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“Solidarischer Herbst”: Wo war die Friedensbewegung?

Von Paul Schobel

Gewerkschaften, Sozial- und Umweltverbände haben sich zusammengetan, um einen "Solidarischen Herbst" auszurufen. Das ist dringend notwendig. Aber wo sind die Stimmen geblieben, die den Krieg als Ursache des Elends brandmarken?

Mit Blick auf den vergangenen Samstag, an dem sich 4.000 Menschen auf dem Stuttgarter Schlossplatz eingefunden haben, kann ich mir eine schmerzliche "Vermissten-Anzeige" nicht ersparen. Oder habe ich da was übersehen oder überhört? Wo war die Friedensbewegung? Warum wurde der Krieg, vor allem dieser gottverdammte, verbrecherische Krieg in der Ukraine, nicht deutlicher als die eigentliche Ursache sozialen und ökologischen Elends gebrandmarkt? Der Krieg als politische Null-Nummer, als a-sozialer Totschläger und als die größte Umwelt-Sau - ein Vergleich, für den ich mich beim Borstenvieh sofort entschuldigen muss. Warum mündeten die Kundgebungen nicht in einen einzigen Aufschrei gegen den Krieg, der uns - sozial, ökologisch, kulturell - um Jahrzehnte zurückbombt?

Es darf keine Kundgebungen mehr geben, bei denen man dieses Scheusal der Menschheit nicht ächtet und diskreditiert. Krieg, so füge ich als Christ hinzu, darf um Gottes und der Menschen willen nicht sein! Sind wir schon wieder so weit zurückgefallen, dass wir Kriege schicksalhaft hinnehmen? Kriege brechen nicht aus, sondern werden von Verbrechern verbrochen. Von Menschen begonnen, müssen sie von Menschen beendet werden.

Krieg ist immer a-sozial - Feuerpause sofort

Es ist aller Ehre wert, dass wir Folgeschäden minimieren und - wie in unserem Fall - das soziale Elend bekämpfen. Aber ohne Frieden bleibt alles nur "Flickwerk". Der Krieg vernichtet lebensnotwendige Ressourcen, walzt Wohnungen platt, zerstört wertvolle Infrastruktur. Zehntausende bezahlen den Wahnsinn völlig sinnlos mit ihrem Leben. Wer überlebt, ist möglicherweise verletzt, verkrüppelt, traumatisiert. Krieg produziert nur Tod, Leid und Zerstörung, beraubt uns des so mühsam erwirtschafteten gesellschaftlichen Wohlstands. Da zieht es auch etablierten Sozialstaaten den Boden unter den Füßen weg. Auch unsere Regierung wird auf Dauer weitere "Wumms" und "Doppelwumms" nicht mehr wuppen können. In der global verflochtenen Welt wird jeder Krieg im Handumdrehen zum "Welt-Krieg", stürzt zahllose Menschen in Hunger und Not, wenn Lieferketten krachen, an Gas- und Ölventilen gedreht wird und Kornkammern verschlossen bleiben.

Krieg ist immer a-sozial, ein Rückfall ins Unmenschliche. Un-menschlich, weil Herz und Hirn systematisch ausgeschaltet werden und Unvernunft, Hass und Gewalt das Kommando übernehmen. Wo ist da noch Raum für Mit-Menschlichkeit? Krieg war schon zu der Zeit schrecklich und dekadent, als man noch mit Dreschflegeln und Mistgabeln aufeinander losging.

Der "moderne" Krieg aber ist an Absurdität nicht mehr zu überbieten. Er führt die gezielte Selbstvernichtung in seinem Sortiment, kollektiven Mord und Selbstmord zugleich. Unglaublich, wie man gegenwärtig die nukleare Bedrohung verdrängt und einfach nicht wahrhaben will. Man denkt am besten gar nicht darüber nach. Das Schicksal der Menschheit, fürchte ich, hängt gegenwärtig am seidenen Faden einer Befehlsverweigerung. Ich hoffe inständig, dass im Ernstfall verantwortliche Militärs verweigern, was ihnen Idioten befehlen. Aber ist darauf Verlass?

Daher ist gegenwärtig das einzig politische Nahziel: Feuerpause, Waffenstillstand, und zwar sofort! Waffen schaffen keinen Frieden. Als Christ fühle ich mich der jesuanischen Feindesliebe verpflichtet. Sie bedeutet gewiss nicht, Putin zu umarmen, wohl aber, der Eskalation des Krieges sofort Einhalt zu gebieten.

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Quelle:  KONTEXT:Wochenzeitung - 26.10.2022.

Veröffentlicht am

26. Oktober 2022

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