Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V.

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“Lehm - ein alter Baustoff neu entdeckt”

Gammertingen, 23.07.2004: Obwohl wir alle das Bedürfnis nach einem gemütlichen Heim hätten, interessiere nur wenige Menschen, welche Gefahren zum Teil von dessen Baustoffen ausgingen. Anders sei nicht zu erklären, so Hans Landenberger bei einer Veranstaltung im Gammertinger Lebenshaus, warum der über Jahrtausende bewährte Baustoff Lehm in den vergangenen Jahrzehnten fast in Vergessenheit geraten sei. Dabei habe Lehm hervorragende Eigenschaften.

“Lehm - ein alter Baustoff neu entdeckt” - zu diesem Thema machte Hans Landenberger vor einem Kreis interessierter Zuhörer kompetente Ausführungen. Geladen hatte der Verein Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V. “Die meisten Menschen hierzulande verbringen ungefähr 90 Prozent ihres Lebens in Häusern,” so der Referent, “deswegen ist es wichtig nachzuschauen, mit welchen Baustoffen wir uns umgeben.”

Landenberger führte aus, dass das Bauen mit dem ältesten Baustoff Lehm derzeit eine kleine Renaissance erlebe. Man entdecke zunehmend wieder seine positiven Eigenschaften. Dazu gehöre vor allem seine Fähigkeit, die Luftfeuchtigkeit in Innenräumen zu regulieren. Lehm könne schneller und mehr Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen als die meisten anderen Baustoffe. Eine zu hohe Luftfeuchte lasse Schimmelpilze wachsen und Milben gedeihen, die wiederum häufig für Allergien verantwortlich seien. Rund 15 Millionen Bundesbürger würden in Wohnungen mit Schimmel leben. Um dem vorzubeugen sei ein Baustoff gefragt, der die Fähigkeit habe, Feuchtigkeit schnell und in großem Maße aufzunehmen und später nach und nach wieder abzugeben. Kein Baustoff sei hierfür so gut geeignet wie Lehm.

Weitere positive Eigenschaften von Lehm sieht Landenberger darin, dass er Gerüche und Schadstoffe aufsaugen würde. “In einer Kneipe riecht es weit weniger nach abgestandenem Qualm, wenn diese mit Lehm gebaut oder verputzt wurde.” Zudem benötige Lehm bei der Aufbereitung und Verarbeitung im Gegensatz zu anderen Baustoffen sehr wenig Energie und trage somit kaum zur Umweltverschmutzung bei. Außerdem sei ungebrannter Lehm jederzeit und unbegrenzt wiederverwendbar. Trockener Lehm brauche nur zerkleinert und mit Wasser angefeuchtet zu werden und schon lasse er sich wieder verarbeiten. “Lehm kann im Gegensatz zu anderen Baustoffen niemals als Bauschutt die Umwelt belasten”, so der Referent zu diesem weiteren positiven Faktor dieses faszinierenden Baumaterials.

Hans Landenberger, der als selbständiger Kaufmann Naturfarben und Lehmbaustoffe entwickelt und verkauft, stellte ebenfalls detailliert dar, was Lehm überhaupt ist und welche Lehmbaustoffe es gibt. Zur Anschauung hatte er ein paar Beispiele mitgebracht, etwa Lehmsteine für Holzbalkendecken oder zum Vermauern in Wänden, Lehmbauplatten, Stampflehn für Fußböden, Lehmschüttungen für Holzbalkendecken und noch einige mehr. Auch wenn Lehm heute meist als nichttragender Baustoff verwendet werde, so der Referent, könne er aber durchaus den Anforderungen der Statik genügen. “Lehmstampf- oder Steinwände können so konstruiert werden, dass mehrstöckige Häuser damit gebaut werden können, deren Last nur auf dem Lehm liegt.”

Im Anschluss an Hans Landerbergers interessanten Vortrag gab es verschiedene Fragen und Meinungsäußerungen der Zuhörerinnen und Zuhörer. Unter anderem berichtete ein Teilnehmer der Veranstaltung von seinem eigenen Lehmhaus, das er mit seiner Familie vor über 15 Jahren gebaut hat. Ende der 80er Jahre hätten sie damit zu den ersten gehört, die in Deutschland wieder ein Haus aus Lehm bauten. Dem Bericht nach offensichtlich sehr positive Erfahrungen.

Michael Schmid

Veröffentlicht am

23. Juli 2004

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