Atomkrieg: Mord und Selbstmord inklusiv - Gedanken zum internationalen “Flaggentag” der “Mayors for Peace” (2026)Von Paul Schobel - Redebeitrag zum Flaggentag der Mayors for Peace in Stuttgart am 8. Juli 2026 Seht ihr einen Atompilz oder einen grellen Lichtblitz am Himmel, dann verkrümelt euch unter der Schulbank und haltet im Freien die Mappe über den Kopf, lernte ich einst am Gymnasium – das ist eine Weile her! Der "atomare Schirm" von damals – an Lächerlichkeit nicht zu überbieten. Aber immerhin: Nach Hiroshima und Nagasaki war man sich noch der atomaren Bedrohung bewusst gewesen – im Unterschied zu heute. Da duckt man sich einfach weg, hält sich die Ohren zu und wähnt sich sicher: Die werden doch nicht… "Denn wer als erster schießt, stirbt als zweiter!" Also vertraut man dem "gesunden Menschenverstand" der Kriegsherren und Despoten. Wie verrückt ist das denn? Wer heute noch Kriege führt, hat doch zuvor schon den Verstand verloren. Was hindert dann einen solchen Deppen, wenn er gar noch in die Enge getrieben wird, die halbe Welt in seinen Untergang mit hineinzureißen?
In wenigen Tagen werden wir uns einmal mehr an die entsetzlichen Kriegsverbrechen 1945 in Japan erinnern, als die USA mit "Little Boy" Hiroshima und wenige Tage später mit "Fat Man" Nagasaki in Schutt und Asche legten. Hunderttausende wurden sofort von den gewaltigen Druckwellen pulverisiert oder verglühten im atomaren Höllenfeuer, gefolgt von den Unzähligen, die Jahre später hoffnungslos verstrahlt qualvoll ihr Leben verloren. Lasst uns nicht vergessen: Diese Bomben waren ursprünglich für uns bestimmt, hätte Hitler-Deutschland nicht wenige Wochen zuvor kapituliert. Die atomare Sprengkraft von heute reicht aus, die menschliche Zivilisation gleich tausendfach zu vernichten. Schon ein paar Detonationen würden genügen, den ganzen Globus in einen atomaren Winter zu versetzen, in dem keine Sonne mehr scheint und kein Halm mehr wächst. Doch das alles hindert uns nicht, ein neues atomares Wettrüsten zu beginnen, wie es die Welt bisher noch nicht gesehen hat. Und zwar außer Rand und Band, denn fast alle nuklearen Kontroll- und Abrüstungsverträge hat man in die Tonne getreten. Wir müssen fast dem "Kalten Krieg" nachtrauern, in dem man das "Gleichgewicht des Schreckens" wenigstens noch ein wenig austariert und sogar kontrolliert abgerüstet hatte. Wohl ahnend, dass ein Nuklearkrieg niemals zu gewinnen ist, sondern alle dabei draufgehen. "Hut ab" vor der "Mayors for Peace", die sich schon 1982 in einem weltweiten Bündnis zur atomaren Abrüstung verpflichtet haben. Ihr Ziel ist eine atomwaffen-freie Welt, für die wir in der Friedensbewegung eintreten. Und daher sind wir heute hier, um am "Flaggentag" selber "Flagge zu zeigen" – gegen Krieg, gegen Hochrüstung, gegen die nukleare Bedrohung. Dass wir "Flagge zeigen" für Rüstungskontrolle, Abrüstung, für Verständigung, Diplomatie und Frieden. Von dieser Vision sind wir freilich zur Zeit weiter entfernt denn je. Nun schwadroniert man von "atomarer Teilhabe", faselt vom atomaren Schirm, als wärs ein harmloser Sonnenschirm. Schutz und Schirm vor Bomben und Raketen im Schatten von Bomben und Raketen? Wie geht das denn? Und weil der verschnupfte Onkel aus Amerika nun nicht liefert, werden wir diesen Schirm auch noch selber konstruieren und aufspannen müssen. Wir haben immer noch nicht kapiert, dass es heute gar nicht mehr möglich ist, ein atomar bewaffnetes Unrechts-System militärisch zu bekämpfen, es sei denn um den Preis des eigenen Untergangs. Der moderne Krieg hat sich nun selbst völlig "ad absurdum" geführt. Er liefert dem Mord gratis den Selbstmord als Dreingabe, als Rabatt dazu. Militärisch ist gegen eine Atommacht nichts auszurichten. Wann endlich kapieren Politiker und Kommandeure endlich, dass Krieg heute unweigerlich zum Selbstmord führt? Und das bedeutet:
Wir haben nur noch ein Spiel frei: Wer Frieden will, muss mit dem Feind reden. Muss gewaltfreie Strategien entwickeln, muss mit allen Mitteln diplomatischer Kunst hinarbeiten auf ein Minimum an Verständigung. So geht Friede. Warum nicht gleich, warum immer erst über Massengräbern, Soldatenfriedhöfen und Trümmerhalden? Daher: Zum Teufel mit diesem atomaren, biologischen und chemischen Waffen! Ach was: Zum Teufel mit dem Krieg überhaupt, dieser Ausgeburt der Hölle. Wie dankbar bin ich dem verstorbenen Papst Franziskus und nun auch seinem Nachfolger. Beide sagen unisono: Schon die Konstruktion und der Besitz von Atomwaffen ist ein Verbrechen, nicht erst die Androhung oder gar ihre Anwendung. Ganz konkret fordern wir die Regierung auf:
"No more" ist die Inschrift auf der Friedensglocke von Hiroshima. Wenn sie alljährlich am 6. August angeschlagen wird, fährt mir ein Schauer über den Rücken. "No more" – mit diesem Satz will ich schließen und Euch aufrufen, mit einzustimmen: "No more!" Paul Schobel, Betriebsseelsorger i. R., Böblingen Veröffentlicht amArtikel ausdruckenWeitere Artikel auf der Lebenshaus-WebSite zum Thema bzw. von |
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