Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V.

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Ferienspiele mit internationalem Charakter - Lebenshaus Schwäbische Alb unterstützt Flüchtlingskinder

Gammertingen, 14.8.2000: Zum Auftakt von einwöchigen Ferienspiele bot der Garten rund um das Gammertinger Lebenshaus ein buntes Bild. Diese Ferienspiele werden insbesondere für Kinder aus Flüchtlingsfamilien angeboten, die aufgrund ihrer außergewöhnlichen Situation kaum die Möglichkeit zu Urlaubsreisen und sonstigen interssanten Unternehmungen haben. Da auch der Gedanke der Begegnung wichtig ist, wurden deutsche Kinder ebenfalls eingeladen. Und so versammelten sich am ersten Nachmittag gleich über 35 Kinder, Jugendliche und Erwachsene rund ums Lebenshaus.

Die Idee zu diesen Ferienspiele, die diese Woche von Montag bis Freitag angeboten werden, hatte Katrin Warnatzsch vom Lebenshaus Schwäbische Alb in Gammertingen. Diese Aktivität kommt nicht von ungefähr. Denn die Gemeinschaft von Menschen, die dieses kleine private Projekt “Lebenshaus” trägt, hat es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, sich um Menschen zu kümmern, die Opfer von Gewalt werden, um Menschen, die eine Trennungssituation nicht alleine bewältigen können, um psychisch kranke Menschen, um Menschen, deren Leben beschädigt oder verletzt wurde. Um solche Menschen in der Bewältigung ihrer Probleme besser unterstützen zu können, hat der Verein mit Hilfe vieler Freundinnen und Freunden auch ein eigenes Gebäude gekauft und ausgebaut. Dort können Menschen, die sich in einer schwierigen Situation befinden, eine Zeitlang in einer Hausgemeinschaft mit der Kernwohngruppe zusammen wohnen. “Durch unsere langjährigen Erfahrungen ist uns bewußt,” so Katrin Warnatzsch, “dass viele Menschen in einer Situation leben, in der nicht an Urlaubsreisen zu denken ist. Deshalb haben wir insbesondere für solche Kinder das Angebot für Ferienspiele gemacht.” Kinder und Jugendliche von Flüchtlingsfamilien gehören zweifelsohne zu dieser Gruppe.

Dass Menschen in unser Land kommen können und dort human behandelt werden, die aus welchen Gründen auch immer meinen, ihr Land verlassen zu müssen, sieht sie auch als notwendige Konsequenz aus der deutschen Geschichte an. Es sei erst wenige Jahrzehnte her, da seien Menschen aus rassistischen Gründen aus Deutschland gejagt, später in ganz Europa zusammengetrieben und fabrikmäßig ermordet worden. An diesem nationalsozialistischen Verbrechen seien weite Kreise der deutschen Bevölkerung mitschuldig geworden - entweder durch aktives Mittun oder durch ihr Schweigen. “Unser Engagement für Flüchtlinge ist uns auch wichtig,” so Katrin Warnatzsch, “weil es für viele Menschen während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft lebensrettend war, wenn sie in ein anderes Land fliehen konnten, um nicht dem Terror zum Opfer zu fallen.” Deshalb müsse unser Land eine offene Zufluchtstätte für jene Menschen bleiben, die ihr Land verlassen müssen.

Michael Schmid, Geschäftsführer des Lebenshaus-Vereins und gemeinsam mit seine Frau Katrin Warnatzsch auch Mitglied der im Lebenshaus wohnenden Kernwohngruppe vertrat die Meinung, dass das Grundrecht auf Asyl vor Jahren in einem solchen Umfang beschnitten worden sei, dass fast von einer Abschaffung des Asylrechts gesprochen werden müsse. “Wir haben uns seinerzeit durch die Teilnahme an verschiedenen Aktionen gegen die Änderung des Asylrechts gewehrt”, so Schmid. Nachdem die Politik gegenüber dieser Problematik weitgehend versagt habe, würde im Lebenshaus zumindet im persönlichen Sich-Kümmern um die weniger gewordenen Flüchtlinge, die unser Land noch erreichen, ein Akt der Menschlichkeit gesehen.

Michael Schmid vertrat weiter die Ansicht, dass wenn bis zu 18 Prozent der Bevölkerung dem Satz zustimmten: “Anschläge auf Asylbewerberheime kann ich gut verstehen”, wie das gerade in einer Studie von der Freien Universität Berlin über rechtsextreme Einstellung in der Bundesrepublik festgestellt worden sei, dann sei es ebenfalls ein Gebot der Menschlichkeit, sich zu den Menschen zu stellen, die in diesen Heimen wohnen müssen. Es sei wichtig, dies öffentlich zu tun. Denn rechte Gewalttäter phantasierten sich leicht als verlängerter Arm eines schweigenden Bürgertums oder einer zu Taten zu schwachen Politik. Deshalb müsse das öffentliche Klima in Richtung Fremdenfreundlichkeit beeinflusst werden. Direkte Begegnungsmöglichkeiten mit Menschen fremder Kulturen könnten kleine Beiträge dafür sein. Die jetzigen Ferienspiele des Lebenshauses gehörten dazu.

Katrin Warnatzsch freut sich, dass gleich zum Auftakt der Ferienspiele die Begegnung von Menschen möglich war, die aus ganz verschiedenen Ländern kommen: aus Iran, Algerien, Kosovo, dem kurdischen Teil der Türkei und aus Deutschland. Die Kinder und Jugendlichen hätten über das Angebot zwar gestaunt, sich aber sehr gut und mit großer Freude darauf eingelassen.
Und dass dabei alle Anwesenden als Person mit eigenem Namen wichtig waren, wurde gleich bei der Eröffnung bildlich deutlich: Es wurden die Körperumrisse der Einzelnen auf Papier gezeichnet und jeweils farblich ausgestaltet. Die Bilder wurden mit den jeweiligen Namen versehen und an Wänden aufgehängt. Und alle staunten, was für ein bunter Reigen von lauter verschiedenen Menschen sich eingefunden hatten.

Mit gemeinsamen Aktivitäten wie Baumwolltaschen anmalen, Glasmalerei, Anfertigen von Gipsmasken und Geschicklichkeitsspielen war der Nachmittag intensiv ausgefüllt. Dazu wurden Getränke und etwas zu Essen angeboten. Die Erwachsenen genossen das “Café International”.

Für Aktivitäten wie die Ferienspiele und seine übrige Arbeit ist der Lebenshaus-Verein dringend auf Spenden angewiesen. Solche werden erbeten auf das Konto: Lebenshaus Schwäbische Alb e.V., Konto-Nr. 248517 bei der Ökobank Frankfurt/Main (BLZ 500 901 00). Steuerabzugsfähige Spendenbescheinigungen werden am Jahresende automatisch zugestellt.

Michael Schmid

Veröffentlicht am

14. August 2000

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