Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V.

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Es wäre Zeichen der Menschlichkeit gewesen, Flüchtlinge in Gammertingen zu lassen

Gammertingen, 17.07.2003: Das Lebenshaus Schwäbische Alb e.V. findet es empörend, dass das Landratsamt Sigmaringen die Gammertinger Sammelunterkunft für Asylsuchende angeblich aus Gründen der Kostenreduzierung zum Ende des Monats schließt und die bisherigen Bewohnerinnen und Bewohner einfach in die beiden anderen Sammelunterkünfte im Landkreis Sigmaringen nach Laiz und Meßkirch umverlegt. Auf diese Weise würden Flüchtlinge aus ihrem in den vergangenen Jahren entstandenen neuen sozialen Umfeld und ihren vielfach geflochtenen Beziehungen in Gammertingen einfach herausgerissen. Dadurch würden ohnehin schon schwer belastete Menschen erneut in ihren Grundfesten erschüttert.
Gleichzeitig zeigt man sich beim Lebenshaus Schwäbische Alb e.V. erfreut über das große Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger für den Erhalt des Gammertinger Asylheims, weil dabei viel Menschlichkeit und Fremdenfreundlichkeit zum Ausdruck gebracht würde. Besonders wohltuend sei das große Engagement zahlreicher Jugendlicher in dieser Sache.

“Wer sich allerdings mit den Hintergründen des Umgangs mit Flüchtlingen beschäftigt,” meint Michael Schmid, Vorsitzender des Lebenshaus Schwäbische Alb e.V., “kann zwar empört sein, wird sich aber wenig wundern, dass aller Einsatz und Protest letztlich nichts genutzt hat, um die Schließung des Gammertinger Heimes zu verhindern. Denn Menschlichkeit spielt im Zusammenhang mit unserer Asyl-Politik und Asyl-Praxis praktisch keine Rolle. Im Gegenteil, diese sind auf die Abhaltung und Abschreckung von Flüchtlingen und Asylsuchenden ausgerichtet.”

So schließe etwa die Flucht auf dem Landweg in die Bundesrepublik seit der Asylrechtsänderung vor genau 10 Jahren durch die Drittstaatenregelung eine Anerkennung als Asylberechtigter aus, so Schmid, weil alle Nachbarstaaten Deutschlands als sichere Drittstaaten definiert worden seien. Viele Flüchtlinge würden direkt an der Grenze zurückgeschoben, ohne dass ein Asylverfahren stattfinde.

Für Flüchtlinge habe man künstliche Lebensbedingungen geschaffen, die viele Betroffene krank machten. Dazu gehöre die zwangsweise Unterbringung in Sammelunterkünften, die sich teilweise in katastrophalen Zuständen befänden. Durch das verdichtete Zusammenleben vieler Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen in Sammelunterkünften, beengte Wohnverhältnisse und andere extra für Flüchtlinge bereit gehaltene Belastungsfaktoren solle bewirkt werden, dass viele freiwillig das Land wieder verlassen. “Sollten sie belastungsresistent sein und diesem Druck standhalten,” so der Lebenshaus-Vorsitzende, “dann gibt es noch Gerichte, Regierungspräsidien, Polizei, Bundesgrenzschutz und Fluggesellschaften, die sich um ihre endgültige Entfernung aus diesem unserem Lande kümmern. Der Normalbürger kann sich weiter ungestört seinem Alltag widmen.”

In diesem System erscheine es deshalb auch als “Fehler”, wenn sich dann doch persönliche Beziehungen zwischen Flüchtlingen und einheimischer Bevölkerung entwickelten, wie jetzt in Gammertingen. Wer direkt miterlebe, wie unmenschlich mit ihm persönlich bekannten Flüchtlingen umgegangen werde, sei unter Umständen betroffen und empört. Allerdings sei mit kurzfristiger Betroffenheit und Empörung meist das Ruder nicht mehr herumzureißen. Das könne nur dann mit Erfolg getan werden, wenn es gelänge, soviel Einfluss auf die Politik zu nehmen, dass insgesamt eine Weichenstellung vorgenommen werde in Richtung humanem Umgang mit Flüchtlingen. “Diese verlassen im Übrigen ihre Heimat nur selten freiwillig ohne Not, sondern nur allzu oft auf der Flucht vor Krieg, Folter, Vergewaltigung, Rassismus, etc. und hoffen, in unserem Land eine menschenwürdige Zufluchtsstätte zu finden”, zeigt sich Schmid überzeugt.

Aus Sicht des Lebenshaus Schwäbische Alb e.V. wäre es ein Zeichen von Menschlichkeit gewesen, die Flüchtlinge in Gammertingen nicht mit Zwang aus ihrem inzwischen einigermaßen vertrauten Umfeld, aus Schule, Kindergarten und teilweise entstandenen Freundschaften herauszureißen. “Allerdings war auch die Gammertinger Asylunterkunft alles andere als eine besonders lebenswerte Wohnstätte. Derartige krankmachenden Sammelunterkünfte gehören allesamt aufgelöst. Auch Flüchtlingen gebührt das Recht auf Unterbringung in menschenwürdigen Wohnungen!”

Veröffentlicht am

17. Juli 2003

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