

Renate Wanie stellte in ihrem biografisch ausgerichteten Bericht ihre jahrzehntelangen friedenspolitischen Aktivitäten und Aktionen vor. Bis 2013 sei sie hauptamtliche Friedensarbeiterin der "Werkstatt für gewaltfreie Aktion Baden" und während 25 Jahren maßgeblich verantwortlich für friedenspolitische Bildungsarbeit und Aktionen in vielfältigen Zusammenhängen gewesen: Veranstaltungen organisieren, Ausstellungen präsentieren, Trainings in Zivilcourage und gewaltfreier Aktion für verschiedene Gruppen anbieten, Artikel für Fachzeitschriften schreiben, Reden beim Ostermarsch halten und vieles andere mehr. Beispielhaft schilderte sie, mit Bildern lebendig veranschaulicht, das Training mit einer Aktionsgruppe für die Blockade des Atomwaffenstützpunktes Büchel. Viele dieser Aktivitäten führe sie seit Erreichen des Rentenalters als "freie Mitarbeiterin" der "Werkstatt" und im Vorstand des "Bund für Soziale Verteidigung" fort. Renate Wanies Motto lautet: "Frieden ist eine Kunst. Kultur, Konflikt und Widerstand zugleich." Abschließend unterstrich sie ihre Überzeugung, dass gewaltfreies Handeln erlernbar sei.

Hans-Hartwig Lützow stellte sich vor als jemand, der in der Friedensbewegung oft als "Quoten-Bauer" angesehen werde. Er lebt mit seiner Frau und drei Kindern zusammen mit einer jungen Familie auf dem gemeinschaftlich bewirtschafteten Untermühlbachhof in Peterzell im Schwarzwald. In seinem Beitrag verdeutlichte er, wie vielfältig die Aspekte von Friedensarbeit in dem ganzheitlichen Ansatz des Lebens und Arbeitens der Gemeinschaft auf dem Hof sind. Inspiriert sei er u.a. von Hanna Arendt und der Erkenntnis, dass man immer nur in kleinen Bereichen auf das große Ganze einwirken könne. Hans-Hartwig Lützow beeindruckte durch seine bildhafte Sprache und schilderte lebendig, wie er vor 35 Jahren als studierter Landwirt nach langer Suche den Hof im Schwarzwald gefunden und ihn über die Jahre hinweg zusammen mit anderen zu einem weithin beachteten Projekt entwickelt habe. Mit zunehmendem Alter beschäftige ihn das Loslassen des eigenen Einflusses auf die Entwicklung des Hofes und seine neue Rolle, in der das Beobachten, die Begleitung der jungen Generation und das Schreiben über seine Erfahrungen wichtiger werde.

"Aktiv für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie: Lebenshaus Schwäbische Alb" lautete die Überschrift eines Beitrags zu Beginn der Tagung, in dem Katrin Warnatzsch und Michael Schmid über Arbeitsfelder und Erfahrungen des Vereins "Lebenshaus Schwäbische Alb" berichteten. Der Rahmen der Tagung war geprägt von wundervollen musikalischen Einstimmungen mit Gesang und Gitarre durch Gabriele Lang und Bernd Geisler, die das Thema der Tagung wohltuend interpretierten.

Konzert mit Thomas Felder

34 Zuhörende hatten sich trotz der Coronabedingten Einschränkungen nicht davon abhalten lassen, Thomas Felder anlässlich seines 50-jährigen Bühnenjubiläums zu erleben. Was er am Morgen in seinem Tagungsbeitrag inhaltlich hatte anklingen lassen, wurde nun lebendige Kunst. Er präsentierte raffinierte Wortspielereien, unterhielt mit dadaistischen Geschichten und seinen ausdrucksstark intonierten Liedern in breitestem Schwäbisch, wie zum Beispiel dem Lied vom "Butzlomba". In diesem Lied wird in witziger Weise politisches Handeln karikiert. Natürlich durfte der begleitet von der Drehleier gesungene "Strafbefehl" nicht fehlen, der 1983 das bemerkenswerte Zitat des Staatsanwalts hervorgebracht hatte: "Gerichtssprache ist deutsch und nicht gesungen". Einige andere seiner eher leisen, nachdenklichen Lieder sorgten für eine stimmungsvolle Atmosphäre. Zum Abschluss sang Thomas Felder, aufmerksam belauscht von den drei anwesenden Kindern, das Lied vom Fuchs im Hühnerstall.

Veröffentlicht am

20. Oktober 2020

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