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Stefan Zweig, der Pazifist

Ein Lesebuch mit ausgewählten Dichtungen, Aufsätzen und Vorträgen 1914-1941

Von der Redaktion Schalom-Bibliothek

Stefan Zweig: Bekenntnisse zum Pazifismus. Ausgewählte Dichtungen, Aufsätze und Vorträge 1914 – 1941. Herausgegeben von Peter Bürger, in Kooperation mit Frieden wagen e.V. (edition pace ǀ Regal: Pazifisten & Antimilitaristen aus jüdischen Familien, 18). Hamburg: BoD 2026. (ISBN: 978-3-6967-5208-8; Paperback; 404 Seiten; 15,99 Euro). https://buchshop.bod.de/bekenntnisse-zum-pazifismus-stefan-zweig-9783696752088

Stefan Zweig (1881-1942) gehört zu den bedeutendsten deutschsprachigen Erzählern des 20. Jahrhunderts. Ein soeben erschienenes Lesebuch der Schalom-Bibliothek, herausgegeben in Kooperation mit Frieden wagen e.V., erschließt durch einunddreißig Dichtungen, Aufsätze und Vorträge sein Bekenntnis zum Pazifismus:

"… ich halte meine Kraft gespannt zum Widerstand gegen die Anforderung, die ich als Verbrechen empfinde: Waffen gegen andere Menschen zu gebrauchen … und betrachte es als eine moralische Pflicht, den Mord zu verweigern." (Testament des Gewissens, 28.11.1917)

"Wir sind Defaitisten, das heißt: wir wollen keines Sieg und keines Niederlage, wir sind Siegfeinde und Freunde des Verzichts. Wir sind Defaitisten, das heißt: wir sehen mehr Größe in … der Versöhnung als im Kampf mit verbissenen Zähnen! Wir sind Defaitisten, das heißt: wir lieben den Menschen … mehr als die irdischen Gebilde der Staaten. Wir sind Defaitisten, das heißt: wir fühlen keine Schande darin, die Schwächeren zu sein im Krieg und die kürzeren Kanonen zu haben; wir suchen die Gerechtigkeit nicht zwischen den Drahtgewinden und unsere Freude nicht an zerschmetterten Feindesregimentern. Wir sind Defaitisten, das heißt: kein Opfer des Stolzes, des Geldes, der Ehre, der Erde scheint uns vergebens, wenn das heilige Blut von Menschen nicht mehr vergossen und Europa von seiner Qual erlöst wird. … Schreien wir unsere Kriegsfeindschaft mit diesem Wort in die Welt. Seien wir Flaumacher in der eisernen Zeit!" (Friedens-Warte, Juli 1918)

Im Bildungskanon des sich als feingeistig verstehenden Bürgertums gab es immer schon große Namen, die von einer tiefen Abscheu vor jeglicher Kriegsertüchtigung zeugen. Aber man verehrte diese ‚Großen‘ gemeinhin nicht wegen, sondern trotz ihrer pazifistischen Standorte. Eine neue Generation kann sich die Klassiker wider den militärischen Heilsglauben heute aneignen, sie entwenden aus den verwaisten Bibliotheken jenes Bürgertums, das sich mit allerlei Feinsinnigkeit belud und doch zu leichtgewichtig blieb. Es wartet ein unerschöpfliches kulturelles Gemeineigentum als Wegweiser für Frieden.

Über Stefan Zweig (1881-1942) ǀ Als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Wien geboren; war ein österreichischer Schriftsteller, Übersetzer und Pazifist. Er gehörte zu den beliebtesten deutschsprachigen Erzählern seiner Zeit. Neben den eigenen Dichtungen legte er Übersetzungen von Werken bedeutender Schriftsteller wie Baudelaire oder Romain Rolland vor. Zu Beginn des ersten Weltkrieges meldet sich Zweig zunächst freiwillig zum Militärdienst, um dann im staatlichen "Kriegsarchiv" (Propagandaeinrichtung) tätig zu sein. Vor allem auch durch die Freundschaft mit dem Franzosen Romain Rolland findet er zu einem entschiedenen Friedensstandort, der sich in zahlreichen Dichtungen, Aufsätzen und Vorträgen niederschlägt. Am 28. November 1917 schreibt Zweig sein "Testament des Gewissens" nieder: "… Waffen zu tragen und von ihnen Gebrauch zu machen. Ich halte im Sinne Tolstois und noch dringender in dem meiner eigenen Erkenntnis dies als das schwerste Verbrechen wider den Geist der Menschlichkeit, das wir begehen können und betrachte es als eine moralische Pflicht, den Mord zu verweigern."

Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten werden 1933 in vielen deutschen Städten auch die Werke Zweigs öffentlich verbrannt; ein Gleiches wiederholt sich dann am 30. April 1938 auf dem Salzburger Residenzplatz. (Juden und Pazifisten stehen im Faschismus ganz oben auf der Liste der "Verbotenen Autoren"). Die letzten acht Jahre seines Lebens hat der Dichter im Exil verbracht (England, USA, Südamerika, zuletzt Brasilien). In der Nacht vom 22. auf den 23. Februar 1942 scheidet er zusammen mit seiner zweiten Ehefrau Charlotte geb. Altmann (geb. 1908) in Petrópolis (Brasilien) "freiwillig" aus dem Leben. Bis zum Ende hat der Dichter sein Bekenntnis zum Pazifismus nicht widerrufen. Das haben ihm - bis heute - viele verübelt. Mit hoher Achtung für den Freund teilt hingegen Franz Werfel, der selbst einen abweichenden Standort einnimmt, in seiner Rede zur Trauerfeier 1942 mit: "Ja, Stefan Zweig war ein Mann ohne Zorn. Darum war er auch einer der ganz wenigen echten Pazifisten, die es gibt. Für ihn bedeutete der Krieg die irdische Hölle, an die man nur mit Heulen und Zähneklappern denkt."

Inhaltsübersicht zum neuen Lesebuch ǀ Einführung (Schalom-Bibliothek ǀ Peter Bürger) – Die schlaflose Welt (18. August 1914) – Warum nur Belgien, warum nicht auch Polen ? (Eine Frage an die Neutralen ǀ 4. April 1915) – Die Legende der dritten Taube (Entstanden im Februar 1916) – Der Turm zu Babel (Mai 1916) – "Jeremias": Drama wider das Kriegsgeschrei (Auszüge ǀ Entstehungszeit 1915-1917) – Bertha von Suttner (Eine Ansprache, inmitten des Weltkriegs ǀ April 1917) – Das Feuer (Über Henri Barbusses "Le feu" ǀ Juli 1917) – "Testament des Gewissens" (28. November 1917) – Das Herz Europas (Ein Besuch im Genfer Roten Kreuz ǀ 23.12.1917) – Bei den Sorglosen (Februar 1918) – Bekenntnis zum Defaitismus (Juli/August 1918) – Die Entwertung der Ideen (Eine Antwort an Alfred H. Fried ǀ August 1918) – Opportunismus, der Weltfeind (Oktober 1918) – Der Zwang (Novelle über einen ‚Fahnenflüchtigen‘ ǀ entstanden 1918) – Die Tragik der Vergeßlichkeit (1919) – Die Wahl der Staatsangehörigkeit (Ein Vorschlag für die Friedensverhandlungen ǀ Juni 1919) – Epilog einer vergeblichen Bemühung (10. September 1920) – Die Augen des ewigen Bruders (Eine Legende ǀ 1922) – Reise nach Russland (Bericht ǀ 1928) – Romain Rolland im Weltkrieg 1914-1918 (Aus der Biographie des Pazifisten & Nobelpreisträgers ǀ 1929) – Nehmt allen die Waffen weg, allen … (An den Herausgeber des ‚Morgen‘ ǀ Februar 1932) – Der Europäische Gedanke (Auszug aus einem Vortrag in Florenz, 1932) – Größe und Grenzen des Humanismus (Über Erasmus von Rotterdam ǀ 1934) – 1914 und heute (Anläßlich des Romans von Roger Martin du Gard "Eté 1914" ǀ 1936) – Tolstoi als religiöser und sozialer Denker (1937) – Geschichtsschreibung von morgen (Vortrag. Amerika ǀ  1939) – Die Gärten im Krieg  (1939) – Die Geschichte als Dichterin (1939) – Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers (1939-1941 ǀ Auszüge) – Das große Schweigen (Mai 1940) – In dieser dunklen Stunde (Solidaritätsbotschaft im Namen der deutschen Schriftsteller im Exil ǀ New York, Mai 1941) – Franz Werfel: Stefan Zweigs Tod (Rede zur Trauerfeier, 1942) – Literaturverzeichnis (mit Kurztiteln).

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Bibliotheksportal | Die Buchausgabe der Sammlung "Bekenntnisse zum Pazifismus" ist bei der Verlagsplattform BoD erschienen ( https://buchshop.bod.de/bekenntnisse-zum-pazifismus-stefan-zweig-9783696752088 ). Alle Publikationen des nicht kommerziell ausgerichteten Regals "Pazifisten & Antimilitaristinnen aus jüdischen Familien" erscheinen zunächst als Digitale Erstausgaben und sind frei abrufbar auf dem Projektportal www.schalom-bibliothek.org – dort auch weitere Beiträge im "Lesesaal" https://schalom-bibliothek.org/lesesaal/ und alle Informationen zu den bisherigen Buchangeboten. – Gesamtübersicht zur Friedensreihe "edition pace" https://schalom-bibliothek.org/wp-content/uploads/2026/10/edition-pace-katalog-2026-10-15.pdf

 

Veröffentlicht am

24. Oktober 2026

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