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COP27, Demokratie, Menschenrechte und der weiße Westen

Von David Andersson, New York, Vereinigte Staaten

Es ist faszinierend, dass das diesjährige Klima-Aktionstreffen der Vereinten Nationen (COP27) zur gleichen Zeit stattfindet wie die Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten. Progressive Organisationen haben die Menschenrechtslage in Ägypten, dem diesjährigen Gastgeber der COP27, angeprangert und gleichzeitig alle ermutigt und daran erinnert, bei dieser "entscheidenden" Wahl zur Urne zu gehen. Ja, du wirst ermutigt, für diese "formale" Demokratie zu stimmen, die die Klimakatastrophe überhaupt erst verursacht hat.

Der weiße Westen ist sehr besorgt über die Aushöhlung seiner alten und nicht angepassten Demokratie. Stell dir vor, du bittest einen 19-Jährigen, wählen zu gehen – das ist, als würdest du ihn bitten, seine Hausaufgaben auf einer Schreibmaschine zu machen. Diese Demokratie wird seit einem Jahrhundert von einer Minderheit (alte weiße Männer) kontrolliert, die aus irgendwelchen fabrizierten Gründen das Wahlrecht der einfachen Leute blockiert und diese Einschränkungen mit deren Hautfarbe, Geschlecht oder irgendwelchen juristischen Präzedenzfällen begründet. Der Kampf um die Einschränkung des Wahlrechts ist immer noch sehr lebendig. Diese verabscheuungswürdige Demokratie ist süchtig danach, immer mehr Geld auszugeben – und all dieses Geld wird ausgegeben, um Menschen zu wählen, die so gut wie keine Macht haben, sondern nur dazu da sind, den Willen der Konzerne und Finanzmärkte zu erfüllen.

Unsere Klimakrise wird hauptsächlich von diesen sogenannten demokratischen Ländern verursacht, die in den letzten 27 Jahren (und 26 COP-Treffen) nicht in der Lage waren, ihre Versprechen einzuhalten, um das Richtige zu tun. Warum reden wir NICHT über Menschenrechte für die Inselstaaten, die im Meer versinken? Nicholas P. Simpson veröffentlichte in The Conversation einen Artikel mit dem Titel "Klimawandel wird bis 2050 bis zu 113 Millionen Menschen dazu zwingen, innerhalb Afrikas umzusiedeln – neuer Bericht" . Der weiße Westen bedient sich immer der gleichen Technik der proportionalen Manipulation: Man spricht über Hunderte von Menschenrechtsverletzungen in Ägypten, erwähnt aber kaum die 113 Millionen Menschen, die in Afrika umgesiedelt werden müssen. Und was noch widerlicher ist: Wir werden diese Vertriebenen als Einwanderer bezeichnen und von jedem einzelnen von ihnen verlangen, dass er sich dafür rechtfertigt, als Flüchtling in unseren "demokratischen" Ländern aufgenommen zu werden.

Wir können nicht Jahr für Jahr für dasselbe System stimmen und dieselben internationalen Treffen veranstalten, um gegen die Untätigkeit unserer Regierungen zu protestieren und drastische Maßnahmen gegen den Klimawandel zu erwarten. Das erinnert mich an Einsteins berühmte Definition des Wahnsinns: immer wieder das Gleiche tun und ein anderes Ergebnis erwarten.

Wir müssen mehr tun als nur wählen und protestieren, wenn wir die zerstörerische Richtung, in die wir uns bewegen, ändern wollen. Wir müssen unsere Demokratie und unser Verständnis von Menschenrechten grundlegend und dringend umgestalten, um die Klimakrise zu bewältigen. Hat der Weiße Westen ein "Menschenrecht" darauf, unseren Lebensraum zu zerstören?

David Andersson - Bürgerjournalist, Fotograf und Herausgeber. In den 80er Jahren begann er mit der Humanistischen Bewegung, indem er in Paris eine Nachbarschaftszeitung herausgab. Heute ist David der Koordinator des New Yorker Büros von Pressenza und moderiert die virtuelle Talk Show Face 2 Face. Sie ist auf Youtube und Facebook zu sehen.

Quelle: Pressenza - 11.11.2022. Die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Domenica Ott vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Eine Vervielfältigung oder Verwendung des Textes in anderen elektronischen oder gedruckten Publikationen ist unter Berücksichtigung der Regeln von Creative Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0) möglich.

Veröffentlicht am

13. November 2022

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