Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V.

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Ökumenische Friedensdekade in Gammertingen

Gammertingen, 16.11.2005: Während der diesjährigen bundesweiten Ökumenischen Friedensdekade vom 6. bis 16. November 2005 fanden in Gammertingen mehrere Veranstaltungen statt. Anlässlich der Atombombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki vor 60 Jahren bildete dieses Thema einen inhaltlichen Schwerpunkt. Außerdem wurde der Opfer von Gewalt und Euthanasie gedacht. In Gammertingen beteiligten sich Kirchen und Friedensorganisationen an der Ökumenischen Friedensdekade.

Vom 9.-13. November 2005 wurde im evangelischen Gemeindehaus in Gammertingen die Ausstellung “Hiroshima mahnt: Nie wieder Krieg!” gezeigt. Verantwortlich hierfür zeichneten der Verein Lebenshaus Schwäbische Alb e.V. und der Internationale Versöhnungsbund. Zu sehen waren eindrucksvolle Bilder der verheerenden und grauenhaften Wirkungen, welche durch die beiden Atombomben im August 1945 angerichtet worden waren.

Bei der Eröffnungsveranstaltung mit dem Titel “Hiroshima: Verbrechen gegen die Menschlichkeit” überbrachte der evangelische Pfarrer Wolfgang Schmidt neben seinen eigenen auch die Grüße seines katholischen Amtskollegen Pfarrer Wolfgang Drescher und von Bürgermeister Holger Jerg, die beide nicht persönlich teilnehmen konnten. Pfarrer Schmidt betonte, es habe seine Berechtigung, Gedenktage zu Ereignissen wie den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki als eine Art Ritual zu veranstalten und der Opfer zu gedenken. Darüber hinaus sei dann aber auch die rationale Beschäftigung mit der Atomwaffenproblematik trotz zum Teil unterschiedlicher Standpunkte notwendig, wofür die Veranstaltung einen geeigneten Rahmen biete.

Michael Schmid vom Lebenshaus ging in seinem Vortrag sehr ausführlich auf die Hintergründe und Folgen der Atombombenabwürfe auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki ein. Mehrere hunderttausend Menschen seien direkt oder in den folgenden Jahren und Jahrzehnten durch die beiden Atombomben umgekommen. Dabei seien diese Bombenabwürfe durch die USA nicht notwendig gewesen, um den Krieg zu beenden. Die japanische Regierung sei ohnehin zur Kapitulation bereit gewesen. Mit Hiroshima sei die Menschheit in einem neuen Zeitalter angekommen, denn seither könne sie sich in ihrer eigenen Existenz vernichten. Aus Hiroshima sei nicht die Konsequenz der Ächtung von Atomwaffen gezogen worden, sondern eine irrsinnige Aufrüstung in Gang gesetzt worden. Heute gebe es weltweit ca. 28.000 Atomsprengköpfe. Entgegen weit verbreiteter Annahme sei heute die Gefahr eines Atomkriegs sehr groß. Mohammed El Baradei, Chef der Internationalen Atomenergiebehörde und diesjähriger Friedensnobelpreisträger, warne sogar davor, dass die Gefahr eines Atomkriegs noch nie so groß wie heute gewesen sei. Mit der Ausstellung solle dazu beitragen werden, die Folgen der Atombombenangriffe auf die japanischen Städte vom August 1945 sichtbar zu machen. Die Opfer dürften nicht vergessen werden. Die Bilder sollten auch darauf hinweisen, was auf uns alle zukommen könne, wenn die atomaren Risiken nicht beseitigt würden. Mit einfühlvollen Stücken auf der Gitarre umrahmte Bernd Geisler die Veranstaltung musikalisch.

In einer weiteren Veranstaltung ging Wolfgang Schlupp-Hauck von der Friedenswerkstatt Mutlangen ausführlich auf die Hintergründe und Zusammenhänge des Atomwaffensperrvertrags ein. Außerdem stellte er die internationale Bürgermeisterinitiative “Mayors for Peace” vor. Diese setze sich unter Federführung des Bürgermeisters von Hiroshima mit ihrer “Vision for 2020” für vollständige atomare Abrüstung bis zum Jahr 2020 ein, weil es “die vornehmste Aufgabe eines Bürgermeisters ist, das Leben und das Eigentum der Bürger zu schützen” (T. Akiba). Bisher seien weltweit über 1.000 Bürgermeister in 112 Ländern dieser Initiative beigetreten; als nächstes Ziel werde die Mitgliedschaft von 2020 Bürgermeistern angestrebt. Michael Schmid erwähnte in diesem Zusammenhang, dass er 30 Bürgermeister aus unserer Region persönlich mit der Bitte angeschrieben habe, einen Beitritt zu “Mayors for Peace” zu prüfen. Es habe erste positive Reaktionen gegeben. Zu hoffen sei, dass sich nach den Bürgermeistern von Engstingen und Hohentengen noch mehr Gemeindeoberhäupter aus unserer Region diesem Bündnis anschließen würden.

Csilla Morvai (Gammertingen/Tübingen) berichtete sehr anschaulich über eine Aktionsreise nach New York zur Überprüfungskonferenz des Atomwaffensperrvertrags bei der UNO. Im Mai hatte sie sich daran mit einer 30-köpfigen Jugenddelegation beteiligt. Möglich wurde ihr dies nicht zuletzt durch die finanzielle Unterstützung des Lebenshauses. Sie berichtete von Gesprächen mit Diplomaten, einem kurzen Treffen mit Außenminister Fischer und zahlreichen interessanten Aktionen für eine atomwaffenfreie Welt. Insgesamt hätten die jungen Menschen zum Ausdruck gebracht, dass sie als diejenige Generation, die in den nächsten Jahrzehnten auf dieser Erde lebe, keine Zehntausende Atomwaffen erben wolle, mit denen die Zukunft der Menschheit aufs Spiel gesetzt werde.

Mit dieser Veranstaltung wurde die Ausstellung “Hiroshima mahnt: Nie wieder Krieg!” in Gammertingen beendet, die unmittelbar im Anschluss nach Bad Urach weitergewandert ist, wo sie in der Amanduskirche ebenfalls im Rahmen der ökumenischen Friedensdekade vom 15. bis zum 21. November gezeigt wird.

Zum Abschluss der Gammertinger Friedensdekade-Veranstaltungen fand am Sonntag bereits im 15. Jahr hintereinander an der Gedenkstätte in Mariaberg eine “Halbe Stunde des Schweigens für alle Opfer der Gewalt und Euthanasie” statt, in der den durch die Nazi-Diktatur ermordeten 61 Menschen aus den Mariaberger Heimen gedacht wurde. Als Veranstalter hatten hierzu gemeinsam Lebenshaus Schwäbische Alb e.V. und die evangelische Pfarrstelle Mariaberg eingeladen.

Veröffentlicht am

16. November 2005

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