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Nirit Sommerfeld: Alles, was Recht ist

Die deutsch-israelische Jüdin Nirit Sommerfeld berichtet in ihrem aktuellen gebloggten Brief u.a. darüber, dass sie zusammen mit zwei weiteren Betroffenen, dem Journalisten Andreas Zumach und dem Veranstalter des Ulmer Weltladens e.V., Lothar Heusohn, gegen den Vorwurf des Antisemitismus vor Gericht gezogen ist. Allerdings haben sie in erster Instanz verloren. Zum Hintergrund: In Ulm wurde im März 2021 von einem anonymen “Kollektiv 26” zusammen mit Grüner Jugend, Jusos und Deutsch-Israelischer Gesellschaft eine Mail verbreitet, in der u.a. Nirit Sommerfeld und Andreas Zumach als Personen erscheinen, die zu den Ulmer Friedenswochen nicht mehr eingeladen werden sollen. Begründung: Israelhass und Antisemitismus sollen dieses Jahr nicht auf der Agenda der Friedenswochen stehen. Gegen das ablehnende Urteil des Ulmer Landgerichts gehen Nirit Sommerfeld, Andreas Zumach und Lothar Heusohn in Berufung und bitten um solidarische Unterstützung.

Von Nirit Sommerfeld

Liebe Leserin, lieber Leser meiner gebloggten Briefe,

heute geht es - wie so oft - um "mein" Thema Israel und Palästina, diesmal aber auch um den Aspekt, wie damit in Deutschland von einigen Leuten, Institutionen, Parteien und Interessengruppen umgegangen wird. Zuerst die gute Nachricht: Heute erschien im München-Teil der Süddeutschen Zeitung (SZ) in der Rubrik ‘Leute’ ein fast ganzseitiger Artikel über ein Gespräch, das ich mit der jungen, engagierten und höchst motivierten Palästinenserin Rihm Hamdan führen konnte. Martina Scherf von der SZ hat sehr genau hingehört und unsere beiden Stimmen, wie ich finde, wunderbar wiedergegeben. Hier findest Du den Artikel online , hier als PDF .

Dass man ausgerechnet mir immer wieder mit dem Vorwurf Antisemitismus und Israelhass kommt, ist an Absurdität und Dreistigkeit eigentlich nicht zu toppen. Es gibt aber derzeit doch eine Steigerung: In Ulm wurde im März 2021 von einem anonymen "Kollektiv 26" zusammen mit Grüner Jugend, Jusos und Deutsch-Israelischer Gesellschaft eine Mail verbreitet, in der u.a. mein Name erscheint als Person, die zu den Ulmer Friedenswochen nicht mehr eingeladen werden soll. Begründung: Israelhass und Antisemitismus sollen dieses Jahr (sic!) nicht auf der Agenda der Friedenswochen stehen. Aha. Dieses Jahr also ausnahmsweise nicht.

Nachdem ich solcherlei Unfug in den vergangenen fünf Jahren mit Schulterzucken oder Kopfschütteln, wahlweise auch mit mehr oder weniger Ärger und Bauchschmerzen habe über mich ergehen lassen, bin ich diesmal zusammen mit zwei weiteren Betroffenen, dem Journalisten und BIP-Beirat Andreas Zumach und dem Veranstalter des Ulmer Weltladens e.V., Lothar Heusohn, vor Gericht gezogen. In erster Instanz haben wir verloren.

Ein Richter aus Ulm, der über eine Verleumdungsmail zu urteilen hatte (siehe unten Anhang 1 - von zahlreichen Menschen wurde sie als solche gelesen) bescheinigte mir zwar im Gerichtssaal, dass jede Nähe zu Antisemitismus bei mir vollkommen abwegig sei, er bestätigte auch, dass die Mail "a G’schmäckle" habe (für alle Nicht-Süddeutschen: ein übler Beigeschmack ist gemeint), aber in sein Urteil schrieb er:

"Allein durch diese Fragestellung in Verbindung mit den in Absatz 1 der E-Mail vom 09.03.2021 aufgeworfenen Thematik gebracht zu werden, mag die Klägerin, als nachfolgende Generation von Holocaust-Überlebenden, nachvollziehbar besonders schmerzen, führt jedoch nicht zu einer rechtlichen unmittelbaren Betroffenheit."

Meine Mutter lehrte mich schon früh: Recht haben und Recht bekommen sind zweierlei Dinge. Darum habe ich bisher in meinem Leben den Rechtsweg weitestgehend ausgeschlossen. Aber die Dinge ändern sich, und ich bin entschlossen, mit meinen beiden Mitstreitern den Weg in die nächste Instanz mitzugehen. Da das alles extrem kostspielig ist, hat Andreas Zumach einen Spendenaufruf formuliert und dazu die ganzen Vorgänge in Ulm dokumentiert; dies alles leite ich hier gerne weiter und möchte mich schon im Voraus für jeden einzelnen Euro bedanken.

In dem oben erwähnten SZ-Artikel sage ich, man muss sich mal in die Schuhe des andern stellen, wenn man einer Lösung des ‘Konflikts’ näher kommen möchte. Das habe ich natürlich nicht selbst erfunden, das haben uns schon andere vorgemacht und es ist, soweit ich weiß, auch eine psychologische Praxis. Mein größtes Vorbild auf diesem Feld sind die Frauen und Männer, die palästinensischen und israelischen Mütter, Schwestern und Brüder, die ihre Liebsten verloren haben und dennoch bereit sind, einander die Hand zu reichen. Am 12. Juli um 19 Uhr veranstalten sie gemeinsam eine Nakba Gedenk-Zeremonie, weil sie damit zum Ausdruck bringen wollen, dass "Versöhnung und Respekt eine aufrichtige Auseinandersetzung mit der Geschichte erfordern".

Hier kannst Du ein kurzes Einladungsvideo zur Veranstaltung ansehen und Dich für die Online-Zeremonie anmelden.


Noch nicht genug geguckt? Dann gibt es hier noch zwei neue Videos von den letzten beiden Reden, die ich auf Demonstrationen anlässlich der anhaltenden Gewalt in Palästina und zur fortdauernden Besatzung und ihrer Folgen gehalten habe.

Herzlichst,
Nirit

Quelle:  Nirit Sommerfeld - 03.07.2021.

Veröffentlicht am

03. Juli 2021

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