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Neuer Name, klare Haltung

Der DEAB wird zum "Dachverband für globale Gerechtigkeit". Konsequent streicht er damit den Begriff "Entwicklung" aus seinem Namen

Stuttgart (22. Juli 2026). 1949 sprach der amerikanische Präsident Harry S. Truman erstmals von "unterentwickelten Gebieten der Welt", denen geholfen werden müsse. Mit diesem Satz teilte er die Welt in zwei Hälften: den vermeintlich entwickelten, modernen Norden und den angeblich rückständigen, defizitären Süden. Bis heute ist diese Perspektive allgegenwärtig. Der Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg e.V. (DEAB) hält jedoch nichts von überholten Paradigmen: Die Mitgliederversammlung stimmte am 4. Juli 2026 in Stuttgart einstimmig für eine Umbenennung des Verbandes in "DEAB – Dachverband für globale Gerechtigkeit Baden-Württemberg e.V.". Der Begriff "Entwicklungspolitik" ist damit nicht mehr Teil des Namens.

Der Begriff "Entwicklung" ist nicht neutral

Vorausgegangen war eine intensive Auseinandersetzung mit kolonialen Denkmustern. Im Jubiläumsjahr 2025 erarbeiteten die Mitglieder des DEAB in zahlreichen Treffen, online wie in Präsenz, gemeinsam Grundlagen zur postkolonialen Aufarbeitung auch ihrer eigenen Arbeit. Dabei orientierten sie sich unter anderem an einer Debatte, die in mehreren europäischen Ländern bereits fortgeschritten ist und die in Deutschland zunehmend von einer jungen Generation von Aktivistinnen und Aktivisten kritisch geführt wird. Dabei werden koloniale Denkmuster in Sprache und Institutionen kritisch beleuchtet.

Das Ergebnis: Der Begriff "Entwicklung" ist kein neutraler Fachbegriff, sondern ein Erbe der Kolonialzeit. Bis heute bestimmen überwiegend Institutionen des Globalen Nordens, wie Wohlstand gemessen und wer als "entwickelt" gilt, meist mit dem Bruttoinlandsprodukt als Maßstab. Gesellschaften des Globalen Südens werden dadurch nicht als gleichwertig, sondern als defizitär gegenüber einer westlichen Norm eingeordnet.

Der Begriff hat noch eine zweite, folgenreiche Wirkung: Wo es eigentlich um Machtverhältnisse und historische Verantwortung geht, spricht der Entwicklungsdiskurs von "Fortschritt". So wird der Zugriff auf Ressourcen und Territorien im Globalen Süden bis heute legitimiert, während die strukturellen Ursachen globaler Ungleichheit aus dem Blick geraten.

Globale Gerechtigkeit statt Entwicklung

"Deutschland steht noch am Anfang postkolonialer Aufarbeitung. Wir beim DEAB mussten uns entscheiden: Wollen wir progressive Akteure globaler Gerechtigkeit werden oder in überholten Paradigmen verhaftet bleiben", so Dr. Gunne Guntsetseg, Co-Geschäftsführerin des DEAB. Mit der Umbenennung macht der DEAB deutlich, worum es tatsächlich geht: nicht darum, andere Gesellschaften zu "entwickeln", sondern globale Machtverhältnisse gerecht zu gestalten. Das betrifft Handelsbeziehungen ebenso wie Klimaverantwortung oder Ressourcenabbau.

Der DEAB versteht die Umbenennung nicht als Schlusspunkt, sondern als Ausgangspunkt. Auch in Zukunft wird der Verband gemeinsam mit seinen Mitgliedsorganisationen an der Dekolonisation und einer solidarischen Zukunft arbeiten. Er hat dafür bereits mehrere Formate, beispielsweise die LernWeltenWerkstatt, geschaffen und wendet sich damit insbesondere auch an die jüngere Generation.

Das ist der DEAB:

180 entwicklungspolitische Organisationen und Netzwerke in Baden-Württemberg, insgesamt über 400 Gruppen und Organisationen, bilden den DEAB – Dachverband für globale Gerechtigkeit Baden-Württemberg e.V. (Frieden wagen e.V. - Arbeitsstelle für Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie ist Mitglied). Zentrale Aufgaben des 1975 gegründeten Dachverbands sind die Förderung seiner Mitglieder und die politische Vertretung ihrer Anliegen gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Darüber hinaus ist der DEAB Ansprechpartner für Fragen, Anliegen und Themen im Bereich Eine Welt und Entwicklungspolitik. Der DEAB ist Herausgeber des Journals Südzeit und Träger des Eine Welt-Promotor*innen-Programms sowie des Interkulturellen Promotor*innen-Programms. Information: www.deab.de

Quelle:  DEAB – Dachverband für globale Gerechtigkeit Baden-Württemberg e.V. - Pressemitteilung vom 22.07.2026.

Veröffentlicht am

22. Juli 2026

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