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Gewaltfreie Soziale Verteidigung

Eine neuer Band von Egon Spiegel vermittelt die Alternative zum "Programm Krieg"

Redaktion der edition pace

Egon Spiegel: Gewaltfreie Soziale Verteidigung. (Reihe ǀ edition pace). Hamburg: BoD 2026. (ISBN: 978-3-6967-6472-2; Paperback; 304 Seiten; 14,99 €).
https://buchshop.bod.de/gewaltfreie-soziale-verteidigung-egon-spiegel-9783696764722

In der Reihe "edition pace" ist soeben ein neuer Band von Egon Spiegel erschienen, der das Konzept der Gewaltfreien Sozialen Verteidigung beleuchtet. Das Werk wurde herausgegeben in Kooperation mit Frieden wagen e.V. ( https://www.lebenshaus-alb.de/magazin/media/pdf/Spiegel-Gewaltfreie-Verteidigung-2026-09.pdf ) und dem Ökumenischen Institut für Friedenstheologie (OekIF). Es kann als preiswerte Paperback-Ausgabe bestellt werden, liegt aber auch als Digitale Erstausgabe vor.

Umschlagtext zum Buch ǀ Eine Gesellschaft, die sich verteidigt, ohne töten zu wollen und ohne das eigene Land durch (Bürger-)Krieg ruinieren zu lassen - das ist kein weltfremder Wunsch, sondern Gegenstand einer seit Jahrzehnten erforschten und historisch vielfach erprobten Konzeption. Unter dem Begriff "Gewaltfreie Soziale Verteidigung" führt der vorliegende Band in ihre macht- und konflikttheoretischen Grundlagen ein, macht bekannt mit ihrer Praxis und diskutiert Eckpfeiler ihrer Einführung und Durchführung. Abschließend wird die Konzeption durchbuchstabiert mit Blick auf Erfahrungen im Widerstand der Ukraine gegen ihre partielle Besetzung, einen hypothetischen Angriff Grönlands und politische Übergriffigkeitsversuche von rechtsextremistischen Kräften in Deutschland.

Über den Autor ǀ Egon Spiegel, Prof. Dr. theol. habil. Prof. h. c., Diplomtheologe, Diplompolitologe, ausgebildeter Pastoralreferent, ehemaliger Inhaber des Lehrstuhls für Praktische Theologie an der Universität Vechta, gegenwärtig Advisory Professor am UNESCO-Lehrstuhl für Peace Studies der Nanjing University in Nanjing/China, diverse Lehraufträge und Gastprofessuren, international vielfältig vernetzt, zahlreiche friedenswissenschaftliche Publikationen. - Website: www.egon-spiegel.net

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Leseprobe ǀ "Ein kurzer Überblick zum Inhalt des vorliegenden Bandes" (Egon Spiegel):

In einem 1. Teil korrigiere ich zunächst gängige Wahrnehmungen, indem ich hervorhebe, dass Frieden der Normalfall ist und Krieg nur als darin eingebettet verstanden werden kann, dass die Fähigkeit zur Verteidigung eines Landes nicht vom Militär vereinnahmt werden darf und Kriege nicht wie eine Krankheit ausbrechen, sondern entschieden und gemacht werden.

In einem 2. Teil gehe ich grundlegenden Fragen nach: Was ist Gewalt? Worauf beruht Macht? Warum ist Gewaltfreiheit auch eine Frage der Struktur? Wie versteht man einen Konflikt, und wie funktioniert eine gewaltfreie Aktion?

In einem 3. Teil greife ich unter Berücksichtigung einer breiten friedenswissenschaftlichen Forschung auf historische Erfahrungen mit unbewaffnetem Widerstand seit 1920 zurück. Der Bogen reicht vom Generalstreik gegen den Kapp-Putsch über den Ruhrkampf, den Widerstand der norwegischen Lehrerschaft gegen das Quisling-Regime, die dänischen Besatzungsjahre und den Ärztestreik in den Niederlanden bis zum Prager Frühling, zu Solidarność, zum Herbst 1989, zum Baltikum 1991, zu den Khudai Khidmatgar, zur us-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, zu den Philippinen und zu Serbien. Bei jedem Fall frage ich nach dem, was gelang, nach dem, was misslang, und nach den Gründen für beides. Anschließend zeichne ich die Linie der Forschung nach – von ihren moralisch begründeten Anfängen über die empirische Wende bis zu ihrer gegenwärtigen Renaissance.

In einem 4. Teil beschreibe ich die Konzeption im Einzelnen. Zunächst geht es um die Umrüstung ("Transarmament") in sogenannten Friedenszeiten und dabei um Grundsatzbeschluss, Ausbildung, Dezentralisierung, Verringerung der Verwundbarkeit, rechtliche Verankerung und internationale Vernetzung, sodann um den Ernstfall selbst: um die Formen der Nichtkooperation in Verwaltung, Wirtschaft und Öffentlichkeit, um ihre Zielführung und um die heikle Frage der Sabotage. Ihr zur Seite tritt die konstruktive Hälfte, d. h. Versorgung, Wirtschaft, Recht und Konfliktschlichtung bis hin zur doppelten Souveränität, ohne die von einer Verteidigung im vollen Sinne nicht die Rede sein könnte. Ein eigener Abschnitt gilt der Öffentlichkeit und der Kommunikation: der eigenen, derjenigen im Land des Angreifers und der Weltöffentlichkeit, dazu den Bedingungen, unter denen Widerstand heute stattfindet, wie etwa Desinformation, digitale Kontrolle, künstliche Intelligenz, und dem Zeitfaktor.

Der 5. T eil behandelt die harten Fragen. Voran steht der Knackpunkt der Konzeption, die Kollaboration, und damit, was ein Besatzer im Hinblick auf eine erfolgreiche Besetzung tatsächlich braucht, warum Menschen mitmachen und in welchen Abstufungen sich das Mitmachen vollzieht und was dagegen hilft, von der Differenzierung zwischen den Graden der Mitwirkung über die Gegenmaßnahmen bis zum Sonderfall von Polizei und Streitkräften des besetzten Landes. Es folgen die Frage nach gesellschaftlicher Geschlossenheit und ihrer basisdemokratischen Voraussetzung, sodann Repression, Leid und die Grenzen der Konzeption, einschließlich des Opfer-Arguments und des Verhältnisses von Gesinnung und Verantwortung. Der Teil schließt mit denen, die den Widerstand – anders als bei der militärischen Verteidigung – glei­chermaßen mittragen: Frauen, alte, beeinträchtigte und junge Menschen.

Teil 6 ist ausdrücklich einer religiösen Verankerung von Widerstand gewidmet. Ich spreche dort aus der jüdisch-christlichen Tradition, weil ich diese am besten kenne, und zeige zugleich, dass sich das Gemeinte nicht nur auch in der Terminologie anderer Religionen, sondern auch in rein säkularer Sprache ausdrücken lässt: das "Dritte im Zwischen" (the Third-in-between), der gewaltfreie Gott, das Vertrauen, der Zusammenhang von Weg und Ziel, die Feindesliebe, schließlich skizziere ich Konsequenzen für die Gemeinden.

Teil 7 setzt sich mit Fragen der Realisierung einer Gewaltfreien Sozialen Verteidigung auseinander und verweist zunächst auf die Bildung, wobei Gewaltfreiheit nicht beizubringen, sondern zu entdecken und zu profilieren ist. Ich schlage dafür ein Curriculum in acht Bausteinen vor. Darüber hinaus diskutiere ich die Einführung eines Gewaltfreien Friedens- und Verteidigungsdienstes samt seinen Vorerfahrungen, Stoßrichtungen, Verankerungen und die Frage nach Trägerschaft und Finanzierung. Schließlich thematisiere ich vorbeugende, präventive Entwicklungen und Maßnahmen: Föderalismus statt Separatismus, kriegsfreie Zonen, die Tabuisierung des Krieges und die Chancen der Globalisierung, konkret globaler Netzwerke.

Teil 8 stellt die Konzeption auf den Prüfstand. Ich nehme die zehn Einwände auf, die ich zum Teil seit fünfzig Jahren höre, von "Und was ist mit Hitler?" über den Verdacht, es handele sich bei der GSV um ein anderes Wort für Kapitulation, und die Frage nach der Ukraine bis hin zu "Die Leute sind viel zu bequem dafür". Anschließend lege ich die gewonnene Messlatte an einen konkreten Fall an und spiele die Konzeption am Beispiel Grönlands durch, bis hin zu konkreten Maßnahmen und zur monetären Klippe.

Teil 9 schließt mit einem Wort an verschiedene Leserinnen und Leser: an Soldatinnen und Soldaten, an politisch Verantwortliche, an Lehrerinnen und Lehrer, an junge Menschen und an die Skeptiker. Ich komplettiere den Abschnitt mit einer zehnschrittigen Roadmap hinsichtlich einer Einführung der GSV-Konzeption in Deutschland.

Ein Nachwort, ein kleines Glossar und eine exemplarische Zeittafel des zivilen Widerstands beschließen den Band; ihm folgen drei Anhänge: eine Zwischenbilanz zu gewaltfreien Widerstandsaktionen in der Ukraine, hypothetische Überlegungen zu einer gewaltfreien Verteidigung Grönlands und konkrete Maßnahmen im Fall eines innergesellschaftlichen, faschistoiden Übergriffs in Deutschland.

Egon Spiegel: Gewaltfreie Soziale Verteidigung. (Reihe ǀ edition pace). Herausgegeben in Kooperation mit Frieden wagen e.V. und dem Ökumenischen Institut für Friedenstheologie. Digitale Erstausgabe, 19.09.2026. https://www.lebenshaus-alb.de/magazin/media/pdf/Spiegel-Gewaltfreie-Verteidigung-2026-09.pdf [Buchfassung: https://buchshop.bod.de/gewaltfreie-soziale-verteidigung-egon-spiegel-9783696764722 ]

Veröffentlicht am

30. September 2026

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