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Film: Die Menschenkette von Stuttgart nach Neu-Ulm 1983

"Die Menschenkette ist geschlossen!" meldet der Südwestfunk am 22. Oktober 1983 um 13 Uhr. Man hört Jubel, die Stimmung ist euphorisch. 400 000 Menschen fassen sich an diesem strahlenden Herbsttag an den Händen. Zwischen Stuttgart und Neu-Ulm bilden sie die damals "längste Menschenkette aller Zeiten" und protestieren so gegen die geplante Stationierung nuklearer Mittelstreckenraketen in Neu-Ulm, Mutlangen und Heilbronn. Der Film von Katharina Prokopy stellt Menschen aus dem Südwesten vor, die damals trotz vieler Unwägbarkeiten und mit großem Enthusiasmus die Friedenskundgebung organisierten.

Erstausstrahlung: 10.11.20, 23:30 - 00:15 Uhr, 45 Min., Geschichte & Entdeckungen, SWR Fernsehen

Details

400 000 Menschen fassen sich am 22. Oktober 1983 an den Händen und protestieren gegen die Stationierung von Atomraketen im Südwesten. Es ist eine der ersten, sicher aber die damals längste und bekannteste Menschenkette. Wer aber hatte die Idee und auch die Überzeugungskraft, Autorität und Energie, diese große Zahl friedensbewegter Gruppen aus unterschiedlichen politischen Lagern an einen Tisch zu bringen und für die Menschenkette zu begeistern?

Gottfried Härle und Martina Schwendemann waren damals in ihren Zwanzigern. Für einige Monate im Sommer 1983 widmeten sie ihre ganze Kraft und Energie der Organisation der "Kette". Aber auch Friedensaktivistin Sonnhild Thiel - ihr verstorbener Mann Ulli Thiel hatte die Idee zur Kette - und Harald Nehb, damals Gemeindepfarrer in Urspring, einem der Dörfer auf der Schwäbischen Alb, durch das die Menschenkette führte, sind wichtige Protagonistinnen und Protagonisten. Die regionalgeschichtliche SWR Doku befragt die Hauptakteurinnen und Hauptakteure von damals, holt aber auch Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte, Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner sowie Demonstrantinnen und Demonstranten vor die Kamera, zeigt Fotos und Filmaufnahmen aus der Zeit damals.

Busse organisieren, Regionen und Städte auf Streckenabschnitte verteilen, Züge buchen, Telefonhäuschen besetzen, mit Motorrädern die Strecke abfahren. Alles war perfekt geplant. Wie war das möglich, ohne Internet? Roter Faden im Film SWR Autorin Katharina Prokopy ist der reale Ablauf der Ereignisse, die generalstabsmäßige perfekte Planung: Von restlos zerstrittenen Friedensaktivistinnen und Friedensaktivisten auf der Aktionskonferenz im Juli, dem Alltag im Aktionsbüro, den Fragen, ob eine Kooperation mit Behörden erwünscht ist und ob Rednerinnen und Redner aus der damaligen DDR auf der späteren Kundgebung zu Wort kommen können, bis zum friedlichen Großereignis am 22. Oktober 1983. Dass es zustande kommt, hatten viele der Friedensbewegung nicht zugetraut.

"Es war ein starkes Bedrohungsgefühl, das uns alle verband", erinnert sich Gottfried Härle. Der NATO-Doppelbeschluss sah die Stationierung neuer Atomraketen in Westeuropa vor, sollten die Rüstungskontrollverhandlungen zwischen den Supermächten USA und UdSSR scheitern. Die aber lagen auf Eis. 1983 war die Gefahr eines Atomkriegs sehr real und der Kalte Krieg auf einem Höhepunkt.

Die Menschenkette verläuft mitten durch die Dörfer auf der Schwäbischen Alb. Wie war das damals in Urspring? Busse und Sonderzüge mit Demonstranten aus Südhessen wurden dorthin dirigiert. Berichte über die heftigen Proteste gegen die Startbahn-West eilten ihnen voraus. Die Einheimischen waren skeptisch, verriegelten ihre Häuser und befürchteten das Schlimmste. Als es dann soweit war, konnten sich auch die Einheimischen der überwältigenden friedlichen und heiteren Stimmung in der Menschenkette nicht entziehen. Allerdings haben nur 25 von 700 Einheimischen mitgemacht. Es ging auch ein Riss durch die Dorfgemeinschaften.

Die Menschenkette schuf ein prägendes Bild für friedlichen Protest, für friedliches solidarisches Miteinander. Sie ist die bekannteste Menschenkette weltweit und fand ein überwältigendes Medienecho. Hat sie doch etwas bewirkt? Viele, die damals in der Kette standen, sagen, dieses entschiedene Ja der Bürgerinnen und Bürger für Frieden habe etwas bewegt. Es habe Gorbatschow bestärkt, als er wenige Jahre später die Initiative für Abrüstung ergriff.

Quelle: programm.ard.de

Veröffentlicht am

12. November 2020

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