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Mehr als 400.000 Tote durch Luftverschmutzung: EU-Kommission muss entschlossener handeln

Am Montag stellte die Europäische Umweltagentur ihren jährlichen Bericht zur Luftqualität in Europa vor. Obwohl die Luftqualität langsam besser wird, sterben weiterhin mehr als 400.000 Menschen in der EU jährlich vorzeitig durch von Luftverschmutzung verursachte Krankheiten. In Deutschland sind es mehr als 70.000 Todesfälle pro Jahr. Hauptursache ist die hohe Feinstaubbelastung, durch die allein 379.000 Menschen im Jahr sterben. Feinstaub entsteht in vielen industriellen Prozessen, im Straßenverkehr und in der Landwirtschaft, wenn Ammoniak in der Luft mit anderen Schadstoffen zu gefährlichem Feinstaub reagiert. Auch Stickstoffdioxid und Ozon sind verantwortlich für zehntausende vorzeitige Todesfälle jedes Jahr. Stickstoffdioxid wird vor allem im Straßenverkehr ausgestoßen.

Die EU setzt Grenzwerte für die gefährlichsten Schadstoffe. Doch die Durchsetzung ist völlig unzureichend. In einer Vielzahl von Fällen werden die EU-Grenzwerte nicht eingehalten. So berichtet die Europäische Umweltagentur, dass 19% der Messstationen in der EU Konzentrationen über dem Feinstaub-Tagesgrenzwert verzeichneten. Weite Teile der städtischen Bevölkerung der EU lebt in Gebieten mit Schadstoffkonzentrationen über mindestens einem EU-Luftqualitätsstandard. Seit 2010 stößt Deutschland jedes Jahr mehr Ammoniak in die Luft, als gesetzlich erlaubt. Ammoniak ist für tausende Todesfälle verantwortlich. In Deutschland ist die Massentierhaltung in der industriellen Landwirtschaft verantwortlich für mehr als 90% aller Ammoniakemissionen, die zu gesundheitsschädlichem Feinstaub führen. Davon sind besonders Menschen in ländlichen Regionen der Luftverschmutzung betroffen.

Laut Europäischer Umweltagentur zeigen vorläufige Studien, dass Luftverschmutzung zu mehr und schwereren COVID-19 Fällen führen kann. Die Belastung durch Luftverschmutzung ist mit Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen verbunden, die als Risikofaktoren bei COVID-19-Patienten identifiziert wurden. Gleichzeitig gibt es erste Hinweise, dass Feinstaub als physikalischer Träger des Virus fungieren kann und so die Übertragung des Coronavirus beschleunigt.

Sven Giegold, Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen im Europäischen Parlament, erklärt:
"Wir können 400.000 Tote nicht einfach akzeptieren. Es ist ein Armutszeugnis, dass die Luft in Europa weiterhin so schlecht ist. Die Kommission muss endlich ernst machen im Kampf gegen Luftverschmutzung. Neue Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland und andere EU-Länder sind lange überfällig. Wo Verfahren schon eröffnet sind, muss die Kommission diese schneller zu einem Abschluss vor dem Europäischen Gerichtshof bringen. Der europäische Green Deal bedeutet, gutes EU-Umweltrecht auch durchzusetzen. Ursula von der Leyen muss bei der Durchsetzung des guten Umweltrechts der EU Tempo machen. Die zauderhafte Linie der Kommission bei der Durchsetzung des Umweltrechts gefährdet die Glaubwürdigkeit des Green Deals. Ihre Ambition eines Europas mit Null-Schadstoffen ist heute in weiter Ferne. Es benötigt ein drastisches Umsteuern in Industrie, Verkehr und Landwirtschaft.

Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie ist saubere Luft wichtiger denn je. Schadstoffe in der Luft verschlimmern die Corona-Krise. Durch Luftverschmutzung verursachte Herz- und Atemwegskrankheiten sind Risikofaktoren und müssen verhindert werden. Überall in Europa haben Menschen ein Recht auf saubere und gesunde Luft."

Quelle: Sven Giegold - 23.11.2020.

Veröffentlicht am

24. November 2020

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